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Spobis 2020

Die Sportbranche zwischen Wachstum und Idealen

Neben den üblichen Debatten über Sportrechte und Gewinnmaximierung hatte der erste Spobis im neuen Jahrzehnt auch neue Themenbereiche zu bieten. Neu auf dem größten europäischen Sportbusiness-Kongress war unter anderem der Themenblock „Gesellschaft“ und auch der Klimaschutz kam nicht zu kurz.

Wieder einmal gab sich am 29. und 30. Januar die Sportbranche im Düsseldorfer CCD Congress Center die Ehre. Über 175 Speaker füllten den größten Sportbusiness-Kongress Europas mit über 80 Stunden Programm für fast 4000 Teilnehmer. Neben Vermarktung, Events oder Digitalisierung gab es in diesem Jahr erstmals einen neuen Themenblock mit dem Titel „Gesellschaft“. So diskutierten beispielsweise Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund und Julian Reichelt, Vorsitzender der BILD-Chefredaktion über den medialen Umgang mit Mesut Özil und Bakery Jatta. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, wagte einen „kritischen Blick auf die Entwicklung des internationalen Fußballs“ und Plan International stellte seine erfolgreiche Charity-Partnerschaft mit dem Deutschen Handball Bund vor. Auch das Thema Klimaschutz wurde immer wieder aufgegriffen. Die Bundesliga habe in der Hinsicht einiges nachzuholen, so Carsten Cramer von Borussia Dortmund, der mit Funktionären und Medienvertretern die Frage stellte, ob der „der Sport Gefahr läuft seine Werte zu verlieren“.

Für den neuen DFB Präsidenten Fritz Keller ist „Fußball das letzte Lagerfeuer unserer Gesellschaft, wo alle Spaß dran haben.“ Mit öffentlichen Trainingseinheiten, fanfreundlicheren Anstoßzeiten und günstigeren Eintrittskarten will er die Nationalmannschaft wieder näher an die Menschen bringen. Außerdem verstehe er sich als Cheflobbyist für den Amateursport, der „unsere Kinder vor der Verblödung durch diverse Bildschirme bewahrt“.

Neue Strategien im digitalen Marketing

Während es für Keller gerne ein paar Bildschirme weniger in den Kinderzimmern sein dürften, arbeiten die Sportmarketer an immer neuen Strategien, um ihre Zielgruppen während Sportevents möglichst an einen Second und Third Screen zu binden und ihnen dort Werbung vorzusetzen. So klang mehrfach durch, dass es in einer Zeit, in der Menschen empfindlich auf Werbung reagieren und sparsam mit ihren Daten umgehen, besonders wichtig sei, sie mit besonderen Erlebnissen und Emotionen zu ködern. So referierten Experten darüber, „wie die Generation Z die Olympischen Spiele verfolgt“, nämlich vor allem digital. Während ein 14- bis 29-jähriger Mensch im Jahr 2018 das Internet täglich für fast sechs Stunden nutzt, sieht er lediglich 94 Minuten fern. Folgerichtig lud der 1. FC Köln zehn Startups aus fünf Ländern ein, um ihre digitalen Innovationen vorzustellen und um den „Goldenen Hennes“ zu wetteifern.

Fußballklubs überdenken ihre Strukturen

Im Jahr 2000 hatte Borussia Dortmund als erster deutscher Fußballverein den Börsengang gewagt. Der BVB-Geschäftsführer Thomas Treß ließ einblicken, dass ein Börsengang aus wirtschaftlicher Sicht aufgrund der hohen Ausgaben eher Nachteile habe. Mit Blick auf die Transparenz und Professionalisierung eines Klubs sei er jedoch förderlich. Beim FC St. Pauli denkt man derzeit über einen genossenschaftlichen Ansatz nach, da dieser dem e.V. am nahesten käme. Präsident Oke Göttlich, zudem Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL), räumte ein, dass es auch bei seinem teils unkonventionellen Verein selbstverständlich ums Geld geht: „Wir spielen in einem kommerziellen Profi-Wettbewerb. Wir sind kommerziell, aber wir leisten uns auch, auf Millionen zu verzichten, leisten uns unser eigenes Stadion und melden unsere U23 nicht ab.

Bloß nicht überdrehen

Auf die Frage, ob man beim BVB oder FC Bayern tatsächlich glaube, mit den finanzstarken internationalen Top-Klubs mithalten zu können und ob deren Verhalten nicht wettbewerbsschädigend sei, stimmte Thomas Treß der Kritik zu und bezeichnete das Geschäftsmodell von PSG und Manchester City als Kapitalvernichtung. Dass sich die Transferausgaben im europäischen Fußballmarkt zwischen 2013 und 2018 mehr als verdoppelt haben ist bezeichnend. In der Premiere League sind sie auf 2,2 Mrd. Euro angestiegen, während sie in der Bundesliga unter einer Milliarde blieben. Um Dauerhaft in der Champions League eine Rolle zu spielen, seien laut Peter Fischer, Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Eintracht Frankfurt, an die 130 Mio. Euro an Personalkosten nötig. Treß warnt jedoch vor Entfremdung durch zu hohe wirtschaftliche Ambitionen: „Ein Fußballklub, der seine Identität nicht kennt, ist eine Katastrophe.“ Selbst Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich besorgt, angesichts wachsender ökonomischer Ansprüche nicht abzuheben. Ob das ihm und seinen Mitstreitern im neuen Jahr gelingt, erfahren wir spätestens am 09. und 10. Februar 2021. Dann findet der nächste Spobis in Düsseldorf statt.

(Titus Lambertz)


 


 

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