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  • 29.08.2013, 09:15 Uhr
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Gas

Russlands neue Macht - Gazprom

Zur Zeit tragen der russische Gaskonzern Gazprom und die Europäische Union einen erbitterten Kampf um neue Regeln und Pipelines aus. Wir erinnern uns: Am ersten Jahrestag 2009 fiel plötzlich der Gasdruck.

Moskau und Kiew hatten sich zuvor über den Gaspreis gestritten. Am Neujahrstag erwachte die Ukraine dann gänzlich ohne Brennstoff und kurz darauf fielen auch die ukrainischen Transitleitungen, die russisches Gas bis nach Mitteleuropa bringen, aus. Lieferausfälle vermeldeten Polen, Ungarn und die Tschechische Republik, in Bulgarien mussten Fabriken ihre Produktion stilllegen und die Slowakei rief sogar den Notstand aus. Nach achtzehn Tagen des Bangens gab die Ukraine dann doch auf und Kiew stimmte einem neuen Vertrag zu, der die Gaspreise wieder in die Höhe schnellen ließ.

EU reagiert auf Druck der Gazprom

Doch die Ukraine und das Baltikum sind nicht die einzigen betroffenen Länder, die dem Ehrgeiz des russischen Staatskonzerns Gazprom zum Opfer fallen. Auch der Süden Europas steht mit der Gasleitung „South Stream“ in Russlands Blickpunkt. Diese verbindet Südrussland durch das Schwarze Meer mit dem Balkan. Experten der EU vermuten, dass diese Röhre zwei politische Ziele vereint: Dadurch kann die Hauptleitung in der Ukraine umgangen und Europa trotzdem beliefert werden; darüber hinaus soll „South Stream“ der geplanten Gasleitung von Aserbaidschan auf den Balkan zuvorkommen. Wird nun Europa durch „South Stream“ beliefert, so hat Gas aus Aserbaidschan auf dem europäischen Gasmarkt keine Chance mehr und Russland könnte seine Macht als größter Gaslieferant der EU weiter ausbauen.

Zwar widerspricht Gazprom dem Monopolvorwurf, doch es ist zweifelhaft, ob die europäischen Gaskäufer durch die Preisformel auch wirklich vor Missbrauch geschützt sind. In Europa können solche Beteuerungen noch längst nicht alle EU-Mitglieder überzeugen. Es wird eine gemeinsame Politik gefordert, um der Macht aus den Röhren gemeinsam zu widerstehen. Diese Botschaft kam in Brüssel an, wie am Anfang des Jahres ein „Non-Paper“ der EU-Kommission zeigte. Darin wurde festgestellt, dass von einem „russischen Versorger“ mehrere Mitgliedstaaten abhängig seien. Des Weiteren seien sie von dessen Preisbindung abhängig, die „möglicherweise nicht immer den Marktprinzipien entspricht“. Dadurch drückt Brüssel in Diplomatensprache aus, was niemand offen zu äußern wagt: Die EU ist bereit, auf den Druck von Gazprom zu reagieren.

40% des deutschen Gasverbrauchs werden durch Russland gedeckt

Die Waffe Brüssels ist der Wettbewerb. Denn schon heute werden Gas und Öl von Baku durch Georgien und Aserbaidschan bis in die Türkei geleitet. Die beiden Pipelines durchziehen wie zwei feine Fäden die Region. Danach geht das Öl vom türkischen Hafen Ceyhan über das Mittelmeer hinaus in die ganze Welt. Das Gas blieb allerdings bislang in der Türkei. Zu diesem Zweck wollten ursprünglich die Europäer eine eigene Pipeline bauen. Nabucco sollte über sechs Ländergrenzen hinweg laufen und 3.900 Kilometer lang sein. Doch nach einigen Querelen wurde das Projekt gestoppt und nun soll die Trans Anatolian Pipeline durch die Türkei und Aserbaidschan gebaut werden.

Wer nun den europäischen Bauauftrag bekommt, darüber streiten zwei Konsortien. Dies ist zum einem der österreichische Energiekonzern OMV. Dieser will das kaspische Gas in die Mitte Europas durch Bulgarien, Rumänien und Ungarn bringen. Die TAP, zu der die norwegische Statoil und Eon gehören, will mit der Trans Adriatic Pipeline den kostbaren Rohstoff über Griechenland und Albanien bis nach Italien durch die Adria transportieren. Dies wäre der kürzeste Pipelineweg.

Doch hier geht es um gewaltige Summen und gemeinsam mit den Vertretern von Statoil und BP, die jeweils 25,5 Prozent Anteil am Shah-Deniz-Konsortium besitzen, entscheidet Nassirov (Vizepräsident der aserbaidschanischen Gas- und Ölgesellschaft Socar) über die Vergabe. Derzeit bezieht Deutschland rund 40 Prozent Gas aus russischen Quellen. Aserbaidschan wäre ein völlig neuer Gaslieferant. Rund die Hälfte aller deutschen Privathaushalte wird mit Erdgas beheizt. Und nur ein Fünftel des Bedarfs wird in Deutschland selbst gefördert.

Erst 1998 wurde im Zuge der Liberalisierung der Gasmarkt für den freien Wettbewerb geöffnet. Der Markt war dadurch theoretisch zwar geöffnet, es gab praktisch jedoch nur wenige Anbieter, unter denen die Kunden wählen konnten. Erst durch die Gesetzesnovelle von 2009 gewinnt der Wettbewerb auch auf dem Gasmarkt an Fahrt. Mittels Vergleichsportalen wird es dem Verbraucher einfacher gemacht den Überblick zu behalten und indem sie einen lohnenswerten Gaspreisvergleich schnell und unkompliziert durchführen. Mittlerweile buhlen mehr als 700 verschiedene Gasversorger um die Gunst der Kunden. Mit einem Anbieterwechsel kann auch der Kunde dafür sorgen, den Wettbewerb im Gasmarkt weiter voranzutreiben und den Problemen auf dem Markt entgegenwirken. Denn durch die Entscheidung des Verbrauchers für oder gegen einen Anbieter, wird dieser zum Handeln bewegt.

(Redaktion)


 

 

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