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Gastbeitrag

Digitalisierung: ins Handeln kommen

Seit Jahren diskutieren wir über die Digitalisierung und digitale Geschäftsmodelle. Es gibt unzählige Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Vorträge zu dem Thema, Unternehmer besuchen Hackathons oder fliegen ins Silicon Valley. Trotzdem haben nur die wenigsten ein digitales Geschäftsmodell. Wir diskutieren und stellen unsere Geschäftsmodelle auf den Prüfstand, doch gerade der Mittelstand wird nur selten aktiv.

„Herr Porschen, toller Vortrag, sehr informativ, was da mit der Digitalisierung auf uns zurollt, aber unsere Branche ist anders. Wissen Sie, wir machen das schon ein paar Jahre und das hat noch immer geklappt.“ Dies sind typische Sätze, die ich nach meinen Vorträgen so oder ein bisschen abgewandelt immer wieder höre. Und immer antworte ich: „Es trifft jede Branche, manche früher, andere später.“ Einige sind mitten drin, im Umbruch. Die Banken. Die Versicherungen. Andere (meistens produzierende) Unternehmen sind noch nicht direkt betroffen. So richtig im (eigenen) Transformationsprozess sind die Wenigsten. Doch der ist dringend notwendig, wenn wir wie Schumpeter es nennt, „schöpferische Zerstörung“ betreiben wollen. Denn: Der Unternehmer setzt nach Schumpeter das Neue durch - im Unterschied zum Erfinder, der es entwickelt. Er ist ein Mann der Tat, der vor Allem ins Handeln kommen muss.

In Deutschland scheinen wir uns im Moment eher auf unseren Lorbeeren auszuruhen, als wirklich zu handeln.

Woher kommt diese Angst vor dem Handeln?

Wenn wir einmal diejenigen außen vor lassen, die aus Selbstzufriedenheit und Arroganz nicht handeln, bleibt nur noch die Angst vor der Größe des Projekts, der Tiefe der Transformation. Vielleicht spielt auch die Furcht mit, Erreichtes aufs Spiel zu setzen, Geld zu verbrennen, das nachher an anderer Stelle fehlt. Der Wunsch und der Wille zum Handeln, wie immer es konkret aussehen mag, muss vom Unternehmer kommen. Nur er kann letztlich die Rahmenbedingungen innerhalb des klassisch-hierarchisch organisierten Unternehmens so verändern, dass etwas Neues entstehen kann.

So funktioniert der Sprung aus der Theorie

  1. Um ins Handeln zu kommen, ist anfangs weder eine Digitalstrategie nötig noch ein perfekter Plan, sondern viele kleine Testballons, um herauszufinden, was der Kunde will, wie sein Leben bereichert, vereinfacht und verbessert werden kann.
  2. Ganz gut funktioniert eine Digitaleinheit mit Mitarbeitern und Externen. Dabei sollte man darauf achten, dass Leute dabei sind, die die Branche und das Geschäft kennen, Leute, die wissen, wie Start-ups arbeiten und IT-Fachleute. Das operative Geschäft kann unbehelligt weiterlaufen.
  3. Die Digitaleinheit braucht Suchfelder, ein Budget, Unabhängigkeit und Raum, möglichst außerhalb des Unternehmens. Findet die Digitaleinheit ein Geschäftsmodell, ein Produkt, das aufgrund des Kundenfeedbacks eine Chance am Markt hat, ist es an der Zeit, ein eigenes Unternehmen dafür zu gründen.
  4. Daten sind die Grundlage für zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Man muss lernen, sie zu generieren, zu systematisieren, zu strukturieren und zu nutzen.

Der Unternehmer ist entscheidend

Der Aspekt, der beim Sprung in die digitale Transformation oft vernachlässigt wird, ist der Unternehmer selbst. Denn er muss dafür sorgen, dass die Mitarbeiter verstehen, worum es geht, und dass sie sich entsprechend ihren Fähigkeiten und Potenzialen entwickeln können. Nur dann können sie optimal zum Unternehmenserfolg beitragen. Deshalb muss der Unternehmer der Zukunft kommunikationsstark, empathisch und umsetzungsstark sein, über eine hohe Sozialkompetenz verfügen, sich permanent weiterentwickeln – fachlich wie persönlich – und über sich selbst reflektieren können. Er muss neugierig auf neue Technologien sein, mutig genug, um in der Veränderung mehr Chancen als Risiken zu sehen, gut vernetzt sein, das Erreichte immer wieder auf den Prüfstand stellen, sein Ohr am Puls der Zeit haben und über das eigene Unternehmen hinausschauen. Seinen Mitarbeitern muss der Unternehmer Freiheit und Verantwortung zugestehen und ihnen in allen Belangen ein Coach und Mentor sein, ihre Stärken finden und fördern. Er sollte anderen Expertise zugestehen und bereit sein, von denjenigen zu lernen, die besser sind beziehungsweise mehr wissen.
Lasst uns weiter an uns selber arbeiten, digitale Kompetenzen aufbauen um unter der Nutzung digitaler Möglichkeiten weiter innovativ zu sein.

Der Autor Dr. Hubertus Porschen ist Unternehmer und Keynote Speaker zum Thema Digitalisierung und digitale Transformation. In seinem Buch „Digitaler Suizid“ erläutert er, weshalb Deutschland vom Hightech-Standort zum Entwicklungsland verkommen könnte und was dagegen getan werden kann. Dabei geht er auch auf die Rolle „neuen, innovativen Unternehmers“ ein.

(Redaktion)


 


 

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