Chemieindustrie
Chemische Industrie in der Türkei mit Nullwachstum
GTE Deutschland. Unter der anhaltenden Finanzkrise und Einbrüchen beim Konsum leidet auch die Chemische Industrie in der Türkei. Klassische Exportländer im EU-Raum brechen weg, an deren Stelle treten neue Kunden im Nahen und Mittleren Osten, was zumindest für einen stabilen Ausstoß von Farben und Lacken sorgt.
Dr. Marcus Knupp, Germany Trade and Invest
Dr. Marcus Knupp ist verantwortlicher Auslandskorrespondent der Germany Trade and Invest GmbH und Leiter des Auslandsbüros Istanbul.
Als solcher recherchiert Herr Dr. Knupp im Auftrag der Bundesagentur für Außenwirtschaft. Mit seinen Publikationen und Artikeln informiert er den Leser über wichtige Wirtschafts- und Branchenfragen, und liefert so ein Gesamtbild der türkischen Wirtschaft.
Die chemische Industrie in der Türkei ist im 1. Halbjahr 2009 um etwa 5% geschrumpft. Die staatlichen Konjunkturpakete und das sinkende Zinsniveau geben positive Impulse in die Abnehmerindustrien aus. Die Nachfrage bei langlebigen Konsumgütern zog im Jahresverlauf bereits an. Die Branche rechnet daher im Gesamtjahr mit einem Nullwachstum. Nach stark rückläufigen Exporten in die Europäische Union nutzen die Unternehmen nun die geografische Lage, um sich in neuen Absatzgebieten im Nahen und Mittleren Osten zu engagieren.
Die chemische Industrie der Türkei ist im ersten Halbjahr 2009 um etwa 5% geschrumpft. Dabei haben sich die lahmende Baukonjunktur und der starke Produktionsrückgang in der Textil- und der Automobilindustrie besonders ausgewirkt.
Durch die im Frühjahr umgesetzten Konjunkturförderpakete hat sich der Absatz langlebiger Konsumgüter wie Autos oder Elektrogeräte etwas erholt, und das sinkende Zinsniveau gibt der Bauwirtschaft Anlass zur Hoffnung. Der Vorsitzende des Türkischen Verbandes der Chemieindustrie (Türkiye Kimya Sanayicileri Dernegi, TKSD), Timur Erk, geht aufgrund dieser Erholungszeichen für die Chemiebranche von einem "Nullwachstum" im Gesamtjahr 2009 aus (2008: +2,5%).
Ein Vergleich der Indizes der Umsätze und Bestellungen, die vom Türkischen Statistikamt TÜIK ermittelt werden, zeigt, dass die chemische Industrie in einer besseren Verfassung ist als das produzierende Gewerbe in der Türkei insgesamt.
Während die nominalen Umsätze generell im Durchschnitt der ersten neun Monate 2009 um 12,7% gegenüber 2008 zurückgingen, waren die Hersteller von chemischen Erzeugnissen nur von einem Minus von 3,1% betroffen. Etwas schlechter schnitt in diesem Zeitraum der Teilsektor der Kunststoffindustrie ab, dessen Umsätze dem Index zufolge um durchschnittlich 8,8% niedriger lagen als im Vorjahr.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Indizes des Bestellungseingangs. Einem durchschnittlichen Rückgang im produzierenden Gewerbe insgesamt von 16,4% steht in der Chemieindustrie in den Monaten Januar bis September 2009 eine Verringerung um 4,2% gegenüber.
Vor dem Beginn der Wirtschaftskrise im Herbst 2008 gingen etwa 65% der türkischen Ausfuhren chemischer Erzeugnisse in die Länder der Europäischen Union. Auf diesen Märkten wie auch in Osteuropa waren im 1. Halbjahr 2009 zum Teil erhebliche Einschnitte zu verzeichnen. So gingen die Chemieexporte nach Italien um 77%, jene nach Russland um 46% zurück.
An die Stelle der europäischen Abnehmer treten einige neue Absatzgebiete, insbesondere Länder der Region Naher und Mittlerer Osten wie Irak, Ägypten, Libyen oder Libanon, die jedoch in der Größenordnung nicht an die traditionellen Exportmärkte heranreichen. Zu erwarten ist deshalb 2009 eine Abnahme der türkischen Chemieausfuhren um rund 30% auf etwa 10 Mrd. US$.
Viele weitere Informationen zur Entwicklung der türkischen Chemieindustrie sowie weitere interessante Statistiken und Auswertungen finden Sie auf der Seite unseres Partners GTaI.
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Quelle: GTaI
(Marcus Knupp)
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