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„Selbstständige und Versicherungen“

Die größten Stolperfallen für Selbstständige (beim Abschluss von Versicherungen)

Krankenversicherung, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sind Pflicht für Arbeiter und Angestellte. Selbstständige hingegen sind von der Sozialversicherungspflicht befreit und müssen selbst für Vorsorge sorgen. Eine Kür, die oftmals in die Hose geht.

Jeder Selbstständige regelt die Absicherungen bei Krankheit, Unfall sowie die Altersvorsorge für sich selbst und ist allgemein hin von der Versicherungspflicht in den Sozialversicherungen befreit. Das dahinter stehende Motiv besteht meistens darin, dass der Unternehmer für weniger Beitragsaufwand mehr Leistung erhält oder seine Beiträge eine höhere Renditekraft erzielen. Das gilt, unter bestimmten Voraussetzungen, auch für Geschäftsführende Gesellschafter einer GmbH oder anderen Kapitalgesellschaften. Hier bestehen Möglichkeiten, je nach Ausgestaltung des Arbeitsvertrages, ebenfalls eine Befreiung von der Sozialversicherungspflicht zu erwirken.
(siehe hierzu auch http://www.iww.de/lgp/archiv/gmbh-gesellschafter-geschaeftsfuehrer-befreiung-von-der-sozialversicherungspflicht-f2581)

Betrachten wir zunächst einmal die gewöhnliche Situation eines Einzelunternehmers. Die Ausgangslage stellt sich so dar, dass in der Regel jeder Selbstständige in Deutschland krankenversichert ist. Einige privat und einige gesetzlich, je nach Geschmack und Rahmenbedingungen. Beleuchten wir hierzu einmal die isolierte Situation im Krankentagegeldbereich und betrachten deren Auswirkung, die Ihnen vielleicht bekannt vorkommt und leider immer wieder so anzutreffen ist.

Dabei ist festzustellen, dass einige Selbstständige keine Krankentagegeldversicherung besitzen. Das kann verschiedene Gründe haben. Bei denen, die eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen haben, stellt man fest, dass diese Versicherungen meistens eine sehr kurze Karenzzeit besitzen – also schon nach vierzehn Tagen oder drei Wochen eintritt - und gemessen am Einkommen oft viel zu hoch ausfällt.

Auf die leichte Schulter genommen

Bei denjenigen, die eine solche Krankentagegeldversicherung besitzen, erhält man auf die Frage, warum diese denn so abgeschlossen worden ist, folgende Aussagen: „In dem Moment wo ich krank werde muss ich aus dem Krankentagegeld meine Kosten hier im Unternehmen bezahlen können. Neben Miete/Pacht laufen etwa auch Leasingverträge weiter, das alles muss ja beglichen werden.“ Andere sagen: „Wenn ich ausfalle muss jemand anders hier sitzen und mich vertreten. Der kostet ja auch Geld und das muss ich mit der Krankentagegeldversicherung ausgleichen können.“ Kaum zu überbieten ist dann dieses Statement: „Das weiß ich nicht, dass wurde mir so empfohlen.“

Die meisten dieser Aussagen sind aus dem Blickwinkel des Einzelunternehmers getroffen und wiedergegeben worden, die am Steuer ihres Unternehmens sitzen und sich Gedanken zum Ausfall Ihrer Person gemacht haben. Dazu wurde dann, weil es nahe liegend war, eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen, die von der Höhe her die zu erwartenden Kosten deckt und das Unternehmen oder den Unternehmer vor einer wirtschaftlichen und finanziellen Schieflage retten soll. Soweit die Theorie.

Konkret sieht der Ablauf im Falle einer Krankheit des Unternehmers so aus: Herr A, so nennen wir ihn mal, wacht morgens auf, fühlt sich nicht so wohl und denkt „das geht wieder weg, einen Ausfall kann ich mir jetzt eh nicht leisten“ und schleppt sich zur Arbeit. Bis es wirklich nicht mehr geht und der Gang zum Arzt nach Tagen oder Wochen unumgänglich ist. Der schreibt Herrn A arbeitsunfähig (AU), also krank, übergibt den „gelben Urlaubsschein“, die Krankschreibung. In diesem Moment ist Herr A zu hundert Prozent arbeitsunfähig und darf nicht mehr arbeiten.

Ab jetzt läuft die so genannte Karenzzeit. Nach weiteren drei Wochen ist Herr A immer noch nicht gesund und wird weiter krankgeschrieben und erhält damit eine Folgekrankschreibung für die nächsten vierzehn Tage. In der Zwischenzeit ist die Krankenkasse informiert worden und hat die Pendelliste – ein Verzeichnis, in dem die Arztbesuche, die Behandlungsfortschritte sowie die Diagnosen eingetragen und verzeichnet werden – versandt.

Erstes Szenario: Die Krankenkasse hat die ersten Zahlungen getätigt. Herr A schaut dennoch zwei bis dreimal die Woche im Betrieb vorbei, um wichtige Unterschriften zu leisten. Auch die Post muss gesichtet werden. Der Gang zur Bank oder zum Steuerberater lässt sich ebenfalls nicht mehr aufschieben. Just in dem Moment steht ein freundlicher Herr der Krankenkasse vor der Türe um sich nach dem Befinden zu erkundigen. Er trifft unseren Unternehmer im Betrieb an!

Krankentagegeld höher als der Nettoverdienst

Zweites Szenario: Die Krankenkasse hat sich zwischenzeitlich die Bilanzen der Vorjahre, sowie die kurzfristigen Betriebswirtschaftlichen Auswertungen des laufenden Jahres (BWA´s) geben lassen und stellt fest, dass Herr A mehr Krankentagegeld erhält als er vorher Netto verdient hat. Schlimmer noch. Herr A hatte mit der langen Vorerkrankung und seinem Versuch trotzdem arbeiten zu gehen sogar schon einen Gewinnrückgang zu verzeichnen und ein Defizit erwirtschaftet. Im Grunde stellt man fest, dass seine Entnahmen einen Verlust im Unternehmen ausgelöst haben.

In beiden Fällen, welche hier nur einen Auszug darstellen, stellt die Gesellschaft die Zahlungen sofort ein und prüft gegebenenfalls eine Rückforderung der Leistungen. Hintergrund ist, dass es ein so genanntes Bereicherungsverbot in den Lohnersatzmaßnahmen gibt. Das betrifft neben dem Krankentagegeld auch die Berufsunfähigkeitsrenten. Mit dem Bereicherungsverbot hat es folgende Bewandtnis: Wenn Herr A einen Schaden erleidet, dann soll dieser auch die vereinbarte Leistung von der Versicherungsgesellschaft erhalten. Mit der Einführung des Bereicherungsverbots hat der Gesetzgeber klargestellt, dass in jedem Fall nicht mehr Geld von der Gesellschaft ausgezahlt werden darf, als die tatsächliche Schadenshöhe ausmacht.

Für die Kunden hat dieses Bereicherungsverbot in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt. Bei Berufsunfähigkeitsrentenversicherungen war es so, dass die Kunden maximal eine Berufsunfähigkeitsrente in Höhe ihres tatsächlichen Nettos ausgezahlt bekommen haben und das selbst dann, wenn die tatsächlich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente höher abgeschlossen wurde. Um diese Problematik im Sinne der Kunden zu lösen, wurde innerhalb der VVG Reform 2008 (Versicherungsvertragsgesetz) dieses Bereicherungsverbot geändert.

Bis 2007 wurde das Bereicherungsverbot im § 55 VVG geregelt. Damals galt das Bereicherungsverbot für alle Schadensversicherungen wie Hausrat, Haftpflicht, Rechtsschutz, Wohngebäude etc. sowie für einige Summenversicherungen wie Berufsunfähigkeit, Krankentagegeld und Unfall. Seit 2008 wurde das Bereicherungsverbot aus dem § 55 VVG herausgelöst und findet nun in sehr abgeschwächter Form seine Stellung im § 200 VVG.

Bereicherungsverbot nahezu aufgelöst

Da das gesetzliche Bereicherungsverbot seit 2008 nahezu aufgelöst wurde, müssen Versicherer nun die vereinbarten Leistungen etwa bei Berufsunfähigkeitsrenten zahlen. Um die Gefahr des Versicherungsbetrugs zu minimieren, haben die Versicherungsgesellschaften ein vertragliches Bereicherungsverbot in Form von Annahmerichtlinien eingeführt. So wird bei Abschluss von höheren Berufsunfähigkeitsversicherungen bei Antragsaufnahme das Einkommen im Vorfeld geprüft. Sofern eine Gesellschaft den Antrag dann aber annimmt, ist diese im Schadensfall zur vollständigen Leistung verpflichtet. Egal wie hoch die Rente abgeschlossen wurde.

Besonders interessant ist die Handhabung bei der Unfallversicherung. Sie gehört grundsätzlich zu der Sparte der Summenversicherungen. So gilt für Unfallrenten, Invaliditätsleistungen, Krankenhaustagegeld und Todesfallleistungen kein Bereicherungsverbot. Anders ist es beispielsweise bei Leistungen bei kosmetischen Operationen. In diesem Punkt zählt die Unfallversicherung zur Schadensversicherung. So darf auch wirklich nur der Schadenswert von der Versicherungsgesellschaft ausgezahlt werden, der auch tatsächlich angefallen ist.

Kunden müssen beim Abschluss einer Krankentagegeldversicherung besonders gut aufpassen. Sie gehört zwar zur Summenversicherung, weil aber das Ziel der Ausgleich des verminderten Einkommens zum ursprünglichen Netto ist, trägt die Krankentagegeldversicherung Elemente der Schadensversicherung in sich. So darf hier grundsätzlich auch nur das Netto abgesichert werden. Sofern mehr versichert wird, können hier Leistungskürzungen entstehen. Genau diese Leistungskürzung sowie die Abzielung auf sein Nettoeinkommen kollidiert mit den Überlegungen des Unternehmers, der ja bestrebt ist, seine laufenden Betriebskosten weiter zu bezahlen.

Wie stehen eigentlich Umsätze, Kosten und Entnahmen im Zusammenhang? Zuerst erzielt ein Betrieb Umsätze. Von diesen werden die Kosten bestritten wie zum Beispiel Löhne der Mitarbeiter, Miete/Pacht, Telefongebühren, Porto, Leasingverträge, Kreditfinanzierungen und vieles mehr. Dann kommen in Abzug die Material- und Warenwirtschaft des Betriebes. Je nach Zweig und Branche entfallen hierauf zwischen 20 und 60 Prozent des Umsatzes. Ein Unternehmensberater oder freiberuflicher Journalist hat deutlich weniger Material- und Wareneinsatz zu verzeichnen als ein produzierendes Unternehmen etwa im Stahlbau.

In diesem Stadium sprechen wir vom Gewinn vor Steuern. Nach der Versteuerung ergibt sich der Gewinn nach Steuern, den sich der Unternehmer jetzt entnehmen kann. Wobei sich die monatliche Nettoentnahme aus einem zwölftel des Jahresgewinns ergibt. Und genau jetzt kommt die Stolperfalle. Das Tagegeld soll diese letzte Position im Nettobereich – also nach Steuern abdecken. Der Unternehmer aber betrachtet seine Verpflichtungen weiter oben in der Berechnung, also in den betrieblichen Kosten. Er erzielt mit seiner Arbeitskraft ja nicht nur die Entnahmen, sondern den gesamtem Umsatz des Unternehmens. Und dabei kollidieren die Interessen und Überlegungen!

Betriebsunterbrechungsversicherung als gute Alternative

Ein Lösungsansatz ist, dass die Auswahl der passenden Absicherung im Krankheitsfall je nach Branche und Zweig unterschiedlich ausfällt. Hat ein freiberuflich Tätiger ohne Büro und Firmensitz nur seine Honorarforderungen zu betrachten, ist eine Absicherung rein über das Tagegeld zu 85 Prozent sinnvoll. Hier gibt es Anbieter, die vertraglich festlegen, dass dieses Tagegeld über dem Netto liegen darf. Ein Einzelunternehmer, der sein Einkommen nach der oben dargestellten Methode erwirtschaftet, sollte eine so genannte Betriebsunterbrechungsversicherung abschließen, die den Krankheitsfall des Selbstständigen umfasst.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand und ergeben sich aus den folgenden Bedingungen. Zum einen wird die Leistung schon ab einer Arbeitsunfähigkeit (AU) von 70 Prozent gezahlt. Das heißt der Selbstständige kann/soll die verbleibenden 30 Prozent seiner Arbeitskraft im Betrieb einsetzen. Der Gang zur Bank oder das erscheinen im Betrieb führt so nicht zur Existenz gefährdenden Leistungsverweigerung oder Kürzung.

Diese Art der Police erfasst primär den Umsatz des Unternehmers und damit ebenfalls den entgangenen Gewinn. Damit ist der Selbstständige in der Lage, seine anfallenden Betriebskosten zu zahlen und sich den gewohnten Gewinn als Entnahme auszuzahlen, ohne mit einem Bereicherungsverbot laut Gesetz oder den Bedingungen seiner Krankenkasse in Konflikt zu geraten.

Im Weiteren ist diese Art der Absicherung auch betriebswirtschaftlich sinnvoll, da diese Police in vielen Fällen als Betriebsausgabe angesetzt werden kann, wohingegen die Beiträge einer Krankentagegeldversicherung vom Selbstständigen aus dem Netto bezahlt werden müssen und nur in seltenen Fällen bei der Steuer zu einem Vorteil führen. Der zu berücksichtigende Freibetrag wird meistens schon durch die Beiträge zur Altersversorgung aufgebraucht.

Da diese Art der Absicherungen sich auch auf die schon bestehenden Versicherungen auswirken, sollten im Weiteren das KT sowie die BU daraufhin angepasst werden. In vielen Fällen führt das zu erheblichen Beitragseinsparungen im privaten Bereich, da die höheren Karenzzeiten von mehr als zwölf Monaten deutlich günstiger im Beitrag sind und hier im Vorfeld die Betriebsunterbrechungsversicherung zahlt. Somit muss Krankentagegeld und Co. erst viel später in Leistung gehen. Das zahlt sich aus und der Selbstständige spart erheblich an Beiträgen ein.

Fazit:

Für den Einzelunternehmer und Selbstständigen ist es von elementarer Bedeutung, die einzelnen betrieblichen und privaten Versicherungen so in Einklang zu bringen, dass diese auch im Leistungsfall halten, was man sich davon versprochen hat. Die Antworten und Vorgaben dazu sind nicht alleine in der Auswahl der Versicherung und Gesellschaft sowie deren Abschluss zu finden, sondern auch unter dem Aspekt, dass die Schnittstellen zu den Sozialversicherungen sowie zu den Gesetzesvorgaben zwingend einzuhalten sind und die vertraglichen Vereinbarungen bekannt sind. Oftmals ist es aber so, dass beim Abschluss der Versicherung keiner darauf schaut, wie diese Vorgaben beim einzelnen sind oder ob dieser überhaupt in der Lage ist diese einzuhalten. Wir übersetzen Ihnen das Versicherungs- und Fachchinesisch in eine für Sie verständliche Sprache. Denn abschließen kann man vieles, nur ist es wirklich das was man sich vorgestellt hat?

(Andreas Becker)


 


 

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