Weitere Artikel

Für weitere Artikel aus dem Wirtschaftslexikon bitte den Anfangsbuchstaben auswählen:

Factoring Definition

Factoring ist ein laufender Verkauf von Forderungen





Mit dem Begriff Factoring meint man den Verkauf von Forderungen. Sie werden meist zu dem Zweck verkauft, um Zahlungseingänge vorzeitig zu realisieren und damit das Ausfallrisiko zu minimieren. Der Forderungsverkäufer wird auch Anschlusskunde genannt. Der Verkauf erfolgt an eine Factoringgesellschaft. Bei den Forderungen handelt es sich um Leistungen sowie Lieferungen an Gewerbekunden. Der Factoringvertrag umfasst in der Regel eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren. Er beinhaltet die Gesamtheit der Forderungen, kann allerdings auch nur die Forderungen für spezielle Abnehmerkreise beinhalten.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Funktionen des Factorings
  2. Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Kunde und Abnehmer
  3. Effizienter wirtschaften mit Factoring
  4. Unterschiedliche Arten von Factoring-Unternehmen
  5. Nachteile des Factorings
  6. Kostenzusammensetzung beim Factoring
  7. Nutzen des Factorings

Funktionen des Factorings

Das Factoring hat vorrangig eine Finanzierungsfunktion für Unternehmen. Die Factoringgesellschaft stellt dem Anschlusskunden sofort nach dem Entstehen einer Forderung den zugehörigen Wert zur Verfügung. Vorteile sind der hohe Liquiditätsfluss, die der Forderungsverkäufer für seine Abnehmer nutzen kann. Das Factoring ermöglicht zudem, dass der Anschlusskunde einen detaillierten und ausführbaren Finanzplan erstellen kann. Einige Verkäufer verwenden die Forderungswerte auch für die Verminderung der Schuldenlast. Die Factoringgesellschaft übernimmt außerdem das sogenannte Delkredererisiko.

Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Kunde und Abnehmer

Sollten die Abnehmer des Forderungsverkäufers nicht zahlungsfähig sein, übernimmt die Factoringgesellschaft die Zahlung und kommt so einem Ausfall zuvor. Im Vorfeld muss sich der Anschlusskunde aber als kreditwürdig erweisen. Auch die Abnehmer werden auf ihre Kreditwürdigkeit geprüft. Somit ist das Factoring allgemein auch als Finanzdienstleistung zu verstehen, die Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkasso beinhaltet. Für diese Dienstleistung wird eine Gebühr erhoben. Für die Übernahme des Delkredererisikos wird außerdem ein Teil des Forderungswertes als Sicherheit einbehalten. In Deutschland werden die Factoringgesellschaften durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie die Deutsche Bundesbank überwacht.

Effizienter wirtschaften mit Factoring

Es gibt viele Unternehmen, die die Dienste eines Factors in Anspruch nehmen. Da sie unmittelbar auf fällige Zahlungen zugreifen können, verbessern sich ihre Kennzahlen. Eigenkapitalquote und Bilanz entwickeln sich langfristig ebenso positiv wie die Bonität. Das wiederum wirkt sich vorteilhaft auf Kreditvergaben aus. Des Weiteren können durch Factoring viele Fixkosten gespart werden. Da Mahnwesen, Inkasso und Debitorenbuchhaltung in einer Hand liegen, lassen sich Forderungen mit geringerem Aufwand durchsetzen. Flexibel bleibt der Unternehmer dennoch. Will er Bereiche wie das besonders empfindliche Mahnwesen nicht aus der Hand geben, richtet er sich eine Abteilung für Inhouse-Factoring ein.

Unterschiedliche Arten von Factoring-Unternehmen

Man unterscheidet Echtes Factoring von Unechtem Factoring. Bei Ersterem trägt der Factor das Delkredererisiko vollständig. Das bedeutet, dass er die Kosten bei einem Ausfall der Forderungen selbst trägt. Beim Unechten Factoring ist dies nicht der Fall. Der Factor haftet nicht für einen Ausfall. Das Risiko verbleibt beim Unternehmen, dass die Ware verkauft hat.

Weiterhin trifft man eine Unterscheidung zwischen Offenem und Stillem Factoring. Beim offenen Factoring sind sich die Kunden bewusst darüber, dass der Anbieter seine Forderungen an einen Factor verkauft hat. Sie wissen, dass ihr Geld nicht an den eigentlichen Anbieter geht. Beim Stillen Factoring zahlen die Kunden ganz normal an das Unternehmen. Danach gibt dieses die Gelder an den Factor weiter.

Nachteile des Factorings

Ein Nachteil des Factorings besteht darin, dass u.U. höhere Kosten auftreten. Darüber hinaus wirkt es für manche Kunden wenig vertrauenerweckend, wenn sich der Anbieter derart besorgt über ihre Zahlungsmoral zeigt. Weiterhin eignet sich Factoring nicht ausnahmslos für jede Wirtschaftsbranche.

Kostenzusammensetzung beim Factoring

Die beim Factoring anfallenden Kosten setzen sich aus sieben Variablen zusammen. Dabei handelt es sich um:

  • den Brutto-Jahresumsatz
  • die Finanzierungslinie
  • die Kundenzahl
  • die Anzahl der Rechnungen
  • die Art des Factorings (Inhouse, Full-Service)
  • Vorhandensein einer Kreditversicherung
  • Kosten und Nutzen

Die Kosten setzen sich aus der Factoringgebühr, der Delkredereprüfung und dem Vorfinanzierungszinssatz zusammen. Die Gebühr wird auf Grundlage des Umsatzes erhoben. Üblicherweise liegt sie bei 0,25 bis 1,0 Prozent. Grundlegend gilt: je höher der Jahresumsatz ausfällt, desto niedriger ist die Gebühr. Bei Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von weniger als 2,5 Millionen Euro kann die Gebühr auch sehr viel mehr als 1,0 Prozent betragen.

Der Vorfinanzierungszinssatz gilt für den effektiven Vorfinanzierungszeitraum. Liegt die Forderungslaufzeit z.B. bei 25 Tagen, fallen Vorschusszinsen für genau 25 Tage an. Meistens liegen die Zinssätze bei 4,0 bis 8,0 Prozent. Dabei sind sie an einen Referenzzinssatz wie 3M-EURIBOR gekoppelt. Je höher die Kreditwürdigkeit des Kunden ist, umso geringer fällt auch der Zinssatz aus. Bei Delkredereprüfungen fallen jährlich zwischen 20-60 Euro pro Debitor an.

Nutzen des Factorings

Beim Factoring findet ein Aktivtausch statt. Das Geld wird gegen eine Forderung eingetauscht. Durch die Liquidität bietet dieses Verfahren einige Vorteile. Bei der Einkaufsskontierung stehen die Erträge den Factoringkosten gegenüber. Damit liegt die effektive Verzinsung niedriger, als es bei einem Lieferantenkredit ähnlicher Größenordnung der Fall wäre. Typischerweise liegen diese nämlich bei 20 bis 60 Prozent im Jahr.

Die Bilanz verkürzt sich wegen der Skontierung und der Tilgung. Das führt wiederum dazu, dass die Eigenkapitalquote steigt.

(Christian Weis)








 


 

Factoring
Definition
Erklärung
Forderung
Forderungsverkauf
Factoringgesellschaft
Anschlusskunde
Factoring Definition

Auch für Sie interessant!


Das Bausparen ist eine Möglichkeit zur Finanzierung von Immobilien

Definition Bausparvertrag

Bausparvertrag

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Factoring" - jetzt Suche starten:

Für weitere Artikel im Wirtschaftslexikon bitte den Anfangsbuchstaben auswählen:
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden