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Fondskongress in Trier: Anlagestrategien in unsicheren Zeiten

Der erste Fondskongress in Trier zeigte am 4. September 2015 Möglichkeiten auf, Aktien- und Rentenportfolios krisenresistenter zu machen.

Das Jo-Jo-Spiel an den Börsen geht weiter Erst brachte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Draghi am 3. September 2015 mit der Andeutung verstärkter Anleihenkäufe die europäischen Aktienmärkte in Schwung, dann ließen die relativ guten Arbeitsmarktdaten in den USA befürchten, dass es am 16. September zu einer Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank Fed kommen könnte. Zudem macht weiterhin China Sorge, was aber kein Schwerpunkthema des G20-Gipfels in Ankara war.

Der deutschen Aktienindex Dax gab am 4. September um 2,15 Prozent auf 10.022 Indexpunkte nach, nachdem EZB-Chef Mario Draghi am Vortag noch ein Kursfeuerwerk auslöste, das sich aber als Strohfeuer entpuppte. Auch der amerikanische Aktienindex Dow Jones Industrial Index (DJI) fiel heftig am Freitag um 1,66 Prozent auf 16.102 Indexpunkte aufgrund der guten Arbeitsmarktdaten aus Nord-Amerika. Die relativ guten Arbeitsmarktdaten lassen nun eine Zinserhöhung am 16. September doch wahrscheinlich werden, was die Anleger nervös machte. Der Beschäftigungsaufbau von 220.000 Beschäftigten im August lag zwar im Rahmen der Erwartung wie auch die Senkung auf die Arbeitslosenquote von nur noch 5,1 Prozent (Vormonat 5,2 Prozent). Zusätzlich wurden aber die letzten Beschäftigtenzahlen Schätzungen nach oben revidiert.

Damit ist das wichtigste Kriterium für eine Zinserhöhung der Fed am 16. September erfüllt. Einige Crash-Gurus wie der umstrittene amerikanische Investmentstratege Martin Armstrong sehen eine Zinswende in den USA auch als einen der Auslöser an, der einen globalen Crash in den nächsten Wochen oder Monaten einleiten wird. Gold konnte am 4. September wieder einmal von den Unsicherheiten nicht profitieren und tendierte bei 1.122 US-Dollar-Feinunze nur seitwärts.

G 20 sieht keine Gefahr – IWF warnt vor schweren Zeiten

Jetzt sind also wieder die 10.000er-Marke beim Dax und die 16.000er-Marke beim DJI die hart umkämpften Marken, die „verteidigt“ werden müssen, da sonst eine weitere Kurswelle nach unten droht. Beim G-20-Gipfel in Ankara wurden auch islamische Finanzierungsmodelle bei der Finanzierung von Investitionen für die Infrastruktur diskutiert, was überrascht. Dabei ging es etwa um die Mobilisierung von mehr privatem Kapital für kleine und mittelständische Betriebe aus dem islamischen Raum. Die Gefahr eines Konjunktureinbruchs wegen der Konjunkturverlangsamung in China wurde nicht gesehen. Hier hat der G-20-Gipfel eine große Chance verpasst, in einer sehr brisanten Situation Leitlinien für ein globales, harmonisch abgestimmtes Krisenmanagement zu sorgen, das in Zukunft notwendig sein wird. Dagegen warnte der Internationale Währungsfonds IWF – wie immer – vor schweren Zeiten, die bevorstehen.

Erster Fondskongress in Trier gibt neue Impulse

Beim ersten Fondskongress in Trier, zu dem die Teilnehmer überwiegend aus dem benachbarten Luxemburg kamen, wurde am 4. September durch die Vorträge sehr erfolgreicher und erfahrener Fondsmanager aufgezeigt, dass es auch in dieser von hoher Unsicherheit geprägten Zeit Möglichkeiten gibt, weit überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen.

Zunächst machte auf dem Fondskongress Felix Schnella von Ökoworld LUX SA Asset Management die Potenziale deutlich, die Emerging Marktes insbesondere im Bereich nachhaltiger Geldanlagen noch haben. Anschließend erklärte Kurt Hardt von der Sparkasse Biberbach, wie er trotz aller Krisen seit 2001 eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,1 Prozent mit einem deutschen Aktienfonds erreichen konnte. Nach dem Lehman-Brothers-Crash im Jahr 2008, wo auch der von ihm in Kooperation mit Michael Münch gemanagte „Universal-Sharekonzept BC I-Fonds“ im Kurs stark litt, wurden zusätzlich auch Absicherungsinstrumente über Put-Optionen auf den Dax eingeführt. Zudem werden zu den deutschen Small und Mid Caps seit 2008 auch deutsche Blue Chips hinzu gemischt, wo der Fondsmanager auch jederzeit in Krisensituationen wieder raus kann.

Martin Siegel, bekannter Publizist im Rohstoffsektor und Fondsmanager des „Stabilitas Pacific Golds & Metals Fonds“, sieht nach der langen Talfahrt des Goldpreises, den er zudem für manipuliert hält, und damit verbunden auch nach der Talfahrt der Goldaktien gerade jetzt sehr gute Einstiegschancen in dem Gold-Sektor. Siebel machte aber auch deutlich, dass die enorme Verschuldung in Kombination mit dem fortgesetzten Gelddrucken der Notenbanken das kapitalistische System aus dem Gleichgewicht gebracht hat, was noch Folgen haben wird.

Der Kongressinitiator Dirk Stöwer, Geschäftsführer des Kontor Stöwer Asset Management GmbH aus Trier, stellte den „KSAM Einkommen Aktiv Fonds“ vor, der als Mischfonds im Total-Return-Ansatz eine Rendite von 4 bis 5 Prozent auch in Krisenzeiten erwirtschaften soll. Als gleichzeitiger Fondmanager des „Nestor Europa Fonds“, der im Kongress nicht vorgestellt wurde, konnte Stöwer immerhin auch nach den starken Korrekturen der Vergangenheit eine Performance von 12 Prozent in 2015 für die Anleger erwirtschaften. Chapeau!

Im Anleihenmarkt sind sehr versierte Spezialisten gefragt

Dr. Tobias Spies, Leiter Fixed Income bei der renommierten Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen stellte mit dem „Arbor Invest-Spezial Renten P Fonds“ einen Rentenspezialfonds vor, der Fehlbewertungen auf den Rentennebenmärkten nutzen will. Spies machte dabei aber auch klar, dass es auf den Rentenmärkten infolge der Nullzinspolitik der Notenbanken immer schwieriger wird, die Renditen der Vorjahre zu erzielen. Der Rentenanleger muss jetzt schon ausweichen in Hochzinsanleihen und nachrangige Anleihen, womit gleichzeitig höhere Risiken einhergehen. Das Renditeziel des Fonds ist auch in diesen schwierigen Zeiten 5 Prozent im Jahr, was sicherlich eine Herausforderungen darstellen wird. Wer höhere Renditen erzielen will, muss jetzt auch höhere Liquiditätsrisiken in Kauf nehmen.

Rainer Ottemann von Concord Investment Solutions GmbH aus Frankfurt am Main machte bei der Vorstellung des noch sehr jungfräulichen „Concord Low EVaR Global Aktienfonds“ deutlich, wie wichtig es ist, große Drawdowns, also Kurseinbrüche im Depot nach Aktien-Crashs, zu vermeiden bzw. dieses Risiko auch unter anderem durch Liquiditätshaltung zu verringern. Der Fonds hat im Moment eine Cashquote von 48 Prozent, ist also sehr risikoavers aufgestellt.

Zum Schluss machte Andreas Männicke, Geschäftsführer der ESI East Stock Informationsdienste GmbH und Herausgeber des Börsenbriefs „East Stock Trends“, auf die geopolitischen Risiken beim Ukraine-Russland-Konflikt aufmerksam, die im erneuten Kriegsfall auch die Börsen wieder belasten könnten. Dabei wurde aber auch diskutiert, ob es – ganz unabhängig davon – nach dem Crash am 24. August in den nächsten Monaten ein weiterer Crash oder gar eine zerstörerische Monsterwelle drohen könnte. Männicke sieht die nächsten Wochen nicht nur wegen der drohenden Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank Fed am 16. September als sehr kritisch an und rät hier auch zu einer höheren Liquiditätshaltung.

Männicke verdeutlichte, dass insbesondere nach Beendigung der Sanktionen wieder große Chancen am unterbewerten russischen Aktienmarkt vorhanden sind. Das Muster-Depot der russischen Devisengewinner bzw. Gewinner der Rubelabwertung im „East Stock Trends“ konnte bisher immer eine Performance von mehr als 40 Prozent in diesem Jahr erzielen, was seinesgleichen sucht. So gab es einige russische Unternehmen, die von der Rubelabwertung strak profitierten wie die russischen Düngemittelproduzenten. Männicke betonte auch, dass Krisen immer wieder neue Chancen innewohnen.

Fazit: Das Timing des Fondskongresses in Trier hätte nicht besser sein können. Auf der Agenda standen viele brisante Themen, aber auch intelligente Lösungen, in schwierigen Börsenphasen auf Kurs zu bleiben. Die gut besuchte und sehr informative Veranstaltung in Trier zeigte, dass es viele Möglichkeiten gibt, sein Portfolio krisenresistenter zu machen, was aufgrund der starken Kursschwankungen das Gebot der Stunde für alle Vermögensverwalter zu sein scheint.

(Redaktion)


 


 

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