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Technik im Auto

Gefährliche Ablenkung

Der Umgang mit Navigationsgeräten, Infotainmentsystemen oder Smartphones lenkt Autofahrer-Blicke zunehmend von der Straße ab und sorgt für Unfälle. Neue Ansätze sollen das Unfallrisiko verringern.

Ablenkungen im Auto sind für jeden zehnten Verkehrsunfall verantwortlich, und dabei spielt die Nutzung von Technik während der Fahrt eine wachsende Rolle. "Früher war es nur das Radio, jetzt gibt es schon so viel mehr", warnt Manfred Tscheligi, Leiter des Christian Doppler Labors "Contextual Interfaces"an der Universität Salzburg. Tscheligi und sein Team haben daher Untersuchungen durchgeführt, welche Bedienkonzepte für Hightech im Auto am ehesten unerwünschte Ablenkungen vermeiden - und festgestellt, dass alle existierenden Lösungen im Wesentlichen gleich problematisch sind. Daher arbeitet das Labor an neuen Zugängen, damit Fahrer ihre Augen trotz Technik möglichst auf die Straße richten. Ein möglicher Ansatz ist dabei, verstärkt auf den Beifahrer zu setzen - ein wenig wie bei Rallye-Profis, die nach den Anweisungen des Copiloten navigieren.

Hilfreiche Gefahr

Ablenkung gilt als verantwortlich für etwa zehn Prozent aller Verkehrsunfälle, nach aktuellen Angaben des ÖAMTC war in Österreich 2012 sogar fast jeder achte tödliche Unfall auf Ablenkung zurückzuführen. Tscheligi geht davon aus, dass dabei schon jetzt in vielen Fällen Technik im Spiel ist - Tendenz eher steigend. Denn schon die Bedienung serienmäßiger Infotainment-Systeme beansprucht die Aufmerksamkeit von Fahrern stark. Während einer Eingabe, ob nun mittels Buttons oder Touch-Bedienfeld, schweift der Blick rund die Hälfte der Zeit von der Straße ab und das oft gefährlich lange. Natürlich gibt es bereits Möglichkeiten, die Ablenkung durch das Bedienen von Fahrzeugsystemen zu reduzieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Spracheingabe - die sich in der Praxis aber nicht recht bewährt. "Das Problem ist, dass die Akzeptanz sehr gering ist", erklärt Tscheligi. Denn gerade wenn noch andere Personen im Fahrzeug sind, reden Lenker nicht gern in einem relativ strengen Kommandoton mit ihrem Auto. Ein relativ neuer Ansatz ist Gestensteuerung im Auto. Hier ist dem Experten zufolge aber noch nicht geklärt, wie gut das bei Autofahrern wirklich ankommt.

Mehr Lenkrad, weniger Lenker

Das Christian Doppler Labor Contextual Interfaces arbeitet selbst an Konzepten, um die Ablenkung durch Technik im Auto zu reduzieren. "Wir versuchen, die Eingabe stärker auf das Lenkrad zu bekommen", erklärt Tscheligi. So könnten Fahrer beispielsweise mit einem Brailleartigen Alphabet Fahrziele für die Navigation eingeben. Ergänzend dazu setzt das Team auf Feedback über ein Augmented-Reality-Display in der Windschutzscheibe. Der Vorteil wäre, dass Fahrzeuglenker sich dadurch weniger zu Eingabegeräten und Displays im Mittelbereich des Autos wenden müssten - der Blick sollte also seltener und nicht so lange von der Straße abschweifen. "Alle Anzeigen sind derzeit für den Fahrer gemacht", kritisiert der Fachmann. Es wäre sinnvoll, den Beifahrer stärker in die Nutzung von Technik im Auto einzubinden. Schon, wenn er - ein wenig nach dem Vorbild des Rallye-Copiloten - Navigationsaufgaben wie die Eingabe von Adressen übernähme, würde das Ablenkungsrisiko deutlich senken. Generell könnten Beifahrer Informationen vorsondieren und dem Lenker nur weitergeben, was für diesen wirklich wichtig ist - doch müssten Fahrzeugsysteme dazu auch auf den zweiten, unterstützenden Nutzer ausgelegt sein.

(pressetext.com)


 


 

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