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Interview mit Korhan Erdön, Vorstandsvorsitzender der arinna AG

Erneuerbare Energien, wie beispielsweise die Erzeugung von Solarstrom, erleben in der Türkei weiterhin einen Boom. Nicht zuletzt die optimalen klimatischen Bedingungen an türkischen Standorten sind Garant für eine optimale Auslastung neuer Anlagen. Im Interview äußert sich Korhan Erdön von der Berliner arrina AG, Anbieter und Produzent von Solarpanelen, zu den Marktchancen.

GTE: Wer ist die arinna AG, was sind Ihre Produkte, wo sind Ihre Standorte?

Korhan Erdön: Die 2007 gegründete, nicht börsennotierte arinna AG mit Sitz in Berlin ist als Unternehmen Teil des Solarindustrie-Netzwerks „The Renewables Consulting Group“ (TRCG). TRCG beschäftigt sich mit der Verbesserung der Fertigungsmethoden von der Modulherstellung bis zur Anwendung.

Innerhalb dieser Gemeinschaft übernimmt die arinna AG den Bau von Solarmodulen mit der im September 2008 gegründeten Tochtergesellschaft arinna PV Berlin GmbH. Diese hat seit Januar 2009 die Produktion in Berlin-Marzahn auf rund 5.000 qm Fläche aufgenommen. Die erste Produktionslinie ist installiert. Die Flächenkapazität für eine spätere Produktionsausweitung ist an diesem Standort eingeplant. Gestartet wurde mit einer Jahreskapazität von zu-nächst 20 MW, die stufenweise auf bis zu 100 MW ausgebaut wird. Zunächst ist eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl auf 69 bis Ende 2009 geplant.

Die arinna AG setzt bei der Herstellung nur zertifizierte Materialien ein und gibt für jedes Modul eine Gewährleistung von zwei Jahren und bietet eine Solarversicherung bis zu fünf Jahren. Intelligentes Design kombiniert mit dem Einsatz erstklassiger Rohstoffe bietet dem Verbraucher einen Mehrwert, der sich in den Leistungsmerkmalen Optik und Zuverlässigkeit ausdrückt.

Die Module haben eine höhere Ertragssituation durch strukturiertes eisenarmes Sicherheitsglas. Der Einsatz von 4 mm starkem Glas und ein stabiler Aluminiumrahmen mit großem Glaseinstand ermöglichen die Auslegung für höchste Belastungen. Dadurch ist das Modul hervorragend für Einschubsysteme geeignet.

Die Rahmenkonstruktion bietet neben der Abrutschsicherung und Entwässerung auch eine sogenannte Potentialausgleichsbohrung. Die hohe Lebensdauer der Systeme basiert auf der Verwitterungsbeständigkeit durch die Kapselung der Zellen mit Glas, EVA, Tedlar® und eloxiertem, korrosionsbeständigen Aluminiumrahmen.

GTE: Woher rührt Ihr Interesse am türkischen Markt – welche Chancen sehen Sie in der Zukunft hier für den Bereich der regenerativen Energien?

Korhan Erdön: In diesem Land gibt es erhebliches Potential für Solarenergie als Wirtschaftsfaktor. Die Türkei hat schon jetzt durch den Einsatz von Wasserkraft und Solarthermie einen hohen Anteil Erneuerbarer Energien im Energiemix. Die Nutzung von Windenergie wird stark ausgebaut.

Gerade in der aktuellen Lage ist Energie ein knappes Gut: Der durch das türkische Wirtschaftswachstum bedingte, dort herrschende Energiehunger muss alle zur Verfügung stehenden Technologien nutzen, die Photovoltaik nimmt hierbei eine wesentliche Rolle ein. Mit der PV-Technologie kann die Chance genutzt werden, ohne staatliche Förderung einen zukunftssicheren, nachhaltigen Markt für die arinna AG aufzubauen.

Die große Akzeptanz und das große Interesse nicht nur seitens der Wirtschaft sondern auch gesamtgesellschaftlich konnten wir auf der Messe „Uluslararasi Günes Enerjisi 2009 Fuari“ Ende Februar feststellen. Die Gespräche, die wir dort führten, bis hin zur türkischen Regierungsebene, haben uns dies sehr deutlich gemacht.

Der Andrang interessierter Investoren und der Endverbraucher war umwerfend. Wir haben mehrere Interessenten getroffen, die sich über den Aufbau von Produktionsmöglichkeiten vom Wafer bis zum Modul informiert haben. Es fiel auf, dass bereits mehrere Unternehmen mit der Projektierung von Klein- und Großkraftwerken begonnen haben und sehr motiviert auf die neue Gesetzgebung zur Förderung der PV-Energie warten.

Unseren Beobachtungen nach wird sich ab dem Erlass des nun seit geraumer Zeit mit Spannung erwarteten Gesetzes ein neuer Industriezweig in der Türkei bilden. Er wird sehr vielen Menschen neue Arbeitsplätze und vielen Unternehmen neue Möglichkeiten schaffen. Gerade jetzt in schwierigen Zeiten der türkischen Industrie, besonders für die Textil- und Automobilindustrie, könnte die PV ein Rettungsanker für neue Konjunktur und wirtschaftlichen Aufschwung sein und gleichzeitig zur Lösung des Energieproblems beitragen.

Mein persönliches Engagement wird dadurch verstärkt, einen Beitrag für neue Technologien leisten zu können in einem Land, dem man durch die eigene Biographie besonders verbunden ist.

GTE: Sie haben den Schritt in Richtung Türkei konkret gemacht durch die Neugründung einer Niederlassung in Istanbul .Welche Aufgaben hat Ihre dortige Niederlassung?

Korhan Erdön: Seit Anfang 2009 ist Bülent Dagdelen unser Repräsentant in Istanbul, einer der erfahrensten Fachleute und Marktkenner der Branche, mit dem ich in den Aufbauzeiten der türkischen Solarproduktion eng zusammengearbeitet habe. Als Produktionsleiter einer von mir aufgebauten und geleiteten Fabrik für Solarmodule in Istanbul hat er mich entscheidend unterstützt und die entsprechende Kompetenz aufgebaut. Herr Dagdelen wird den Schwerpunkt unserer Istanbuler Aktivitäten auf Marktanalysen, die Steuerung einzelner Projekte sowie Kontaktaufbau und -Pflege zu den potentiellen Abnehmern in der Türkei und ihren Nachbarländern legen.

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GTE: Sehen Sie Auswirkungen auf Ihr Geschäftsfeld vor dem Hintergrund der internationalen Wirtschaftskrise?

Korhan Erdön: Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind nicht so groß, wie manche Gesetzesänderungen zur Fördersituation in einzelnen Ländern. Und das weltweite Energieminus muss einfach gedeckt werden – Wirtschaftskrise hin oder her. PV-Projekte werden auch jetzt von den Banken finanziert, schließlich kommt es wie in vielen Bereichen zu einer gewissen Marktbereinigung, aus der die Branche aber gestärkt hervorgehen wird. So ist beispielsweise in Spanien die Quantität der Modul- und Komponentenverkäufe gesunken, die Qualität der Abschlüsse aber gestiegen.

Korhan Erdön ist Vorstandsvorsitzender der arinna AG und leitete die Modulfabrik Akktec S.A. in Istanbul. 2004 wurde er Mitbegründer der asunim Espagna SL/Madrid und Asunim Lda Portugal/Faro, 2007 Gründungsmitglied der Projekt Consult RCG GmbH, Berlin und Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender der arinna AG, Berlin.

Neben ihm ist Bernd Walther Mitglied des Vorstandes, der bis 2007 Vertriebsgebietsleiter für Photovoltaikanlagen und PV-Module der SOLON AG, Berlin, war. Im gleichen Jahr gründete er zwei Vertriebsgesellschaften in Deutschland und Spanien und wurde Gründungsmitglied der Projekt Consult RCG GmbH, Berlin sowie Gründungsmitglied und Vorstand der arinna AG, Berlin.

(Redaktion)


 


 

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