18.02.2010  19:34 Uhr

TV-Aktionäre im Netz
Facebook-Mitglieder wollen Das Vierte übernehmen

Deutschland. „DAS VIERTE steht kurz vor dem AUS. Wir gründen eine Fernseh-Genossenschaft und machen endlich gutes Fernsehen!“ So die prägnante und durchaus kämpferische Ansage, die zurzeit in einer Gruppenbeschreibung der Online-Community Facebook zu lesen ist.

„Wir kaufen Das Vierte und machen unser eigenes Fernseh-Programm“, lautet die Gruppenbeschreibung der Online-Community. Wenn 340.000 Leute der Gruppe beitreten und jeder 50 Euro „in den Topf legt“, dann könne man sich den Sender kaufen - und "endlich gutes Fernsehen" machen.

Noch zählt die Gruppe jedoch „nur“ 4.190 Mitglieder (Stand 18.02.2010), doch die Aktionäre der schnell anwachsenden Gruppe scheinen optimistisch. „Auf dass es einen Hort für intelligentes Leben geben möge. Yes, we can!“ schreibt da zum Beispiel ein Mitglied euphorisch.

Eine Umgestaltung hätte Das Vierte auf jeden Fall bitter nötig. Erst im Juli 2008 wurde das private Spartenprogramm von Mini Movie International Channel übernommen. Der russische Medienunternehmer und Sender-Chef Dmitrij Lesnewski kündigte damals an, dass er Das Vierte zum Vollprogramm ausbauen wollte. In einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sagte Lesnewski: „Wir wollen ein Vollprogramm machen, mit Eigenproduktionen und Nachrichten.“ Geld sollte dabei keine Rolle spielen. „Vielleicht investiere ich 10 Millionen, vielleicht auch 40.“ Aber aufgrund unklarer Rentabilität, schlechter Wirtschaftslage bedingt durch die anhaltende Werbekrise wurde schnell von diesem Vorhaben abgesehen.

Erstmal erschien Das Vierte am 19. September 2009 in grundlegend überarbeiteter visueller Erscheinung. Doch der Neustart verlief eher nüchtern ab. Die beiden Eigenproduktionen „Globe – Das Reisemagazin“ und das „Fashion Magazine“ wurden wegen schlechter Einschaltquoten schnell auf die Nachmittage verschoben. Und auch die „Klassiker aus vielen Jahrzehnten“, die laut Eigenangabe vornehmlich laufen sollten, sind nun von Dauerwerbesendungen ersetzt wurden. Seit 2010 hat der Privatsender seine analoge Ausstrahlung größtenteils eingestellt und präsentiert sich nun als eine bizarre Mischung aus Programmfenstern, Teleshopping- und Erotik-Sendungen. Das soll, laut Angaben der Verantwortlichen auch erstmal so bleiben. Zum Ärger der Zuschauer, die sich immer mehr vom Vierten entfernen. Die geforderte Änderung bietet sich nun auch tatsächlich in Form von revolutionswilligen Internet-Usern an.

Es bleibt abzuwarten, ob die wachsende Facebook-Gemeinde die 340.000 Mitglieder erreicht, die benötigt werden, um den Sender zu kaufen, und ob es der Community gelingt, ihr Vorhaben umzusetzen und „endlich gutes Fernsehen“ zu machen.


 

(Katharina Olbrisch)



 


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1 Kommentar »

19.02.10 09:45 Uhr
Anonym
Gute Idee
Finde die Idee gut und witzig! Aber wer würde dann über das Programm entscheiden? Per Abstimmung über die Facebook-Seite? ;) Mal abwarten....
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