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Interview Stefan Koshold

In unserem heutigen Interview unterhalten wir uns mit Stefan Koshold von der Unit M GmbH, Mülheim. Seit über 20 Jahren ist er in den Bereichen E-Commerce und Produktinformationsmanagement tätig.

business-on.de: Hallo Stefan! Schön, dass du da bist.

Stefan Koshold: Freut mich, hier zu sein.

business-on.de: Wie schätzt du den Stellenwert künstlicher Intelligenz 2018 im E-Commerce ein?

Stefan Koshold: Nach meiner Einschätzung werden die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft so groß sein, dass sich viele Bereiche unseres Lebens grundsätzlich ändern werden. Auch der E-Commerce wird massiv von künstlicher Intelligenz betroffen sein. Allerdings ist der Anteil von E-Commerce im Verhältnis zu den zu erwartenden Änderungen durch künstliche Intelligenz nach meiner Erwartung eher gering.

Zurzeit sind alle im E-Commerce zum Einsatz kommenden Themen, bei denen künstliche Intelligenz eingesetzt wird, noch am Anfang. Somit glaube ich nicht, dass sie 2019 operativ eine wesentliche Rolle spielen wird. Am ehesten wird sie sich nach meiner Meinung im Bereich E-Commerce Strategie auswirken.

business-on.de: Was denkst du, worin ihre wesentlichen Aufgaben bestehen werden?

Stefan Koshold: Ich sehe für die nahe Zukunft am ehesten einen Einsatz im Bereich Personalisierung. Hier sind schon hinreichend gute praxiserprobte Lösungen vorhanden.

business-on.de: Wenn wir davon ausgehen, dass KI einen Einfluss auf den E-Commerce haben wird, müssen wir im Umkehrschluss auch von einem Einfluss des veränderten E-Commerce auf den stationären Handel ausgehen. Wo siehst du hier die größten Veränderungen?

Stefan Koshold: Unternehmen tun immer gut daran, sich um die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Kunden zu kümmern. Von daher erwarte ich, dass On- und Offline weiter zusammenwachsen werden. Letztlich geht es in beiden Welten um dasselbe.

"Wer heute bereits erfolgreich seine Kunden über Social Media erreicht, wird dies sicher auch in Zukunft tun"

business-on.de: Welchen Stellenwert haben dabei soziale Netze wie Facebook?

Stefan Koshold: Mal abgesehen davon, dass ich persönlich bei Facebook gerade im B2B-Bereich ein großes Fragezeichen machen würde, erwarte ich hier keine wesentliche Änderung. Wer heute bereits erfolgreich seine Kunden über Social Media erreicht, wird dies sicher auch in Zukunft tun. Interessant wird, wie sich das Thema Social Media speziell für den B2B-Bereich entwickelt. Hier möchte ich aber keine Prognose wagen.

business-on.de: Im Zusammenhang mit E-Commerce wird ja auch immer häufiger der Begriff Blockchain in den Mund genommen. Siehst du hier Potenziale?

Stefan Koshold: Ich glaube nicht, dass die Blockchain-Technologie in naher Zukunft eine Revolution für den E-Commerce bedeutet. Vielleicht werden wir im Bereich Integration, z.B. bei Marktplätzen, einige neue Integrationslösungen erleben, die die Blockchain-Technologie verwenden. Eine Anfrage, Kryptowährungen wie z.B. Bitcoin in Webshops zu integrieren, hatten wir bislang aber noch nicht.

business-on.de: Wenn wir von Blockchain sprechen, sprechen wir ja immer auch von Transparenz und Fälschungssicherheit. Gerade durch die steigende Relevanz von Nutzerbewertungen sind diese Punkte immer wichtiger geworden. Welche Gefahren siehst du hier in puncto Fake-Bewertungen?

Stefan Koshold: E-Commerce-Anbieter benötigen Produktbewertungen, da sie für ihre Kunden von großer Relevanz sind. Das ist richtig. Ich glaube daher, dass Fake-Bewertungen eher eine Chance für "neutrale" Bewertungsplattformen darstellen. Wer sich hier nicht an die Spielregeln hält, wird als Anbieter von Bewertungsplattformen schnell seine Kunden verlieren.

"Im B2B-Bereich wird aber meistens vom Arbeitsplatz bestellt"

business-on.de: Kommen wir zum nächsten großen Thema. Spielt sich der Einkauf in Zukunft mehr Mobile oder am Desktop-PC ab?

Stefan Koshold: Ich glaube, dass Kunden demnächst noch über ganz andere Wege auf E-Commerce-Lösungen zugreifen wollen. Wir verwenden ja auch unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben. Mobile- und Desktop-Geräte sind letztlich auch nichts anderes als Werkzeuge. Somit werden beide relevant bleiben.

Im B2B-Bereich wird aber meistens vom Arbeitsplatz bestellt. Hier wird zurzeit meistens auch ein Desktop-PC genutzt. Ich persönlich glaube nicht, dass sich das schnell ändern wird. Für den B2C-Bereich würde ich aber empfehlen, sich mal den chinesischen Markt anzuschauen. Hier läuft fast alles nur noch über mobile Geräte.

business-on.de: Sind mobile Bezahlmöglichkeiten nur ein kurzfristiger Trend oder die Zukunft?

Stefan Koshold: Ich glaube, dass sich vor allem Bezahlmöglichkeiten durchsetzen werden, die einfach, bequem, überall verfügbar und sicher sind. Für den B2C-Bereich werden dies auch mobil verfügbare Bezahlmöglichkeiten sein. Für den B2B-Bereich, glaube ich aber, werden wir noch lange Kauf auf Rechnung als präferierte Zahlungsart haben.

business-on.de: Welche Shop-Optimierungen sollte man in den kommenden Jahren nicht versäumen?

Stefan Koshold: Personalisierung wird gerade im B2B-Bereich ein ganz zentrales Thema werden. Darüber hinaus ist Internationalisierung wichtig. Leider wird dieser Bereich von den Systemanbietern noch völlig unzureichend abgebildet. Des Weiteren vermisse ich noch bei vielen Unternehmen eine Content-Strategie. Mehrwerte rund um die eigenen Produkte zu schaffen, wird aber zumindest mittelfristig ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil werden.

business-on.de: Wie könnten künftige IoT-Konzepte im E-Commerce aussehen?

Stefan Koshold: Bei der Bedarfsermittlung werden wir sicher immer mehr neue Lösungen sehen. Aber wer möchte schon den automatisierten Einkauf? Im B2B-Bereich ist dies eher realistisch, da hier ohnehin schon feste Serviceverträge wie z.B. für regelmäßige Verschleiß- und Ersatzteilversorgung üblich sind.

business-on.de: Welche Fehler werden im E-Commerce häufig gemacht?

Stefan Koshold: Wir erleben immer wieder den Fehler, dass E-Commerce-Lösungen nicht oder nur unzureichend aus der Sicht der Kunden gedacht und definiert werden. Wer nicht in Kundennutzen denkt und handelt, macht aber grundsätzlich etwas falsch und verschenkt sein Potential. Solcher Fehler lassen sich später auch nur mit erheblichem Aufwand wieder korrigieren. Häufig werden sie aber auch erst gar nicht als Fehler erkannt.

Hier würde ich mir für 2019 mehr Sensibilisierung wünschen.

"Beim B2B-E-Commerce geht es um die Digitalisierung von Vertriebs- und Kundenserviceprozessen"

business-on.de: Worauf muss man im B2B E-Commerce besonders achten?

Stefan Koshold: Beim B2B-E-Commerce geht es um die Digitalisierung von Vertriebs- und Kundenserviceprozessen. Beide Prozesse sind gerade im Mittelstand immer noch sehr "personengeprägt".

Wenn man mit E-Commerce im B2B Erfolg haben will, muss man deshalb auch psychologisch den Vertrieb und den Kundenservice mit auf die Reise nehmen. Anderenfalls werden E-Commerce-Lösungen, egal wie gut sie sind, von diesen Abteilungen torpediert. Wir haben schon in Projekten erlebt, dass sich Vertrieb und Kundenservice erfolgreich Wege um die E-Commerce-Lösung herum gebaut haben. Das muss auf jeden Fall vermieden werden.

Nur wenn man den Vertrieb und den Kundenservice vom Nutzen der E-Commerce-Lösung überzeugt, kann ein Projekt letztlich erfolgreich sein. Um das zu erreichen, müssen beide Bereiche fest mit in E-Commerce-Projekte eingebunden werden. Darüber hinaus gilt für das Unternehmen, die Ängste und Befürchtungen der Mitarbeiter in diesen Bereichen ernst zu nehmen, zu berücksichtigen und Antworten darauf zu geben.

"Suchen Sie sich einen guten Partner, der wirklich Ahnung von E-Commerce hat"

business-on.de: Was würdest du Kunden empfehlen, die 2019 ein E-Commerce-Projekt starten möchten?

Stefan Koshold: Suchen Sie sich einen guten Partner, der wirklich Ahnung von E-Commerce hat und nicht nur ein Stück Technik liefert, und sorgen Sie von Anfang an für ein KPI-System (Key Performance Indicator), das Ihren Erfolg misst und in den Mittelpunkt stellt.

Darüber hinaus sollte man sich mit dem Thema Verkaufspsychologie beschäftigen. Hier gibt es viele interessante und praxiserprobte Optimierungsansätze zu entdecken, die nach unserer Erfahrung auch hervorragend Online funktionieren.

business-on.de: Danke für die praktischen Tipps und das informative Gespräch.

(Redaktion)


 

 

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1 Kommentar

von Simultanski
10.12.18 08:45 Uhr
E-Commerce Welt

sehr spannend. da wird sich in Zukunft einiges tun für die ganzen Händler draussen in der Amazon Welt.

 

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