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Im Gespräch

Im Gespräch mit Cem Özdemir

Das Verhältnis zwischen Deutschen und Türken ist teilweise noch von Vorurteilen geprägt. Dabei beruhen diese auch oft auf Missverständnissen und Nichtwissen über Kultur. Wie soll man auch wissen, wo jemand hin will - wenn man nicht weiß woher er kommt? Diesem Thema widmet sich das neue Buch von Cem Özdemir, das helfen soll, Vorurteile abzubauen - indem es informativ und zuweilen auch heiter über die Türkei und Bräuche wie auch Sitten berichtet. Im Gespräch berichtet Cem Özdemir, welche Erfahrungen er gemacht hat, was Ihn jetzt zu diesem Buch bewegt hat und was es erreichen soll.

Warum schreiben Sie gerade jetzt ein Buch über die Türkei?

Die Türkei verwirrt alle. Egal ob man innerhalb oder außerhalb der Türkei lebt: Es fällt schwer, das Land zu verstehen. Und die Arbeit am Buch hat mir selbst geholfen, vieles besser zu verstehen. Ich hoffe, es wird auch anderen helfen, Antworten auf ihre Fragen zur Türkei zu bekommen.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Autor? Sehen Sie sich als Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen / Ländern?
Ich stehe mit beiden Beinen in Deutschland. Die Türkei ist allerdings nicht irgendein Land für mich, sondern das Land, aus dem meine Eltern stammen und wo ich viele Freunde und Verwandte habe.

Insofern wird mich die Türkei ein Leben lang beschäftigen und begleiten, nicht nur politisch. Vieles dort fasziniert mich, anderes schreckt mich ab. Ich versuche mir einen Reim darauf zu machen und die Hintergründe zu erfassen. Je mehr ich darüber erfahre, umso mehr will ich wissen und erzählen.

Welche Leser wünschen Sie sich für Ihr Buch? Wem möchten Sie vor allem etwas über die Türkei vermitteln/erzählen?

Ich denke dabei an die vielen deutsch-türkischen Eltern, die mit ihren tausend Fragen allein gelassen werden. Ich denke aber auch an die Lehrer, die gelegentlich überfordert sind mit dem, was ihre Schüler von zuhause mitbringen.

Nicht zuletzt geht es mir natürlich um die Jugendlichen selbst. Ich habe mich dabei an meinen eigenen Fragen orientiert, die mir damals keiner zufriedenstellend beantworten konnte.

Welches Bild der Türkei soll in den Köpfen entstehen? Worauf liegt Ihr Hauptaugenmerk bzw. was ist für Sie selbst das Besondere an Ihrem Buch?
Alles ist noch viel komplizierter oder ganz anders, als es auf den ersten Blick scheint. Kopftücher sind manchmal religiös, manchmal aber auch sehr politisch. Sozialdemokraten können ganz schön reaktionär sein und bei manchen seiner Verehrer würde sich Atatürk im Grabe umdrehen.

Welchen Stellenwert hat das Buch für Sie als Politiker?Es ist sehr persönlich wegen all der Geschichten, die im Buch erzählt werden. Ich habe es auch für meine Tochter geschrieben. Ich hoffe, dass es ihr später einmal helfen wird, das Land ihrer Großeltern besser zu verstehen. Das Buch zu schreiben hat uns alle sehr aufgewühlt und für manch schlaflose Nacht gesorgt.

Es entstand aber auch mit sehr viel Freude. Die Diskussionen aus dem Buch und die Gedanken, die daraus entstanden sind, gehen bei Rotwein und Pasta im Freundeskreis weiter.

Wie stellen Sie sich den Alltag, das Leben der 5., 6., 7. Generation in Deutschland vor? Was für eine Gesellschaft wünschen Sie sich als „anatolischer Schwabe“, wie Sie sich selbst bezeichnen, also als deutscher Staatsbürger mit türkischem Migrationshintergrund, und als Vater?
Ich hoffe, dass die Deutsch-Türken nicht die türkischen Aussiedler in Deutschland und Europa werden, die ein altes Türkei-Bild in ihren Köpfen konservieren oder sich hier gar in einer Opferrolle einigeln.

Ich hoffe auf einen (Bildungs-)Aufbruch zu neuen Ufern, der hilft, dass aus heutigen Ausländern gute deutsche Staatsbürger mit türkischer, kurdischer, tscherkessischer etc. Herkunft werden, die sich hier wohl fühlen, Deutschland mitgestalten und zur Heimat ihrer Vorfahren eine ganz natürliche Verbindung haben.

Das Gespräch führte Bettina Schaub

Cem Özdemir stellt sein Buch auf einer Lesereise vor - die letzten Lesungs-Termine:
28.10. München
03.11. Reutlingen
24./25.11. Ravensburg

(Redaktion)


 


 

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