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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Können wir das schaffen?

Yo, wir schaffen das, wusste Bob der Baumeister lange vor der Kanzlerin.

Bob der Baumeister war früher klein und untersetzt. Mittlerweile ist er rank und schlank und an seiner Seite agiert Wendy, seine clevere und aktive Partnerin im Baugeschäft. So steht es im Profilbild der Kinderzimmer-Handwerker von Mattel.

Der Spielzeugkonzern Mattel geht mit der Zeit. Eigentlich ist er ihr sogar noch ein Stück voraus, denn Leo, der gutherzige Azubi von Bob und Wendy, ist ein Farbiger. Er steht also entweder für die bereits gelungene Integration (dafür spräche sein Vorname) oder einfach für die Sensibilisierung in Fragen der Anti-Diskriminierung.

Wendy ist mein Idol. Ich bin es nämlich leid, in ungezählter Generation immer nur das Staubsaugerrohr beim Bohren zu halten, Schrauben anzureichen bzw. heruntergefallene einzusammeln. Auch die Bedienung des Bohrfutters bleibt mir ein Mysterium. Darum habe ich einen Heimwerkerkurs für Frauen besucht.

Die Baumeisterin Sylvia Adamec ist Elektrikerin, Hand- und Heimwerkerin, trägt knallroten Lippenstift, bewegt sich auf hohen Absätzen und hat eine Mission: Sie hält Vorträge und Seminare zum Thema Frauen in „Männerberufen“.

Dazu hat sie einen Stammtisch ins Leben gerufen. Mit einem Werkzeughersteller tüftelt sie gerade an Werkzeugen, die für Frauenhände geeignet sind, nicht wegen der lackierten Fingernägel, sondern wegen der kleineren Hände und der Hebelwirkung.

Hammer los

Der Basiskurs „Instandsetzungen im Haushalt“ dauerte vier Stunden. Ich erfuhr, was unbedingt in einen Werkzeugkoffer gehört, als da wären: Hammer, Kombizange, Schraubendreher mit variablen Aufsätzen, Multitool, Cuttermesser, Klebe- und Isolierband, Zollstock, Phasenprüfer sowie das Zaubermittel WD-40.

Ich lernte moderne Akkuschrauber kennen, die nicht nur schrauben, sondern auch bohren und schlagbohren können.

Merkwürdigerweise brannten sich mir aus einer Akkuschrauber-Collection die Aufsätze Korkenzieher und Salz- und Pfeffermühle ins Gedächtnis ein.

Dann ging es an kleine Übungswände, um zu schrauben, zu bohren und Dübel zu versenken. Wir lernten mit Silikon Fliesen zu verfugen und schlossen die richtigen Drähte an die Lüsterklemme. Höhepunkt des Abends war der Zusammenbau eines Spülsiphons.

Ich kam nach Hause und inspizierte eine circa fünf Zentimeter große schadhafte Fuge im Bad. Da diese nicht im Nassbereich liegt, entschloss ich mich, hier nicht Hand anzulegen, weil dies den Anbruch einer Silikon-Kartusche unter nachhaltigen und ökologischen Gesichtspunkten nicht rechtfertigen würde.

Geduldig wartete ich auf einen ersten Instandsetzungsfall. Einige Tage später gab die Halogenlampe der Dunstabzugshaube ihren Geist auf. Ich holte meine Kopflampe hervor, entfernte die Glasabdeckung und bekam die Steckverbindungen aufgrund des ungünstigen Winkels nicht in die Lampe. Am Ende lag ich bei der Montage mit dem Rücken auf dem Herd und nachdem mir die Glasabdeckung, die (von Männern?) so konstruiert ist, dass sie nicht wirklich einrastet, einige Male ins Gesicht gefallen war, steckte die Birne in der Lampe.

Meinem Mann erzählte ich beiläufig, dass mit der Dunstabzugshaube wieder alles in Ordnung sei und es für mich als Absolventin des Heimwerkerkurses absolut kein Problem gewesen sei.

Ich bleibe auf jeden Fall weiter dran, das bin ich Wendy und der Baumeisterin einfach schuldig.

(Susan Tuchel)


 


 

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