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Interview mit Tim Arlt vom Händlerbund

Im heutigen Interview beantwortet Tim Arlt, COO beim Händlerbund, Fragen rund um das Thema E-Commerce. Dabei geht es unter anderem um die Problematik von Fake-Bewertungen und die zukünftige Rolle von Blockchain-Transaktionen.

Business-on.de: Welche Auswirkungen wird die Weiterentwicklung des E-Commerce auf den stationären Handel haben?

Tim Arlt: Wir glauben an das Zukunftskonzept des Multichannel-Commerce. Stationärer und Online-Handel werden immer stärker verschmelzen. In Zukunft erwarten wir, dass der stationäre Handel immer mehr durch Beratung und Showrooms überzeugt. Außerdem ist es kaum vorstellbar, dass Kunden ihre Einkäufe in einigen Jahren noch selbst nach Hause tragen werden.

Business-on.de: Welche Rolle wird Blockchain künftig für den E-Commerce spielen?

Tim Arlt: Von vereinfachten Transaktionen können sowohl Händler als auch Kunden profitieren. Da Blockchain-Transaktionen innerhalb eines einzigen Netzwerks stattfinden, werden Mittler mehr und mehr überflüssig. Dies erhöht die Transaktionsgeschwindigkeiten und die Datensicherheit. Es gibt Ansätze, die Blockchain-Technologie auch in der Logistik anzuwenden. Durch die Digitalisierung der Logistikwege könnte so ein dezentrales Postsystem entstehen.

Business-on.de: Welche Gefahr geht künftig von Fake-Bewertungen aus?

Tim Arlt: Laut der Händlerbund-Studie zu unfairen Kundenbewertungen nimmt die Problematik eine große Rolle im Online-Handel ein. Demnach sind 95 Prozent der Händler davon betroffen. Rund 72 Prozent der unfairen Bewertungen beruhen auf erfundenen Tatsachen. Besonders vorsätzliche Fake-Bewertungen unter Konkurrenten sind geschäftsschädigend und keinesfalls legal. Betroffene haben rechtliche Mittel, sich dagegen zu wehren und sollten diese im Extremfall auch nutzen.

Business-on.de: Sind mobile Bezahlmöglichkeiten nur ein kurzfristiger Trend oder die Zukunft?
Tim Arlt: Mobile Payment wartet zumindest in Deutschland bisher auf seinen flächendeckenden Durchbruch. Immerhin bietet Apple seit dem 11. Dezember 2018 nun Apple Pay auch in Deutschland an. Mobiles Bezahlen mittels NFC wird somit für eine weitere Nutzergruppe einfacher. Auch PayPal erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Solange das Vertrauen der Nutzer in die Bezahlverfahren weiter steigt, kann aus dem Trend Alltagstechnologie werden.

Business-on.de: Welche Shop-Optimierungen sollte man in den kommenden Jahren nicht versäumen?

Tim Arlt: Optimierungsmaßnahmen stehen weiter ganz im Zeichen des Users und dessen Nutzererfahrungen. Deshalb bleibt SEO (Suchmaschinenoptimierung) eine zentrale Aufgabe, um sich als Shop behaupten zu können. Reine SEO-Maßnahmen für Suchmaschinen führen allerdings nicht mehr zum Erfolg. Egal ob Voice Search, Mobile Speed oder Knowledge Panels – diese Tools dienen nicht der Suchmaschine, sondern den Usern. Shop-Betreiber sollten die Frage ‘Was wünsche ich mir als Kunde?’ ins Zentrum ihrer Aktivitäten stellen.
Business-on.de: Wie könnten künftige IoT-Konzepte im E-Commerce aussehen?

Tim Arlt: Das Internet der Dinge kann den Online-Einkauf enorm vereinfachen. Zusätzliche Endgeräte wie PC und Smartphone werden überflüssig: Der Kühlschrank bestellt die Milch selbständig nach oder Bestellungen werden per Sprachbefehl an smarte Lautsprecher gerichtet. Auch wenn diese Dinge bereits möglich sind, haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Das beste Beispiel für gelungene IoT aus dem Handel, der Amazon Dash Button, wurde in Deutschland kürzlich verboten.

Business-on.de: Welche Fehler werden im E-Commerce häufig gemacht?

Tim Arlt: Das E-Commerce-Business wird häufig unterschätzt und viele Händler stellen erst im Nachhinein fest, wie umfangreich das Aufgabenfeld ist. Online-Marketing, Kundenservice, Rechtstexte, Payment, Logistik und ständige Weiterentwicklungen sind an der Tagesordnung. Besonders rechtlich sollte der Online-Shop immer auf dem neuesten Stand sein. Wer sein Business ganz ohne Unterstützung durch erfahrene Dienstleister aufbaut, macht sich das Leben unnötig schwer.

Business-on.de: Wird Internationalisierung ein wichtiges Thema im kommenden Jahr bleiben?

Tim Arlt: Jeder neue Markt bietet zusätzliches Verkaufspotenzial. Laut aktueller Ipsos-Studie im Auftrag von PayPal wurden 13 Milliarden Euro Umsatz im Ausland erzielt. Auch deutsche Ebay-Händler verkaufen nach Aussagen des Marktplatzes alle 1,7 Sekunden ins Ausland. Innerhalb der EU und weltweit soll der Warenhandel vernetzter und kundenfreundlicher werden. Dafür kämpft auch der Händlerbund mit dem Dachverband Ecommerce Europe in Brüssel.

(Redaktion)


 


 

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