20.10.2009  17:20 Uhr

Wirtschaftsentwicklung
Türkische Regierung erwartet Aufschwung ab 2010

GTE Deutschland. Die Finanzkrise ist auch nicht an der Türkei spurlos vorbei gegangen. Die Türkische Regierung rechnet zwar ab 2010 mit einem Aufschwung, Budgetdefizit und Arbeitslosigkeit bleiben jedoch hoch. Ein neues Abkommen mit dem IWF könnte helfen, eine Einigung darüber ist aber noch nicht absehbar.

Die türkische Regierung hat am 16.9.09 ihre lang erwartete mittelfristige Planung vorgelegt. Demnach wird es bereits 2010 wieder ein deutliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,5% geben. Eine wichtige Rolle kommt in diesem Szenario dem Konsum und den Investitionen des Privatsektors zu, da der Spielraum im Staatshaushalt durch Konjunkturprogramme während der Krise und Einnahmeausfälle weitgehend erschöpft ist. Ein neues Abkommen mit dem IWF könnte die Lage entspannen, eine Einigung steht aber noch aus.

Wichtige Kennziffern der Mittelfristigen Planung *)
Messgröße2009201020112012
BIP-6,03,54,05,0
Konsum-2,32,53,34,4
Investitionen-17,97,56,810,2
Export (Mrd. US$)98,5107,5118,0130,0
Import (Mrd. US$)134,0153,0168,0187,0
Haushaltsdefizit (% des BIP)-6,6-4,9-4,0-3,2
Inflationsrate (%)5,95,34,94,8
Arbeitslosenquote (%)14,814,614,213,3

*) Reale Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent, wenn nicht anders angegeben.

In ihrer mittelfristigen Planung entwirft die türkische Regierung das Bild einer erneuten Wachstumsphase ab 2010, bleibt aber bei den prognostizierten Zuwachsraten für das BIP in den Folgejahren vorsichtig. Die gegenüber der letzten offiziellen Schätzung aus dem Frühjahr (-3,6%) mit einem Minus von 6,0% erheblich nach unten korrigierte Schätzung der Wirtschaftsentwicklung 2009 wird von Beobachtern auch als Signal gewertet, dass Ankara davon ausgeht, das Jahr ohne ein neues Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beenden.

Dieser äußerte sich angesichts des gedämpften Realismus der Prognosen der staatlichen Plankommission und der erklärten Ziele zum Abschmelzen des Haushaltsdefizits positiv zu dem vorgelegten Plan. Zu Jahresbeginn 2009 war Ankara von einem Budgetdefizit von 10,4 Mrd. Türkische Lira (TL, circa 4,8 Mrd. Euro) ausgegangen, die Plankommission erwartet nun eine Lücke von 62,8 Mrd. TL (circa 29,2 Mrd. Euro). Bis 2012 will die türkische Regierung das Haushaltsdefitzit von 2009 (circa 6,6% des BIP) wieder auf -3,2% verringern. Das läge zwar immer noch über dem Wert der Maastricht-Kriterien, aber diesen Standard können ja auch etliche EU-Staaten derzeit nicht einhalten.

Mehr zu der Entwicklung der türkischen Wirtschafts, Prognosensowie weitere interessante Statistiken und Auswertungen finden Sie auf der Seite der GTaI.

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Quelle: GTaI


 

(Marcus Knupp)

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