26.12.2009  09:04 Uhr

Marktübersicht
Wirtschaftstrends Türkei 2009 / 2010

GTE Deutschland. Die Finanzkrise hat die Türkei in verschiedenen Bereichen hart getroffen, teilweise härter als andere Länder. Dennoch zeichnet sich für das kommende Jahr eine leichte Besserung ab, was auch Deutschen Unternehmen zugute kommen kann. Lesen Sie in den umfangreichen "Wirtschaftstrends Türkei 2009 / 2010", welche Branchen zu den Gewinnern gehören könnten.

Die Wirtschaft der Türkei steht zu Beginn des Jahres 2010 vor einer graduellen Erholung. Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um rund 6% gehört das Land 2009 zu den am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffenen.

Mehrere Indikatoren weisen jedoch in der zweiten Jahreshälfte auf eine Wende zum Besseren hin. Produktionsauslastung und Außenhandelsvolumen steigen langsam wieder an. Eine deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit und das gewachsene Haushaltsdefizit belasten allerdings den beginnenden Aufschwung.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Mit den Worten, die Krise berühre die Türkei nur tangential, verließ sich die türkische Regierung im Herbst 2008 zunächst auf die Stabilität des in den Jahren nach dem Einbruch 2001 erfolgreich konsolidierten Bankensektors. Zwar war das mit Blick auf den Finanzsektor berechtigt, die Auswirkungen des nahezu weltweiten Nachfragerückgangs auf die mittlerweile stark exportorientierte Realwirtschaft der Türkei waren jedoch durchgreifend.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Produktionseinbußen von 20 bis 50% gegenüber dem Vorjahr in einigen Branchen haben die Wertschöpfung im 1. Halbjahr 2009 erheblich zurückgehen lassen. Die ersten beiden Quartale markieren mit einem realen Sinken des BIP von 14,3% und 7,0% den Tiefpunkt der Krise. Erst für das letzte Vierteljahr wird wieder eine positive Entwicklung erwartet. Das Gesamtjahr dürfte im Ergebnis mit einer Kontraktion um rund 6% schließen. Die Türkei gehört damit zu den am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffenen Ländern.

Während sich jedoch die Vorhersagen für 2009 im Jahresverlauf zunehmend eingetrübt haben, weisen die Prognosen für 2010 eine gegenläufige Entwicklung auf. In relativer Übereinstimmung erwarten sowohl die türkische Regierung als auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und verschiedene Analysten großer Banken ein Wachstum des BIP um etwa 3,5%. Damit würde die Konjunktur in der Türkei sich nach einem im Vergleich tieferen Einbruch im Gegenzug auch wieder etwas rascher erholen. Ob in den kommenden Jahren allerdings die Rückkehr auf den Trend der Jahre 2002 bis 2007 gelingt, in denen die Wirtschaftsleistung jährlich im Durchschnitt um 6,8% zugenommen hatte, ist weniger sicher. Die mittelfristige Planung der Regierung hofft für 2012 auf 5%, der IWF sieht eher ein Verharren auf dem Niveau von 2010 und prognostiziert auch für 2014 nur 3,5%.
Die Grafik wird im nachfolgenden Text erläutert.

Wichtiger Antrieb sind im Wachstumsszenario der Regierungsplanung die Investitionen. Hier erhofft man sich nach zweistelligem Rückgang 2009 eine rasche Erholung mit jährlichen Zuwächsen von 7,5% (2010), 6,8% (2011) und 10,2% (2012), während beim Konsum verhaltenere Steigerungsraten von 2,5 bis 4,4% prognostiziert werden. Eine wachsende Bedeutung soll dabei den Investitionen des Privatsektors zukommen. In den Krisenjahren 2008 und 2009 haben die öffentlichen Investitionen die Zurückhaltung privater Akteure zu einem Teil kompensieren können.

Ab 2011 sollen die Ausgaben für staatliche Projekte jedoch heruntergefahren werden, um das 2009 auf voraussichtlich 6,6% des BIP gestiegene Haushaltsdefizit (2008: -1,8%) wieder abbauen zu können. Entsprechend große Hoffnungen werden in die Privatunternehmen gesetzt. Als weitere Unsicherheit in diesem Zusammenhang sind Privatisierungsgewinne von circa 10 Mrd. Türkischen Lira (TL, rund 4,6 Mrd. Euro) zu sehen, die für die Jahre 2010 und 2011 jeweils in die Haushaltsplanung aufgenommen wurden. Nach bisherigen Erfahrungen kann es bei Privatisierungen durchaus zu Verzögerungen kommen.

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Quelle: GTaI


 

(Marcus Knupp)

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