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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Richtig shoppen – geht das?

Der Mensch ist schlecht. Er produziert Abgase und kauft ein.

Das Einkaufen wird neben dem CO2-Abdruck, den ich bei Auto- und Flugreisen in den Klimahimmel schreibe, immer mehr zu einer quälenden Gewissensfrage.

Ist es nicht eine meiner ersten Bürgerpflichten, den regionalen Einzelhandel zu unterstützen, damit unsere Innenstädte nicht zu Städten mutieren, in denen nur noch gegessen und getrunken wird? Ich bekenne mich schon mitschuldig am Untergang des Düsseldorfer Sternverlags, weil ich hin und wieder Bücher bei Amazon bestellt habe. Dieser börsennotierte Online-Versandhändler ist a) amerikanisch und b) beschäftigt er ein Ameisenheer von unterbezahlten Mitarbeitern, die durch gigantische Lager fahren oder laufen (?) müssen, um 24 Stunden alle Konsumentenwünsche zu befriedigen.

Am Donnerstagabend kristallisierte sich aber heraus, dass eine bestimmte Trekkinguhr als Geburtstagsgeschenk benötigt wurde. Samstag war die Feier und mein Plan war, Freitag zwei große Kaufhäuser mit dem „K“ aufzusuchen, um den Wirtschaftsstandort Düsseldorf zu stärken.

Nun hatte ich aber bei der Suche nach dem richtigen Modell im Internet schon Spuren hinterlassen. Am Freitagmorgen ploppte dann beim Lesen eines Online-Artikels eine Anzeige von Amazon auf mit exakt dem Uhrenmodell, das ich bei meiner Online-Suche favorisiert hatte. Offenbar funktioniert Eye-Tracking auch, wenn man die Computerkamera zugeklebt hat. Und dann blieb mein Blick auf dem Prime-Angebot von Amazon hängen. Ich las etwas von kostenloser Lieferung innerhalb von 24 Stunden. Der Tag war jung, ich brauchte Arbeits- statt Shoppingzeit, also drückte ich auf den Button Einkaufswagen. Die Uhr traf pünktlich beim Geburtstagskind ein.

Dabei mag ich mir überhaupt nicht ausdenken, wie schlimm es wäre, wenn es keine Geschäfte mit echten Menschen gäbe, die einen freundlich und kompetent beraten und bedienen, wenn sie denn gerade dazu aufgelegt oder auffindbar sind.

Manchmal ist mir die Kundenbindung aber auch zu eng. Zum Beispiel in Boutiquen, bei denen ein Umtausch mit einem Gutschein quittiert wird. Nach vier vergeblichen Versuchen, in einer Boutique etwas anderes Schönes zum Anziehen zu finden, kaufte ich vor lauter Verzweiflung das bereits umgetauschte Kleid ein zweites Mal.

Einkaufen auf sizilianisch

Im Januar war ich auf Sizilien und in Shoppinglaune. Das erwähne ich nur, um mir nicht den Unmut des hiesigen Textil- und Einzelhandels zuzuziehen.

Einen Pullover hatte ich schon ausgesucht, beim weiteren Stöbern im Falconeri-Store auf Ortigia fragte ich nach dem Pullover, den die wunderschönen und gestylten Verkäuferinnen auf einmal alle emsig suchten und nicht fanden. Als ich dann mit einem weiteren Kleidungsstück an der Kasse stand, war auf einmal auch der Pullover wieder da. Zu Hause stellte ich fest, dass emsige Hände die Zeit genutzt hatten, um ein kleines Loch im Pullover zu flicken. Da kommt Amazon dann doch noch nicht mit.

(Susan Tuchel)


 


 

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