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Schuldnerklima-Index

Überschuldungsrisiko der Deutschen steigt wieder an

Die Hoffnung auf eine Trendwende bei der Überschuldung der Deutschen hat sich nicht erfüllt. Nach einer Erholung im letzten Quartal hat sich der SchuldnerKlima-Index im Herbst 2016 wieder verschlechtert.

Auf 101,4 Punkte (- 0,9 Punkte) ist der Schuldnerklima-Index im Herbst 2016 angestiegen. Mit anderen Worten: Das Überschuldungsrisiko der Verbraucher in Deutschland nimmt wieder zu. Sowohl die aktuelle Kreditnutzung der deutschen Verbraucher als auch die kreditbasierte Anschaffungsbereitschaft für die nächsten Monate haben im Herbst 2016 wieder leicht zugenommen. Rund 61 Prozent der Verbraucher geben im Herbst 2016 an, „Kredite oder sonstige finanzielle Verbindlichkeiten und Verpflichtungen“ zu haben (61,5 Prozent; + 0,3 Punkte). Zudem nimmt die Bereitschaft der Verbraucher, zukünftige Anschaffungen mit Krediten beziehungsweise „nicht aus eigenen Mitteln“ tätigen zu wollen, wieder deutlich zu. So planen derzeit rund 34 Prozent der Befragten (34,2 Prozent; + 1,6 Punkte), in den nächsten drei Monaten weitere Anschaffungen mit Krediten zu finanzieren. Weiterhin stehen eher kurzfristige Konsumgüter und langfristige Nutzgüter wie zum Beispiel Autos im Fokus des Verbraucherinteresses. Die Nachfrage nach Immobilien verliert hingegen für viele Verbraucher an Attraktivität, mutmaßlich wegen des deutlich steigenden Preisniveaus.

Sparneigung steigt

Derzeit bewerten mehr als 30 Prozent der deutschen Verbraucher ihre aktuelle eigene wirtschaftliche Lage mit einer guten oder sehr guten Schulnote (30,3 Prozent; + 0,5 Punkte). Die eigene wirtschaftliche Lage für die nächsten Monate wird hingegen minimal schlechter bewertet (sehr gute oder gute Schulnote: 31,5 Prozent; - 0,3 Punkte) als im letzten Quartal. Ein wichtiger Grund für die aktuell positiven Einschätzungen bildet der Arbeitsmarkt in Deutschland: Er zeigt sich weiterhin robust. Die Arbeitslosenquote lag im Oktober 2016 bei 5,8 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit über 25 Jahren. Sparen liegt weiterhin im Trend. Die „Sparneigung“ verbessert sich nochmals leicht und der Anteil „regelmäßiger Sparer“ (Anteil: 33,7 Prozent; + 1,1 Punkte) erhöht sich weiter. Beide Entwicklungen sind aus der Überschuldungsperspektive erfreulich. Trotz leichtem Positivtrend legt aber auch die aktuelle Auswertung nahe, dass immer noch viele Verbraucher entweder auf die Bildung von Rücklagen durch regelmäßiges, aber auch sporadisches Sparen verzichten oder dazu nicht in der Lage sind, da ihre vorhandenen finanziellen Mittel zu gering sind.

Mehr Schuldenstress und Überforderung

Der Indikator “Schuldenstress“ belegt, dass weiterhin keine Entwarnung für die Überschuldungsgefährdung der deutschen Verbraucher gegeben werden kann. So hat sich der Teilindikatorwert „Subjektiver Schuldenstress“ spürbar verschlechtert. Zwar ist der Anteil der Verbraucher, die angeben, „häufiger“ das Gefühl zu haben, dass ihnen ihre „finanziellen Verbindlichkeiten über den Kopf wachsen könnten“, zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen (10,1 Prozent; - 2,5 Punkte). Jedoch fühlen sich deutlich mehr Verbraucher „manchmal von den finanziellen Verbindlichkeiten überfordert“ (37,3 Prozent; + 2,3 Punkte) und auch der Anteil derjenigen Personen, die „finanziell gestresste Personen“ im eigenen Umfeld kennen, ist von 63 auf 66 Prozent gestiegen (+ 3,2 Punkte). In einer Gesamtsicht hat sich der Wert des Indikators Schuldenstress wieder um rund vier auf 85 Punkte verschlechtert (- 3,7 Punkte).

Trübe Aussichten

Das SchuldnerKlima-Barometer liegt in diesem Quartal zwar knapp im „grünen Bereich“, aber der deutlich positive Trend aus dem letzten Sommer hat sich umgekehrt. Die aktuellen Ergebnisse und der insgesamt negative Gesamttrend im Jahresverlauf korrespondieren mit den Ergebnissen des aktuellen SchuldnerAtlas Deutschland, der Anfang November 2016 vorgestellt wurde. Demnach hat sich die Überschuldungssituation der Verbraucher in Deutschland in den letzten zwölf Monaten nochmals und zudem deutlicher als erwartet, verschlechtert. „Für die nahe Zukunft ist, auch wegen des verstärkten Trends zur strukturellen Überschuldung, nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen“, sagt Ralf Zirbes, Geschäftsführer von Creditreform Boniversum, die den SchulnderKlime-Index erstellt haben. „Wir gehen davon aus, dass die Überschuldungszahlen, nicht nur in den nächsten Monaten, weiter ansteigen werden. Unsere Zwischenauswertungen realer Überschuldungszahlen unterstützen diese Annahme leider.“

Den kompletten Bericht gibt es hier.

(Redaktion)


 


 

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