15.12.2009  09:48 Uhr

Rauchverbote
Türkische Gastronomen setzen auf Außenheizgeräte

GTE Deutschland. Seit Mitte des Jahres herscht auch in der Türkei ein Rauchverbot, das die Kunden vor die Tür treibt. Was im Sommer noch ertragbar war, wird nun auch in der sonst warmen Türkei zu einer Frage für die Gastronomie. Da es auch in einigen Landesteilen im Winter kalt werden kann, werden nun Außenheizgeräte eingesetzt.

Seit dem 19.7.09 gilt in der Türkei ein strenges Rauchverbot auch in Restaurants, Bars und Cafés. Bereits im Vorjahr war die stufenweise verschärfte Regelung für öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel in Kraft getreten. Der Beginn des Verbots im Sommer hat die Reaktion zunächst abgemildert. Viele Gastronomen haben für Raucher einfach Tische außerhalb des Lokals aufgestellt. Mit dem Anbruch der kälteren Jahreszeit ist dies keine Lösung mehr. Auch in vielen Landesteilen der Türkei sind die Winter kalt, feucht und windig.

Besonders betroffen von dem Rauchverbot sind die traditionellen Kaffeehäuser, in denen sich die Männer bei Tee und Zigarette zu Brett- oder Kartenspielen treffen sowie die Betreiber von Wasserpfeifencafés, bei denen das Rauchen zum Zweck des Besuches gehört. Trotz Protesten hat der türkische Gesetzgeber auch bei diesen Lokalen keine Ausnahme gemacht. Sobald mehr als die Hälfte der Begrenzungen eines zur Bewirtung genutzten Raums geschlossen sind, ist jeglicher Konsum von Tabakwaren verboten. Konkret heißt dies, dass der Aufenthaltsbereich der Gäste, die rauchen wollen, an mindestens drei Seiten offen sein muss.

Bei kühlem Regenwetter ist das keine Einladung zum längeren Verweilen. Durch Überdachung und Beheizung kann die Situation jedoch erträglicher gestaltet werden. Die von Umsatzeinbußen geplagten Gastronomen setzen daher verstärkt auf Infrarot- und Gasheizgeräte, wie sie in nördlicheren Ländern schon seit längerem in Gebrauch sind. Wegen der für die Abnehmer in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegenen Gaspreise erwarten vor allem die Hersteller von Infrarotsystemen steigende Umsätze. Nach etwa 1 Mio. verkauften Geräten im Winter 2008/09 prognostizieren Branchenvertreter in der beginnenden Saison 2009/10 einen Absatz von rund 1,25 Mio. Einheiten.

Die Anschaffung und die zusätzlichen Stromkosten, sagte der Vorstandsvorsitzende des Marktführers Ufo, Abdullah Yesil, gegenüber der Presse, können die Betreiber von Cafés und Restaurants durch die zusätzlichen Umsätze mehr als amortisieren. Etwa 20% seiner Produktion exportiert das Unternehmen. So werden zum Beispiel auch einige Straßencafés in Paris oder Prag mit den Geräten von Ufo beheizt, ergänzte Yesil. Das Gesamtvolumen des türkischen Marktes für Infrarotheizgeräte im Jahr 2008 bezifferte er mit 150 Mio. US$.

Ein beträchtlicher Teil des Absatzes entfällt auch auf Anwendungen innerhalb von Gebäuden oder Gewächshäusern. Die Umstellung auf Erdgasheizungen hat in den vergangenen zehn Jahren in der Türkei für eine erhebliche Verbesserung der Luftqualität in den Städten gesorgt. Die gestiegenen Kosten für diesen Brennstoff führten im Winter 2008/09 jedoch dazu, dass einige einkommensschwache Haushalte wieder Kohle benutzt haben - ein unangenehmer Rückblick in frühere verqualmte Zeiten. Heizstrahler sind eine emissionsarme Alternative, solange die Strompreise relativ niedrig sind.

Beim Thema Beheizung von Außengastronomie nimmt die innertürkische Diskussion bisher wenig Bezug auf Aspekte der Energieeffizienz oder des Klimaschutzes. Zu erwarten ist daher auch der vermehrte Einsatz von pilzförmigen Gasheizgeräten im kommenden Winter. Diese lassen sich flexibler einsetzen, da sie nicht fest montiert werden. Mit einem Gerät lässt sich zudem eine größere Fläche abdecken. Zwar stellt das Umweltbundesamt fest, dass in Bezug auf die Emissionen und den Energieverbrauch beide Technologien gleichermaßen schlecht abschneiden, Infrarotgeräte werden jedoch als effizienter wahrgenommen, wenn die Kosten zum Betrieb geringer sind.

Die neue Nachfrage nach Ausstattungen für die winterliche Außengastronomie hat auch den Erfindergeist angeregt. Im Oktober 2009 wurde in der Türkei ein beheizbarer Tisch für die Verwendung im Freien vorgestellt, der elektrisch bis auf 60 Grad Celsius erwärmt werden kann. Die Tische für zwei oder vier Personen haben eine Leistung von 150 W bis 300 W.

Quelle: gtai


 

(Redaktion)

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