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Definition Eigenkapital

Eigenkapital – Finanzierungsform und Unternehmensgewinn

Das Eigenkapital grenzt sich vom Fremdkapital ab, da diese Finanzierungsform vom Eigentümer der Unternehmen selbst aufgebracht wird. Zweitens versteht man unter Eigenkapital einen erwirtschafteten Gewinn, der im Unternehmen selbst belassen wird.

Dabei unterscheidet man zwischen dem buchmäßigem und dem realen Eigenkapital. Bei Ersterem ergibt sich der Kapitalwert aus den Aktivposten sowie den Verbindlichkeiten. Das reale Eigenkapital dagegen erfährt eine Erhöhung durch Einlagen oder Gewinne. Schließlich gibt es noch den Begriff Effektives Eigenkapital, in dem zusätzlich die stillen Reserven beinhaltet werden. Bei einer Aktiengesellschaft (Zur Aktiengesellschaft Definition) ist das eingezahlte Kapital Grundkapital, bei einer GmbH (GmbH Definition) dagegen wird es Stammkapital genannt.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wie wird das Eigenkapital in der Bilanz ausgewiesen?
  2. Verwendung des Eigenkapitals
  3. Woher kommt das Eigenkapital?
  4. Welche Funktionen übernimmt das Eigenkapital?
  5. Abgrenzung des Eigenkapitals zum Fremdkapital
  6. Unterschiede zwischen Eigenkapital- und Fremdkapital im Insolvenzverfahren
  7. Eigenkapital unter internationalem Gesichtspunkt
  8. Eigenkapital auf dem Kapitalmarkt
  9. Die Eigenkapitalrentabilität

Wie wird das Eigenkapital in der Bilanz ausgewiesen?

Bei Einzelunternehmen (Informationen zu Einzelunternehmen) werden die Gewinne, Verluste, Einlagen sowie Entnahmen auf speziellen Eigenkapitalkonten erfasst, die variabel sind. Bei Festkonten werden die Veränderungen des Kapitals über Privat- oder Darlehenskontos erfasst. Das Eigenkapital setzt sich bei Kapitalgesellschaften wiederum aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Gezeichnetes Kapital
  • Kapitalrücklagen
  • Gewinnrücklagen
  • Gewinnvortrag
  • Jahresüberschuss

In diesem Fall spricht man von bilanziellem Eigenkapital.

Verwendung des Eigenkapitals

Eigenkapital wird häufig als Finanzierungsmittel genutzt. Der Vorteil dieser Zahlungsform ist, dass es dem Unternehmen im Grund genommen unbefristet zur Verfügung steht. Außerdem ist es oft die Voraussetzung dafür, weiteres Fremdkapital zu beantragen. Eine besondere Form stellt die Immobilienfinanzierung dar, in der das Eigenkapital beispielsweise Bargeld, Sparguthaben, Wertpapiere und Grundbesitz sein kann. Der Vorteil des Eigenkapitals besteht darin, dass das Unternehmen höheren Risiken ausgesetzt sein darf. Verluste treffen ein Unternehmen weniger stark, wenn es mit einem höheren Eigenkapital ausgestattet ist.

Woher kommt das Eigenkapital?

Im Rahmen der Unternehmensgründung (Unternehmensgründung Rechtsform) entsteht das Eigenkapital in Form von Bar- oder Sacheinlagen der Gesellschafter. Bei Kapitalgesellschaften ist das Mindest-Eigenkapital gesetzlich festgeschrieben. Bei einer Aktiengesellschaft muss es z. B. 50.000 Euro betragen (§7 AktG). Bei einer GmbH sind es 25.000 Euro (§5 Abs. 1 GmbHG). Der Einzahlungsnachweis muss vorliegen, ehe man die Gesellschaft in das Handelsregister einträgt.

Bei bereits eingetragenen Unternehmen entsteht Eigenkapital auf anderen Wegen. Hierzu gehören:

  • Kapitalerhöhung
  • Aktivierung von Vermögensposten
  • Gewinnthesaurierung
  • Höherbewertung von Aktiva
  • Niedrigerbewertung von Passiva
  • Emission von Aktien

Welche Funktionen übernimmt das Eigenkapital?

Funktionen
Haftungsfunktion • Grundlage des Gläubigerschutzes bei insolvenz- oder liquidationsbedingter Rückzahlbarkeit
Gründungsfunktion • Voraussetzung einer Unternehmensgründung ist Eigenkapital
• Fremdkapital kann nur aufgenommen werden, wenn Eigenkapital vorhanden ist
• zur Finanzierung der ersten Gründungsinvestitionen
• bei Kapitalgesellschaften konstituierende Finanzierungshandlung der Gesellschafter notwendig
Verlustabsorptionsfunktion • entstehende Verluste lassen sich mithilfe des Eigenkapitals abfangen
• je höher das Eigenkapital ist, umso länger kann ein Unternehmen Verluste verkraften, ohne in eine Krise zu geraten
Finanzierungsfunktion • Eigenkapital finanziert langfristige Sachanlagen
• Eigenkapital ist wichtiges Kriterium für die Kreditwürdigkeit, notwendig für die Beschaffung von Fremdkapital
Ermittlung der Rentabilität• je mehr Gewinn mit der gleichen Menge Eigenkapital erwirtschaftet wird, umso höher ist die Eigenkapitalrentabilität
• Anteile der von Gesellschaftern eingebrachten Eigenkapitalanteile entsprechen den später ausgeschütteten Gewinnen
Herrschaftsfunktion• Je größer der Eigenkapitalanteil eines Gesellschafters ist, umso mehr Einfluss kann er bei Abstimmungen nehmen

Abgrenzung des Eigenkapitals zum Fremdkapital

Die Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdkapital sind vor allem für Analysten und Gläubiger relevant. Wenn auch nur eine geringe Rückzahlungsmöglichkeit besteht, gehört die Position in der Bilanz dem Fremdkapital an. Aus diesem Grund gehören auch Rückstellungen zum Fremdkapital. Das Gleiche gilt für eine erfolgsunabhängige Verzinsung.

Es gibt darüber hinaus noch einige Formen hybriden Eigenkapitals. Dabei handelt es sich um Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital. Zu den wichtigsten davon gehören:

Formen hybriden Eigenkapitals
Das Nachrangdarlehen• Fremdkapital dessen Rückzahlungen an Bedingungen geknüpft ist
• muss erst nach Bezahlung der wichtigeren Gläubiger getilgt werden
• Bedingung als Subordiation, Nachrangabrede und Rangrücktritt ausgezeichnet
Genussrechte • schuldrechtlich begründete Finanzierungsmittel
• zu prüfen, ob Emittent Rückzahlungsverpflichtung übernimmt oder ob es nur ein Kündigungsrecht gibt
• im ersten Fall Eigenkapital, im zweiten Fremdkapital
Hybridanleihen • Fremdkapital, das nach 7 bis 10 Jahren kündbar ist
• meist mit Nachrangklausel für Insolvenz, Auflösung und Liquidation ausgestattet
• sehr lange Laufzeiten von bis zu 100 Jahren und mehr möglich
Stille Gesellschaften• Schuldverhältnisse, damit eher Fremdkapital
• Verlustbeteiligung vorgesehen, kann aber ausgeschlossen werden
Gesellschafterdarlehen • Form des Fremdkapitals, das als Eigenkapital behandelt wird
• seit 2008 in der Insolvenzordnung berücksichtigt

 Rating-Agenturen, die international tätig sind, bewerten hybride Finanzierungsarten meistens als wirtschaftliches Eigenkapital. Hierbei ist vorausgesetzt, dass es lange Laufzeiten und hohe Verlustbeteiligungen gibt.

Unterschiede zwischen Eigenkapital- und Fremdkapital im Insolvenzverfahren

Am besten lassen sich Eigen- und Fremdkapital im Insolvenzverfahren miteinander vergleichen. Gibt es rückständiges Eigenkapital, das ein Gesellschafter hätte aufbringen müssen, kann der Insolvenzverwalter verlangen, es in die Masse aufzunehmen. Bei einem Kredit des Gesellschafters an die Gesellschaft oder bei Fremdkapital von Nicht-Gesellschaftern liegt das Ganze anders. Der Kreditgeber hat hier die Möglichkeit, die Darlehen außerordentlich zu kündigen. Wenn der Kredit schon gewährt ist, wird der Rückforderungsanspruch zur Insolvenzverordnung und damit Teil des Insolvenzverfahrens.

Eigenkapital unter internationalem Gesichtspunkt

International ist Eigenkapital durch die International Financial Reporting Standards (IFRS) definiert). Hier steht es für den Betrag der Vermögenswerte (Assets), der nach Abzug aller Schulden übrig bleibt. In dieser Definition wird das Eigenkapital mit dem Reinvermögen gleichgestellt.

Da es sich nach dieser Definition um eine Restgröße handelt, wird das Eigenkapital nach den Richtlinien der IFRS nicht eigenständig bewertet. Stattdessen hängt die Bewertung der Größe von der Vermögensbewertung und den Schulden ab. Formal handelt es sich beim Eigenkapital um ein Eigenkapitalinstrument, das neben den finanziellen Verbindlichkeiten und Vermögenswerten zu den Finanzinstrumenten gehört.

Eigenkapital auf dem Kapitalmarkt

Eigenkapitalgeber erhalten in den meisten Fällen Kapitalüberlassungszahlungen (Dividenden). Diese sind erfolgsabhängig. Zum Vergleich: der Fremdkapitalzins wird erfolgsunabhängig ausgezahlt. Darüber hinaus gibt es beim Eigenkapital keine Tilgungen. Die Mitgliedschafts- und Dividendenrechte sind ganz normal in Aktien verbrieft. Sie werden entweder an der Börse gehandelt oder befinden sich außerbörslich in der Hand von Aktionären.

Wenn es zu einer Liquidation von Unternehmenswerten kommt, werden zuerst die Fremdkapitalgeber bedient. Danach folgen dann die Eigenkapitalgeber. Wenn es nach der Tilgung der Schulden keine Aktiva mehr gibt, die liquidiert werden können, bekommen die Eigenkapitalgeber gar nichts. Daran erkennt man deutlich, dass die Eigenkapitalgeber ein sehr viel höheres Risiko tragen als die Fremdkapitalgeber. Da Gesellschafter von Personengesellschaften nicht nur mit ihrem Anteil, sondern auch mit ihrem privaten Vermögen haften, bekommen Sie zusätzlich zur Renditeerwartung eine Risikoübernahme. Sie entschädigt sie für das höhere Risiko.

Die Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität (EKR) gibt an, welcher Gewinn mit dem vorhandenen Eigenkapital erwirtschaftet wird. Dabei gilt: je mehr Gewinn mit wenig Mitteleinsatz gemacht wird, umso höher ist die Eigenkapitalrentabilität. Anhand des Werts kann ein Unternehmer bzw. ein Investor leicht erkennen, ob die in das Unternehmen getätigte Investition rentabel ist.

Man errechnet die Eigenkapitalrentabilität indem man den nachsteuerlichen Jahresüberschuss und das Eigenkapital zu Beginn der Geschäftsperiode miteinander ins Verhältnis setzt. Zusammen mit anderen Kennzahlen kann die EKR Aufschluss darüber geben, wie sich ein Unternehmen in Zukunft entwickeln wird. Ist die EKR besonders niedrig, spricht das in der Regel dafür, dass die Aktiva zu hoch bewertet sind oder das Kapital unrentabel ist.

Ist die EKR besonders hoch, spricht das meistens für Ausnahmesituationen oder Konjunkturspitzen. Wenn man die Gewinne mit gleichbleibender Rentabilität reinvestiert, lassen sich Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung des Unternehmens ziehen.

(Christian Weis)


 

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Bild Nr. 1 © RFsole / Fotolia.com


 

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