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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Safety first

Die Industrie tut viel dafür, dass wir uns sicher fühlen. Lego zum Beispiel hat 1.500 Pantoffeln ins Weihnachtsrennen geschickt. Wer diese etwas klobig aussehenden Vierkantpuschen anzieht, kann unbesorgt über bunte scharfkantige Plastiksteine laufen.

Auch Startups sind um unsere Sicherheit bemüht. Das Unternehmen Starship Technologies beispielsweise hat einen Proto-Roboter zur Auslieferung von Waren entwickelt, der nicht drohnenhaft durch die Lüfte saust, sondern bodenständig unterwegs sein wird. Dabei weicht er nicht nur Autos und Laternenpfählen aus, sondern auch Fußgängern.

Aber auch Vater Staat und die EU sorgen sich um und für uns: Rechtzeitig zum Advent hat eine EU-Kerzenverordnung das Licht der Welt erblickt.

Geradezu beschwörend heißt es dort: „Frei stehende Kerzen oder Kerzen, die mit einem Halter oder Behälter geliefert werden, müssen während des Abbrennens stabil bleiben.“ Solche EU-Verordnungen sind für den Alltag nützlicher als die zum Krümmungsgrad von Schlangengurken. Außerdem schärfen sie unseren Sinn für Sicherheit.

Doch wie sieht es mit der Sicherheit im öffentlichen Raum aus? Verordnungen wie „Terroristen sind von Großveranstaltungen grundsätzlich ausgeschlossen, damit die Sicherheitslage stabil bleibt“ würden die Sicherheitslage vermutlich nicht verbessern. Dabei schätzen nach dem Werte-Index 2016 des Marktforschungsunternehmens TNS Infratest die Nutzer deutscher Internetseiten in erster Linie ihre Gesundheit und ihre Freiheit. Auf beides nehmen Terroristen bekanntlich keine Rücksicht. Das Bedürfnis nach Sicherheit kletterte nach den Anschlägen in Paris in diesem Jahr prompt von Rang zehn auf sieben in der Werteskala.

Eine Frage der Werte

Apropos Werte. Die deutsch-muslimische Religionspädagogin, Islamwissenschaftlerin und Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes Lamya Kaddor sieht im Dschihad eine Art Jugendbewegung und eine Reaktion darauf, dass wir hierzulande religiöse Orientierungsformen und Sozialisierungsprozesse vernachlässigen.

Und in der Tat kommt bei den Top 10-Werten Gesundheit, Freiheit, Erfolg, Natur, Gemeinschaft, Familie, Sicherheit, Anerkennung, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit die Religion erst gar nicht vor.

Das Gros der Deutschen kommt offenbar auch ohne religiös besetzte Wertvorstellungen mit dem Leben zurecht. Experten betonen jedoch, dass für viele Menschen aus den Zuwandererstaaten ein Leben ohne Religion und alltägliche Frömmigkeit undenkbar ist. Das trifft auch hierzulande auf offene Ohren und Arme:

So berichtete der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei einem Besuch in Düsseldorf von ersten Missionierungserfolgen. Er hatte Kontakt zu einigen 15- und 16-jährigen Jugendlichen aus Syrien, die sich als unbegleitete Minderjährige auf den Weg gemacht hatten und sich nun am Christentum orientieren wollen.

Wie es am Ende ein jeder mit der Religion hält, bleibt ihm in unserer Demokratie Gottlob unbelassen. Auf diese rechtsstaatliche Sicherheit können wir bauen.

(Susan Tuchel)


 


 

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