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  • 13.07.2017, 16:15 Uhr
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  • Deutschland
Games

Hamburg – Videospiel-Boom an der Elbe

Michel, Elbphilharmonie, Fischmarkt, Sankt Pauli: Mit Deutschlands wichtigster Hansestadt am Ufer der Elbe assoziiert man diese Schlagworte am ehesten. Dass Hamburg sich mittlerweile zum wichtigsten deutschen Standort für Games-Entwickler gemausert hat, ist zwar nicht neu, geht aber in der Berichterstattung rund um Elbvertiefung und Millionengräber oft unter. Fakt ist: Der Markt für Videospiele ist längst ein Milliardenmarkt – und Hamburg spielt ganz vorn mit.

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Volle Kraft voraus

Woran liegt es, dass es viele Unternehmen aus der Games-Branche nach Hamburg zieht? Verantwortlich sind die hervorragenden Rahmenbedingungen für Startups insbesondere im digitalen Sektor – es ist kein Zufall, dass die Metropole an der Elbe Berlin als Stadt mit den meisten Unternehmensgründungen pro Jahr inzwischen abgelöst hat.

Zudem ist die Branche in Hamburg bestens untereinander vernetzt und organisiert: Die 2003 gegründete Initiative gamecity:Hamburg hat sich die Förderung der ortsansässigen Spieleentwickler auf die Fahne geschrieben und unterstützt entsprechende Startups mit Rat und Tat in Form von Workshops sowie mit Tipps zu Businessplänen, Finanzierung und ähnlichem. Zudem richtet man die Hamburg Games Conference aus; bei der letzten Ausgabe im April dieses Jahres stand das Thema Storytelling in den Bereichen VR und eSports im Vordergrund.

Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt ein Blick auf die größten Spieleentwickler Deutschlands: Die drei größten Studios sind allesamt in Hamburg angesiedelt. Über 4000 Arbeitnehmer sind derzeit bei Hamburger Unternehmen aus der Videospielbranche angestellt, viele schnell wachsende und erfolgreiche Startups verlegen ihren Standort in die Hansestadt.

Im Fahrwasser des Erfolgs

Interessant ist, dass der Großteil der Hamburger Entwicklerstudios auf ein ähnliches Geschäftsmodell setzt. Wie sieht dieses aus? Während Großprojekte wie Grand Theft Auto 5 oder Destiny einen immensen Personalaufwand erfordern und mit mehreren hundert Millionen Euro Produktionskosten zu Buche schlagen, kommen die deutschen Studios mit wesentlich überschaubareren Budgets aus. Der Grund: Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung kleinerer Browser- und Handyspiele, die Nutzer auf Plattformen wie browsergames.de spielen oder dort herunterladen können. Diese sind weniger aufwendig zu programmieren als ihre "großen Brüder" aus dem Konsolen- oder High-End-PC-Sektor, aber deswegen nicht weniger rentabel.

Den Spielen liegt das Free2Play-Modell zugrunde. Das heißt, dass Spieler diese Games kostenlos herunterladen und spielen können, allerdings meist in eingeschränktem Umfang. Findet jemand an einem Spiel Gefallen, kann er oder sie Geld für Spielerweiterungen bezahlen – dies können zum Beispiel neue Levels, Charaktere, Ausrüstungsgegenstände, virtuelles Geld oder Booster für schnelleres Aufleveln sein. Man spricht dabei von Mikrotransaktionen, da die fälligen Beträge für einzelne Inhalte meist sehr gering sind.

Für die Entwickler rechnet sich dieses Konzept. Manche Spieler investieren hunderte Euro in Mikrotransaktionen für ein einziges Spiel – wesentlich mehr als die rund 70 Euro, die ein herkömmliches PC- oder Konsolenspiel im Laden kostet. Auf diese Weise setzte die in Hamburg ansässige deutsche Spieleschmiede InnoGames 2016 ganze 130 Millionen Euro um. Das Wachstum von 25% gegenüber dem Vorjahr ist ein Zeichen dafür, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein dürfte.

Dennoch ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Die Goodgame-Studios, Entwickler beliebter Free2Play-Titel wie Empire: Four Kingdoms entließen Anfang 2017 im Rahmen einer Umstrukturierung 200 Mitarbeiter, von einstmals 1200 Mitarbeitern sind damit nur noch 350 übrig. Dennoch: Hamburg hat sich als Go-to-Standort für Videospielentwickler in Deutschland positioniert und etabliert. Daran werden auch derartige Rückschläge so schnell nichts ändern.

(Redaktion)


 


 

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