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Heilsamer Schock

Was die Institute aus der Bankenkrise gelernt haben

Die weltweite Finanzkrise hat Banken, Börsen und Anleger fest im Griff – und das den zweiten Sommer in Folge, nachdem sie vor rund einem Jahr mit einigen, zu-nächst harmlos klingenden, Meldungen begonnen hatte. An den Aktienbörsen geraten die Kurse immer wieder ins Rutschen und die Banken berichten regelmäßig über neue Abschreibungen in Milliardenhöhe. Die Anleger sind verunsichert, ihr Vertrauen in die Finanzbranche ist erschüttert.

Besorgt ist mittlerweile sogar mancher Sparbuchbesitzer. „Dabei haben die Privat-kunden in Deutschland bislang praktisch keine negativen Auswirkungen der Fi-nanzkrise zu spüren bekommen“, beobachtet Hermann-Josef Tenhagen, Chefre-dakteur der Zeitschrift Finanztest von Stiftung Warentest. „Anders sieht es bei Ak-tionären aus – vor allem, wenn sie Bankaktien im Depot haben.“ Eberhard Rohe, Bereichsleiter Privatkunden bei der DAB Bank, ergänzt: „Die Bankenkrise ist ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen allein wegen ihrer Branchenzugehörigkeit in Sippenhaft genommen werden. Anleger sollten differenzieren, welche Bank be-troffen ist und welche nicht.“ Denn viele Institute hätten mit Weitsicht gehandelt und nicht in problematische Papiere investiert, so Rohe.

Die Anleger suchen indes nach Indizien, wie lange die Krise die Finanzmärkte wohl noch beschäftigen wird. Auch bei der Internationalen Anlegermesse (IAM), die vom 5. bis 7. September 2008 in Düsseldorf stattfindet, wird das Thema voraussichtlich eine Rolle spielen. Neben Tenhagen von Finanztest und Rohe von der DAB Bank stehen anlässlich der Messe auch zahlreiche andere Fachleute den Besuchern Re-de und Antwort. „Die IAM ist der zentrale Anlaufpunkt für Investoren im Westen Deutschlands, die sich über alle Aspekte der Geldanlage informieren möchten“, sagt Heiko Weyand, Abteilungsdirektor Zertifikate bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Dazu gehörten auch die Besonderheiten und aktuellen Trends einzelner Anlageformen. „Die Anleger haben gelernt, dass es ein Unterschied ist, ob ich einen Fonds besitze, der rechtlich als Sondervermögen zählt und von Schwierigkeiten der Bank, die ihn verkauft und verwaltet, nicht betroffen ist. Oder ob ich ein Zertifikat einer Bank im Depot habe, bei dem ich die Fähigkeit des Geldinstituts abschätzen muss, das Geld am Ende der Laufzeit auch zurückzuzahlen“, erklärt Finanztest-Experte Tenhagen. Denn juristisch gesehen sind Zertifikate nichts anderes als Schuldverschreibungen der Bank, die sie ausgibt. „Das Emittentenrisiko sollte von Anlegern daher stets als wichtiger Teil der Anlageentscheidung betrachtet werden“, rät Weyand von HSBC. „Transparente Produkte und umfangreiche Aufklärung sind gerade im Zertifikatebereich von entscheidender Bedeutung.“

Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten haben den Blick geschärft. „Die Finanzkrise hat vielen Anlegern bewusst gemacht, dass auch die Sicherheit des investierten Kapitals bei der Geldanlage eine Rolle spielt“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, der das Exchange Traded Funds (ETF)-Geschäft von Lyxor Asset Mana-gement in Deutschland und Österreich leitet. Dies sei auch ein Grund für die ge-stiegene Nachfrage nach ETFs. Denn bei ETFs sei das investierte Kapital wie bei herkömmlichen Investmentfonds als Sondervermögen geschützt und auch im Falle einer Insolvenz sicher, so Meyer zu Drewer.

Viele Banken haben auf die Sorgen der Anleger reagiert und zum Beispiel ihre Kommunikation intensiviert, Fehler eingestanden und die Bilanz bereinigt. Fast alle großen Häuser haben ihre durch die Abschreibungen angegriffenen Rücklagen wieder mit frischem Geld aufgefüllt. Mit mehr Vorsicht werden nun auch die Boni-tätsnoten der Ratingagenturen betrachtet, nachdem die Agenturen zu spät aufgrund der finanziellen Lage vieler Kreditinstitute ihre Noten abgewertet hatten.

Auch wenn kein Experte derzeit mit Sicherheit voraussagen kann, welche Belas-tungen noch auf die Banken und die Wirtschaft insgesamt zukommen; in der Bör-senhistorie gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass eine Trendwende kurz bevor-steht, wenn die Stimmung besonders schlecht ist. Anleger sind daher gut beraten, auch nach einem Jahr Finanzkrise einen kühlen Kopf zu bewahren.

(Redaktion)


 


 

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