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21. Forum Lokaljournalismus

Zwischen Qualität und Rendite – vom Wert des Journalismus

Am 16./17. Mai 2013 diskutierten in Hamburg Experten aus Journalismus, Wissenschaft und Politik mit rund 180 Chefredakteuren und leitenden Redakteuren deutscher, österreichischer und Schweizer Lokal- und Regionalzeitungen über lokaljournalistische Trends und Zukunftsthemen. Veranstalter war die Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Hamburger Abendblatt.

Lokaljournalismus boomt: Noch nie hatten die Redaktionen eine größere Reichweite als heute – auf allen Kanälen. Auch genießen die Lokal- und Regionalblätter nach wie vor das größte Vertrauen der Menschen. Gleichzeitig erschüttern Restrukturierungen, Entlassungen und Schließungen ganzer Redaktionen die Branche. Gründe sind sinkende Anzeigenerlöse, schrumpfende Abonnentenzahlen und die Konzentration des Marktes. Das Fundament qualitativ guter Lokalberichterstattung bröckelt.

Die Umwälzungen in den Medien sind ebenso radikal wie das sich generell verändernde Medienverhalten der Gesellschaft, auf das sich Zeitungen einstellen müssen. Auf der Agenda des Gipfels standen daher Themen wie erfolgversprechende Finanzierungsmodelle für Internet-Angebote, hyperlokale Entwicklungen – zum Beispiel stadtteilbezogene Online-Portale – und die Frage, was für die Ausbildung und Förderung journalistischen Nachwuchses nötig ist.

In zwanzig Jahren könnte es keine Journalisten mehr geben

Die aktuellen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven in der Branche sind vielschichtig. So gehen einige Experten davon aus, dass Lokalzeitungen weiter an Bedeutung gewinnen und sich in fünf bis zehn Jahren von überregionalen Themen verabschieden werden. Gleichzeitig werde die Heftigkeit der Veränderungen in der Gesellschaft unterschätzt, die „kulturelle Revolution der Digitalisierung“ sei vergleichbar mit dem Buchdruck und der Erfindung der Dampfmaschine, so Thorsten Schilling, Fachbereichsleiter Multimedia der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Das könne, gemäß Schilling, einerseits zur Folge haben, dass journalistische Kompetenz wieder höher geschätzt werde. Auf der anderen Seite gebe es einen Graben zwischen Print und Online. Die einen blieben auf der Strecke, weil sie es nicht schaffen, diesen Graben zu überwinden. Andere würden es gerade eben schaffen, könnten aber nicht davon leben. Insgesamt steige jedoch in vielen Redaktionen die Zuversicht – und je experimentierfreudiger im digitalen Bereich, desto besser laufe es.Hochrechnungen zufolge könnte es in zwanzig Jahren keine Journalisten mehr geben.

Berufsanwärter werden zunehmen kritischer. Auch investierten immer weniger Verlage in Nachwuchsförderung, weil die Ausbildung zu teuer ist. Hier seien Alternativen und Innovationen gefragt: Um dem entgegenzuwirken sei es notwendig, so Schillings Anregung, den Beruf des Lokaljournalisten so attraktiv zu gestalten, dass der Nachwuchs nicht abwandere. Darüber hinaus müsse es eine finanzielle Entwicklung und möglicherweise neue Unternehmens- oder Eigentumsmodelle wie beispielweise Genossenschaften geben. Das Funktionieren journalistischer Angebote liege aber auch in den Händen der Gesellschaft. So brauche es eine Atmosphäre, in der Journalismus Wertschätzung erfahre und Bezahlschranken akzeptiert würden. Das liege in der Verantwortung der Leser.

Du sollst Deine eigenen Produkte nicht schlecht reden!

Der Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, Giovanni di Lorenzo, mahnte die Branche, Printprodukte in Krisenzeiten nicht schlecht zu reden. Es sei „erstaunlich, wie sich unsere Branche seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit darstellt. Das Gerede vom Untergang ist einfach falsch.“ Di Lorenzo forderte die Zeitungsmacher auf, „für Qualitätsjournalismus zu kämpfen und auch mal etwas auszuprobieren, statt aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen. Viele Leser identifizieren sich nach wie vor mit ihrem Blatt.“ Eine Stärke von Print sei, den öffentlichen Diskurs zu organisieren, sagte die Lorenzo. Er warnte vor einem „Hang zum Gleichklang“ besonders in der politischen Berichterstattung.

„Journalismus ist Dienst an der Demokratie“

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz betonte die wichtige Aufgabe des Lokaljournalismus. Er sorge dafür, dass Politik und Engagement nicht bloß etwas für die abstrakten und vermeintlich großen Themen sind, sondern sich auch alltäglich in der Stadt, in der Gemeinde und im Landkreis wiederfinden. Qualitätsvoller Journalismus müsse Orientierung bieten, die in der Unübersichtlichkeit moderner Gesellschaften und für eine plurale Gesellschaft dringend nötig sei.


 


 

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