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Neue Wege gehen

Wirtschaftskrise: Risiken und Chancen für kleine Unternehmen

In der Krise liegt die Chance. Viele können das fast schon nicht mehr hören – so oft wurde dieser Satz schon zitiert. Und vor allem klingt er, wenn man so richtig tief in der Krise drin ist, eher wie eine Durchhalteparole. Würde man die Chance bereits sehen, würde es sich nämlich nicht mehr wie eine Krise anfühlen.

Bevor wir bei kleinen Unternehmen auf die Chancen zu sprechen kommen, geht es erst einmal um die Existenzsicherung. Die meisten kleinen Unternehmen (bis 50 Mitarbeiter), mit denen ich als Unternehmercoach zu tun haben, haben liquide Mittel für maximal zwei bis vier Monate (falls alle Umsätze ausfallen) – oft sogar noch weniger. Da die gesellschaftliche Krise länger dauert, ist die Existenzsicherung Pflicht – sonst können Sie nämlich gar keine Chancen mehr ergreifen.

Existenzsicherung

Aus eigener bitterer Erfahrung empfehle ich: Investieren Sie niemals in den Abwärtstrend oder stellen neue Leute ein. Ich habe das einmal selbst erlebt: Selbst umfangreiche liquide Mittel sind schneller weg, als Sie schauen können. Sollten Sie noch Kapazitäten brauchen, um bestehende Aufträge abzuwickeln, dann suchen Sie diese extern. Halten Sie Ihre Kosten so variabel wie möglich. In der Krise haben Sie keine Zeit, weitere Rücklagen zu schaffen – das hätte in guten Zeiten passieren müssen. Sie haben aber noch Zeit, einen gewissen Barbetrag privat beiseite zu legen. Im Worst Case brauchen Sie diese Absicherung, um ein paar Monate davon leben zu können. Es ist schon schwer genug, ein schlingerndes Unternehmen zu steuern – da kann man nicht noch persönliche Probleme nebenbei gebrauchen. Aber auch in Ihrem Unternehmen sollte eine Barrücklage existieren. Denn im schlimmsten Fall brauchen Sie den besten Insolvenzanwalt, den Sie bekommen können – und der arbeitet nur gegen

Sofortkasse

Damit es dazu aber gar nicht erst kommt, optimieren Sie bitte schnellstmöglich Ihre Strukturen und Kosten so, dass Sie effektiver werden und die Fixkosten sinken. Eine Krise hat den Vorteil, dass auch harte Maßnahmen auf das Verständnis der Mitarbeiter stoßen – natürlich nur, wenn Sie dabei offen und fair bleiben. Schaffen Sie sich zusätzliche Liquidität, indem Sie ausstehende Rechnungen umgehend eintreiben – und zwar konsequent. Dazu sollten Sie auch an Factoring denken. Sichern Sie sich zudem gegen zukünftige Zahlungsausfälle – zum Beispiel auch durch eine entsprechende Versicherung.

Worst-Case- Szenario

Rechnen Sie schließlich ein Worst-Case-Szenario durch – und ich meine einen wirklich schlechten Fall. Planen Sie so, dass Sie auch in diesem Fall handlungsfähig bleiben. Definieren Sie eine Liste mit Krisenkriterien und zugehörigen Maßnahmen und überprüfen Sie diese mindestens wöchentlich. Das muss nicht kompliziert sein. Je einfacher die Faustregeln, desto besser. Ihre Vorteile: Sie müssen nicht erst in der realen Krisensituation beginnen, nachzudenken. Und Sie haben damit ein schriftliches Bollwerk gegen das einlullende Prinzip Hoffnung, das oftmals dazu führt, Maßnahmen zu verschleppen.

Prinzip Hoffnung?

Und das ist der wichtigste Tipp zur Absicherung: Misstrauen Sie dem „Prinzip Hoffnung“. „Ach, die letzten zwei Monate waren ziemlich schlecht, aber in diesem Monat wird das wieder“, „Wir machen einfach ein bisschen mehr Werbung und dann kaufen die Leute wieder“, „Ich leihe mir noch ein bisschen Geld auf das Haus meiner Oma, dann rette ich mein Unternehmen“ usw. usf. Mit diesen Sätzen sind schon tausende Unternehmen gestorben. Vertrauen Sie nie auf das Prinzip Hoffnung und versuchen Sie niemals langfristige Probleme durch kurzfristige Maßnahmen zu lösen! Sie versenken so nur Ihr Geld. Die einzige langfristige Maßnahme, die in dieser Situation greift, ist die Strategie zu ändern.

Chancen nutzen

In der Krise gibt es eine wunderschöne Chance. Und zwar das Pareto- oder 80/20-Prinzip. Nach diesem Prinzip bringen 20% aller Tätigkeiten 80% der Ergebnisse, 20% aller Kunden 80% der Umsätze usw. Das bedeutet: Selbst, wenn Sie vier Fünftel weg schneiden, erhalten Sie immer noch 80% der Ergebnisse. Vorausgesetzt, Sie treffen die richtigen vier Fünftel! Das schöne an der Krise ist, dass sie geradezu zwingt, dieses Prinzip anzuwenden. Verwenden Sie also viel, sogar sehr viel Zeit darauf, die 20% der Tätigkeiten und der Kunden und der Mitarbeiter zu identifizieren, die 80% der Ergebnisse bringen.

Hilfe von außen

Egal, was auch immer Sie planen, Sie werden es NIEMALS alleine schaffen. Sie brauchen andere Menschen, die Sie unterstützen. Und damit andere Menschen dies tun, müssen Sie Ihnen vertrauen. Vertrauen ist das kostbarste Gut, das Sie in einer solchen Krise haben. Es wird oft genug belastet werden, ohne dass Sie dies verhindern könnten. Gerade deshalb ist es überlebenswichtig, alle Maßnahmen zu ergreifen, die Ihnen möglich sind, um zusätzlich Vertrauen zu schaffen! Jede Krise geht irgendwann wieder in eine Wachstumsphase über. Und KMU haben einen ganz zentralen Vorteil: Sie sind beweglicher. Unter der Voraussetzung, dass der Unternehmer den Kopf über Wasser hält, kann die Unternehmensstrategie wesentlich schneller angepasst und umgesetzt werden. Sorgen Sie also unbedingt dafür, Freiraum für die Strategie zu schaffen.

Strategie und Positionierung

Ich möchte es glasklar und deutlich sagen: Gerade in der Krise ist eine gute Strategie und Positionierung der Dreh- und Angelpunkt, der über Ihr Überleben entscheidet. Eine Positionierung ist dann, wie Peter Sawtschenko sagt, gut, wenn die Neukunden automatisch zu Ihnen kommen. Wenn sie dies nicht tun, ist Ihre Strategie und Ihre Positionierung im Umkehrschluss schlecht!

Experten hinzuziehen

Die einzige handhabbare und funktionierende Strategie für Klein- und Mittelunternehmen ist die engpasskonzentrierte Strategie EKS. Da die meisten Unternehmer keine Strategieexperten sind, sollten Sie hier auf jeden Fall Experten hinzuziehen. Und zwar die besten Experten, die Sie finden können. Der Unterschied zwischen einem wirklichen Experten und einem mittelmäßigen Berater ist nicht der zwischen viel Erfolg und ein bisschen Erfolg, sondern der zwischen Erfolg und Scheitern. Einen solchen Experten sollten Sie schnell suchen! Denken Sie daran: Jeder Tag Verzögerung kostet Sie, je nach Unternehmensgröße und Situation ganz locker ein paar Tausend Euro. Und ich sage das jetzt nicht nur als Unternehmercoach, sondern auch aus meiner zwölfjährigen Erfahrung als Unternehmer.

Die drei entscheidenden Punkte an einer klugen Strategie sind: kleine homogene Zielgruppe, die Sie einfach erreichen können. Entwicklung eines zwingenden Angebots, das diese Zielgruppe nicht ausschlagen kann. Und möglichst schnell die Erreichung der Marktführerschaft (was bei einer kleinen homogenen Zielgruppe natürlich schneller geht).

Fazit: Bei ruhigem Meer dahinsegeln kann fast jeder. Im Sturm aber wird die Spreu vom Weizen getrennt. Erst im Sturm erkennt man den guten Unternehmer. Und das Schöne daran: Erfolgreicher Unternehmer zu sein kann man lernen, indem man die Welt anders wahrnimmt.

(Stefan Merath)


 

 

Stefan Merath
Unternehmercoach GmBH

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