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Billigschuhketten erobern die Türkei Rückläufige Produktion / Vorteile beim Export in die EU / Von Marcus Knupp

Istanbul (gtai) - Der türkische Schuhsektor ist aktuell von gegenläufigen Prozessen gekennzeichnet. Einerseits zwingt die Wirtschaftskrise die Konsumenten zum Sparen. Davon profitieren Anbieter preiswerter Schuhe: mehrere Ketten wollen entgegen dem Trend 2009 neue Filialen eröffnen. Auch steigen die Importe von Schuhen aus asiatischen Ländern weiter an. Andererseits können türkische Hersteller durch die räumliche und kulturelle Nähe zu wichtigen Märkten in Europa, Nahost und Zentralasien ihre Exporte kontinuierlich steigern... (Kontaktanschriften)

Der rapide steigende Import von preiswerten Schuhen aus asiatischen Ländern, insbesondere der VR China, hat die Schuhfabrikanten in der Türkei in den vergangenen fünf Jahren immer mehr in Bedrängnis gebracht. Mit einem Wert von 673 Mio. US$ hatten die Einfuhren von Schuhen 2008 mehr als das dreifache Volumen von 2003 (191 Mio. US$). Die türkischen Produktionskapazitäten von derzeit rund 400 Mio. Paar Schuhen im Jahr werden im Gegenzug immer schlechter ausgenutzt. Schon 2004 wurden nur noch circa 200 Mio. Paar gefertigt. Die aktuelle Wirtschaftskrise hat den Ausstoß weiter sinken lassen, das Produktionsvolumen liegt derzeit schätzungsweise nur noch bei 150 Mio. Paar.

Eine große Zahl vor allem kleinerer Hersteller haben den Betrieb einstellen müssen. Nach Schätzung des Verbandes türkischer Schuhhersteller (Türkiye Ayakkabi Sanayicileri Dernegi, TASD) ist die Zahl der Produzenten 2008 von etwa 20.000 auf 18.000 gesunken. Im Jahr 2009 dürfte sich dieser Prozess weiter fortsetzen. Vielen der kleinen Werkstätten fehlt es am nötigen Know-how, um mit den größeren und moderneren Fabriken des Inlandes und den Anbietern billiger importierter Schuhe konkurrieren zu können.

Trotz dieser doppelten Belastung für die einheimischen Hersteller bleibt der türkische Schuhmarkt mit einer Bevölkerungszahl von 71,5 Mio. und einem Verkaufsvolumen von 2,3 Mrd. US$ attraktiv. Insbesondere Anbieter preiswerter Schuhe sehen in der derzeitigen Krise eine Chance und erweitern ihre Ladenketten zum Teil deutlich. So will der in seiner Werbung ausdrücklich auf die komplett inländische Fertigung hinweisende Schuhhändler Haangar die Zahl seiner Filialen von derzeit 181 bis zum Jahresende um weitere 75 erhöhen. Für die Zukunft plant die Kette auch die Expansion nach Europa, wo in den kommenden Jahren rund 400 Geschäfte eröffnet werden sollen.

Die Ergene Gruppe ist seit 12 Jahren mit der Marke Chi auf dem Markt. Das Unternehmen verfügt derzeit über 45 Filialen und will deren Zahl bis zum Jahresende auf 55, innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 150 erhöhen. Eine andere Kette, die bisher preiswerte Schuhe in 15 Geschäften in Istanbul anbietet, ist Aydi. Bis Ende 2009 soll das Angebot auf andere Landesteile ausgeweitet und von den dann etwa 75 Filialen die Hälfte als Franchise betrieben werden. Auch die Wettbewerber Polaris und Yesil planen ihr Filialnetz in der Türkei auszuweiten. Bis zum Jahresende sollen zehn beziehungsweise 22 neue Geschäfte hinzukommen.

Seit 2006 ist der deutsche Schuhanbieter Deichmann auf dem türkischen Markt aktiv. Bisher wurden in Städten wie Istanbul, Izmir, Ankara, Antalya, Denizli, Mersin, Izmit und Eskisehir insgesamt 23 Geschäfte eröffnet. Bis Ende 2009 soll ihre Zahl auf 40 steigen. Für das Jahr 2015 hat sich Deichmann das Ziel von 100 Filialen in der Türkei gesteckt.

Einen anderen Weg geht das Unternehmen Gezer, das seine Schuhe landesweit in über 30.000 verschiedenen Einzelhandelsgeschäften anbietet, darunter zum Beispiel die Verbrauchermarktkette Carrefour. Im Jahr 2008 hat Gezer nach eigenen Angaben etwa 4,5 Mio. Paar Schuhe und 48 Mio. Paar Hausschuhe und Badelatschen verkauft. Das Unternehmen hat inzwischen eine Produktion in Russland aufgebaut und plant Investitionen in weitere Fertigungsanlagen in Nordafrika.

In der Türkei konzentriert sich die Schuhherstellung in den Regionen Istanbul, Izmir, Gaziantep, Konya, Antakya, Isparta und Trabzon. Dabei haben sich die Firmen einer Region oft auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert. Während etwa in Izmir vor allem Damen- und Kinderschuhe entstehen, werden in Konya und Gazinatep vor allem Herrnschuhe gefertigt. Circa ein Viertel der in der Türkei verkauften Herrenschuhe stammt aus den Werkstätten der südanatolischen Stadt Konya.

Zu den wichtigsten Exportmärkten der türkischen Schuhindustrie gehören neben Russland, Saudi-Arabien und Irak auch die EU-Länder Rumänien und Bulgarien. Auf den weiteren Plätzen folgen die Niederlande und Deutschland, wohin 2008 Schuhe im Wert von 17,7 Mio. US$ aus der Türkei geliefert wurden. Der gesunkene Kurs der türkischen Lira verbessert die Konkurrenzfähigkeit der Hersteller, auch gegenüber asiatischen Wettbewerbern. Die Nähe zu den hauptsächlichen Abnehmermärkten gewinnt in der Krisensituation an Bedeutung, wenn es darum geht, möglichst schnell auch kleinere Mengen zu liefern.

Kontaktanschriften:

Türkiye Ayakkabi Sanayicileri Dernegi (TASD, Verband der türkischen Schuhhersteller)

Aymakop Sanayi Sitesi, Aymakop Ticaret Merkezi, K:5, N:2, Ikitelli - Istanbul

Tel.: 0090 212/549-71 71; Fax: -71 17

E-Mail: [email protected] Internet: www.tasd.com.tr

Ayakkabi Yan Sanayicileri Dernegi (AYSAD, Verband der Zulieferer der Schuhindustrie)

Aymakoop Sanayi Sitesi, Aymakoop Ticaret Merkezi, K:5, D:3, Ikitelli - Istanbul

Tel.: 0090 212/549-36 12; Fax: -36 22

E-Mail: [email protected] Internet: www.aysad.org

(Redaktion)


 


 

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