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  • 17.09.2019, 16:55 Uhr
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Finanzierung

Wenn Selbstständige einen Kredit benötigen: Was ist zu beachten?

Auch Selbstständige möchten als Privatperson hin und wieder einen Kredit aufnehmen oder eine Finanzierung beginnen. Zumal sich auch bei ihnen ein finanzieller Engpass einschleichen kann. Aber was machen Selbstständige in diesen Fällen? Können sie mühelos einen Kredit aufnehmen und erhalten sie problemlos Finanzierungen? Leider nicht, denn sie müssen bei Finanzierungen mehr beachten.

Selbstständige haben bei Finanzierungen grundsätzlich Nachteile

Dieser Umstand mag nicht fair sein, ist aus Sicht der Kreditgeber jedoch verständlich. Selbstständige, egal ob Freiberufler oder Unternehmer, unterliegen anderen Faktoren und sind somit weniger sicher für Geldgeber. Aber wie sehen die Nachteile aus? Ein Überblick:

  • Einkommen – Selbstständige haben nur äußerst selten ein sicheres und gleichbleibendes Einkommen. Selbst diejenigen, die sich monatlich ein festes Gehalt auszahlen, haben nicht die Sicherheit eines festen Arbeitgebers. Für Banken und Kreditgeber resultiert aus diesem Fakt eine große Unsicherheit.
  • Unsicherheit – obgleich faktisch betrachtet auch ein Angestellter nicht garantieren kann, dass sein Gehalt in sechs Monaten immer noch fließt, kann ein Selbstständiger noch geringere Sicherheiten bieten, zumal bei ihm staatliche Hilfen wegfallen.

In der Folge vergeben Banken oft gar keinen Kredit an Selbstständige. Alternativ beschneiden sie ihn massiv in der Höhe. Zudem sind die Konditionen bei einer Kreditaufnahme teilweise deutlich schlechter als die bei einem vergleichbaren Angestellten.

Deutlich mehr Bürokratie

Während angestellt arbeitende Personen teils innerhalb weniger Tage und nach dem Einreichen der Gehaltsabrechnung schon einen Kredit erhalten, müssen sich Selbstständige besonders anstrengen und durch die Mühlen der Bürokratie kämpfen. Je nach Anforderungen des Kreditgebers bedeutet das:

  • Einkommensnachweise – da Selbstständige keine Gehaltsabrechnungen einreichen können, sind anderweitige Einkommensnachweise gefordert. Dies sind nicht selten die Steuerbescheide der letzten Jahre, Bilanzen und weitere Bescheinigungen.
  • Sicherheiten – sie sind gerade bei höheren Kreditsummen gefordert. Depotnachweise, Eigentumsurkunden von Eigenheimen oder Nachweise über anderweitiges Vermögen gehören zu diesen Sicherheiten.
  • Weitere Sicherheiten – oftmals muss ein Selbstständiger nachweisen, dass der Kredit notfalls abgesichert ist. Das kann geschehen, indem ein zweiter Kreditnehmer, beispielsweise der Ehepartner, eingesetzt wird. Auch Bürgen sind in diesem Fall möglich.

Wie viele Nachweise erbracht werden müssen, hängt auch von der Kredithöhe ab. Kleinere Konsumentenkredite werden durchaus mit einfacheren Voraussetzungen vergeben. Darüber hinaus spielen auch noch weitere Leistungsmerkmale eine wichtige Rolle. So bietet der Kredit bei der Postbank zum Beispiel den Vorteil, dass er volldigital und damit besonders schnell beantragt werden kann und Sondertilgungen jederzeit möglich sind.

Wie lassen sich die Konditionen verbessern?

Auch Selbstständige sollten immer einen Kreditvergleich durchführen und genau schauen, welche Konditionen geboten werden. Sicherlich sind die Konditionen, beispielsweise die Zinsen, häufig schlechter als bei einem vergleichbaren Kreditnehmer mit festem Gehalt, trotzdem gibt es markante Unterschiede.

Generell sollten Selbstständige Folgendes überlegen:

  • Anderer Kreditnehmer – ist es möglich, dass der Kredit von einem Familienmitglied aufgenommen wird? Hat dieses ein festes und solides Gehalt, wird sich das unweigerlich auf die Konditionen auswirken. Wird dieser Weg gewählt, sollte jedoch im Innenverhältnis ein eigener Kreditvertrag abgeschlossen werden, der den Kreditnehmer und den Selbstständigen beidseitig rechtlich absichert. Der Selbstständige zahlt nun die Kreditraten an den tatsächlichen Kreditnehmer, der sie der Bank weiterleitet. Ein solcher Weg bietet sich jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen an: Der Kreditnehmer muss abgesichert sein, der Selbstständige muss seinen Pflichten nachkommen und es ist ein fester und rechtlich bindender Vertrag notwendig. Hier gilt: Bei Geld hört die Freundschaft und die Familienbande auf.
  • Kreditsumme aufteilen – manchmal hilft es schon, die eigentliche Kreditsumme zu reduzieren. Das funktioniert natürlich über ein höheres Eigenkapital für die geplante Anschaffung. Zugleich wäre es bei Eheleuten denkbar, dass beide Partner jeweils einen niedrigeren Kredit aufnehmen.

Abseits dieser Möglichkeiten können Selbstständige durchaus ihre eigenen Konditionen verbessern. Wichtig ist, dass die Selbstständigkeit schon länger andauert und über einen längeren Zeitraum stabile Einnahmen zu verzeichnen sind. Wer sich gerade erst selbstständig gemacht hat, erhält noch seltener einen Kredit. Zudem gilt:

  • Zuverlässigkeit – hat der Selbstständige bereits Finanzierungen und bedient diese absolut zuverlässig? Ist gar nachweisbar, dass ein vorheriger Kredit vorzeitig getilgt wurde? Umso zuverlässiger ein Kreditnehmer ist, desto höher stehen seine Chancen.
  • Zweites Gehalt – kann ein Selbstständiger vorweisen, dass der Ehegatte oder ein zweiter Kreditnehmer ein festes Gehalt hat, steigen die Chancen ebenfalls an, zugleich verbessern sich die Konditionen.
  • Die Konditionen beachten – ein Selbstständiger sollte darauf achten, Kredite und Finanzierungen möglichst zeitnah zu begleichen. Dies hat mehrfache Gründe. Die Einnahmeentwicklung ist nicht absehbar, weshalb langfristige Finanzierungen wieder ein Risiko darstellen. Zudem wirken sich rasche Finanzierungen positiv aus. Damit dies funktioniert, sind auch die Möglichkeiten zur Sondertilgung oder vorzeitigen Ablöse eines Kredits wichtig.
  • Auf Sicherheit setzen – obgleich ein schnell abbezahlter Kredit nützlich ist, sollten gerade Selbstständige gezielt darauf achten, den Kredit mit Sicherheit bedienen zu können. Setzt das niedrigere Raten voraus, dann ist das so. Selbstständige sind zudem geraten, Kreditversicherungen zu nutzen, damit eventuelle Engpässe abgefedert werden können.

Für Selbstständige ist es bei größeren Finanzvorhaben immer sinnvoll, die Eigenkapitalquote hoch anzusetzen. Umso mehr Geld aus eigenen Mitteln ins Vorhaben gesteckt werden kann, desto niedriger muss die Kreditsumme ausfallen und umso gewillter sind Banken. Betrifft der Kreditwunsch eher einen überschaubaren Geldrahmen, kann sich der zweite Kreditnehmer als Lösung bestens eignen.

Selbstständigkeit ist nicht immer problematisch

Der Krediterhalt bei Selbstständigkeit ist meist bei höheren Kreditsummen problematisch. Einen einfachen Konsumentenkredit, der die 10.000 Euro nicht überschreitet, ist oft schon mittels Nachweis über das letztjährige Einkommen und durch die Hinterlegung einer kleinen Sicherheit erhältlich. Dies trifft auch auf die Finanzierung eines neuen Fahrzeugs zu, da dieses in den meisten Fällen als Sicherheit für die Bank dient. 

Fazit - gut vorbereitet in die Kreditverhandlung

Selbstständige müssen sich auf eine Kreditaufnahme gut vorbereiten. Die notwendigen Unterlagen zum Einkommensnachweis sind unheimlich wichtig und sollten rasch eingereicht werden. Dies funktioniert durchaus auch online, sofern der Kreditgeber dies erlaubt. Die Anforderungen an die Sicherheiten steigen mit der Kredithöhe, wobei hier auch die Konditionen eine Verschlechterung erfahren können. Möglichkeiten wie eine andere Person als Kreditnehmer, Bürgen oder zweite Kreditnehmer sollten immer genau geprüft und gut überlegt werden. Ohne einen festen Vertrag zwischen den Parteien darf keine dieser Möglichkeiten genutzt werden.

(Redaktion)


 

 

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