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Tag des Mittelstandes

Der „Größe Wirtschaftskongress“ als Talk-Runde

Der von Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie Spar- und Darlehnskassen initiierte Wirtschaftstag der Genossenschaftsinstitute in Rheinland und Westfalen versammelte 3.200 rheinisch-westfälische Unternehmer zum „vermutlich größten Wirtschaftskongress Europas“, die als Talk-Runde hochrangige Experten über die Zukunft des Mittelstandes philosophieren ließ.

Werte und Traditionen, Kreativität und Verantwortungsbereitschaft – all das stand am Dienstag im Mittelpunkt des Wirtschaftstages der Genossenschaftsinstitute in Rheinland und Westfalen. Dazu hatten 102 Volksbanken, Raiffeisenbanken sowie Spar- und Darlehnskassen ihre mittelständische Kundschaft nach Köln eingeladen. Über 3.200 Unternehmer ließen sich im Staatenhaus am Rheinpark von kompetent und prominent besetzten Talk- Runden inspirieren. Das von Maybritt Illner (ZDF) und Peter Großmann (WDR) moderierte Thema des Nachmittags: „Wir sind Deutschland – Innenansichten einer Nation“.

Den „vermutlich größten Wirtschaftskongress Europas“ eröffnete der Vorstandsvorsitzende des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes, Ralf W. Barkey, mit einem Zitat der Theologin Prof. Dr. Margot Käßmann: „Wenn Geld das Wichtigste im Leben wird, läuft irgendetwas falsch, dann ist die Werteskala verrutscht.“ Dieser Satz sei ihm genauso in Erinnerung geblieben wie die Erkenntnis von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft beim diesjährigen Verbandstag: „Genossenschaften haben eine eingebaute Gier- bremse.“ Barkey sagte, er habe sich beide Aussagen gemerkt, „weil beide Zitate mit wenigen Worten zeigen, dass es nicht ausreicht, in den Kader- schmieden der Wirtschaftswelt einen knallharten homo oeconomicus zu züchten, um erfolgreich zu sein“. Die Wirtschaft brauche auch das, was man Werte nenne: „Heute mehr denn je.“

Verlässlichkeit, Fairness und Bodenständigkeit seien das Mindestmaß an „moralischer Instanz“ auch in der Finanzwirtschaft, so Barkey weiter: „Jedenfalls dort, wo man mit und für Menschen arbeitet und auf langfristige Geschäftsbeziehungen setzt. Der deutsche Mittelstand geht da seit jeher mit gutem Beispiel voran.“ Der Mittelstand sei ein starkes Stück Wirtschaft in Rheinland und Westfalen, machte der RWGV-Vorstandsvorsitzende deutlich: „Mittelstand – das ist da- rüber hinaus eine Haltung, eine Einstellung. Das ist persönlicher Einsatz, persönliche Kreativität, persönliches Risiko und vor allem auch Haftung – und persönlicher Erfolg.“ Barkey verlangte mit Blick auf die politischen Bestrebungen zu einer europäischen Bankenunion, dass die Gesetzgeber nicht alle Banken in einen Topf werfen. Er kritisierte scharf, dass „um die vorbildliche und unverzichtbare Sicherungseinrichtung der Kreditgenossenschaften geschachert wird“. Diese Diskussion müsse „endlich ein Ende finden“. Sein Argument: „Eine europa- weite Gleichschaltung von Risiken und Haftung würde den Zockern wieder Tür und Tor öffnen.“ Und sie würde der Unterschiedlichkeit der Bankenwelt nicht gerecht.

Der RWGV-Vorstandsvorsitzende verlangte, dass der Gruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken keine europäische Einheitsaufsicht übergestülpt werden dürfe: „Das ist teuer, ineffizient und sachlich unangemessen. Auch das muss endlich vom Tisch.“ Zugleich sah er die Gefahr, dass „immer mehr bürokratische Hürden den Banken die unerlässliche Flexibilität nehmen, mittelständischen Unternehmen die nötigen Kredite zu gewähren“. Es sei nahezu ein Wunder und nur dem hohen finanziellen wie personellen Einsatz der Kreditgenossenschaften zu verdanken, dass es auch im laufenden Jahr zu keiner Kreditklemme gekommen ist.

Tatsächlich ist die Summe der Kredite, die die rheinisch-westfälischen Genossenschaftsbanken vergeben haben, in den vergangenen Monaten deutlich angewachsen. Anders als im Vorjahr waren die Kredite an Unternehmen und Selbstständige dabei der wichtigste Wachstumsträger. Ihr Bestand ist in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2012 um 4,9 Milliarden Euro auf 65,1 Milliarden Euro gestiegen.

Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und Special Guest des Wirtschaftstages, lobte die Genossenschaftsinstitute für ihre Geschäftspolitik. Sie stellten den Teil der Bankenwirtschaft, der ohne Skandale durch die Finanzkrise gekommen sei. Töpfers Konsequenz: Man solle mehr auf die Meinungen der Genossenschaften hören.

(Redaktion)


 


 

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