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Frühlingsgrüße aus Moskau: Börsen-Top-Performer und stärkste Währung der Welt

Beim ersten Antrittsbesuch des griechischen Premiers Tsipras beim russischen Präsidenten Putin gab es zwar erste Annäherungsversuche, aber es erfolgten beidseitig keine Spaltungsversuche zur EU. Die Moskauer Börse avancierte bis zum 14. April 2015 zu einem Top-Performer der Welt, wobei dabei die hohen Währungsgewinne für westliche Anleger eine wichtige Rolle spielten. Denn der Rubel ist gegenwärtig die stärkste Währung der Welt, was viele „Währungsexperten“ überraschte, da die Inflationsrate in Russland auf 16 Prozent anstieg.

Der Antrittsbesuch des griechischen Premierministers Alexis Tsipras beim russischen Präsidenten Wladimir Putin wurde von den EU-Vertretern argwöhnisch und skeptisch betrachtet. Tsipras bezeichnete die griechisch-russische Zusammenarbeit als „Frühlingsanfang“. Die Gespräche zwischen Tsipras führten aber zu keiner Spaltung zur EU. Es wurden nur Möglichkeiten der Lockerung der Agrarsanktionen sowie Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Energiesektor und bei zukünftigen Privatsierungen in Russland besprochen, wo Russland als Kreditgeber willkommen ist.

Steht Griechenland ohne Russlandhilfe von dem „Grexit“?

Griechenland überwies vergangene Woche wie angekündigt pünktlich eine Kreditrückzahlung an den Internationalen Währungsfonds IWF im Volumen von 460 Millionen USD-Dollar, wenn auch nicht ganz klar ist, woher die Gelder gekommen sind. Wichtiger werden aber die nächsten großen Rückzahlungsbeträge im April und Mai werden, wobei einige schon mit einem „Grexit“ rechnen, da Griechenland nicht in der Lage sein wird, weitere Gelder aufzutreiben – auch von Russland nicht, wie vielleicht insgeheim von Tsipras erhofft. Auch die geplanten Privatsierungen, woran Russland in Zukunft beteiligt sein soll, kommen noch nicht so recht voran.

Quo vadis Ukraine?

Gegenwärtig tagen die Außenminister der G 7 in Lübeck – zuvor übrigens in Berlin mit russischer Beteiligung – und beraten, wie es in der Ukraine weitergehen soll und kann. Alle sind sich darüber einig, dass alles getan werden muss, dass die Vereinbarungen von Minsk II umgesetzt wird, dass also die schweren Waffen abgezogen werden und dass ein politischer Prozess in der Ost-Ukraine eingeleitet wird. Es gab bei den Diskussionen aber auch erhebliche Unterschiede bei den Auffassungen und Argumenten. Der Waffenstillstand ist noch sehr brüchig und die Situation in der Ost-Ukraine ist weiterhin sehr angespannt und unübersichtlich. Der politische Prozess kommt bisher nur sehr zögerlich in Gang, wenn überhaupt. Es bleibt die große Streitfrage, wie die Donbas-Region in Zukunft verfassungsmäßig gestaltet werden soll. Der Teufel steckt wie immer auch hier im Detail.

Die Alternative für Frieden ist Krieg

Die Alternative für Minsk II würde wieder Krieg in der Ost-Ukraine bedeuten, was das ohnehin gespannte Verhältnis Europas zu Russland weiter verschärfen könnte. Schon jetzt wird bei den bilateralen Beziehungen viel Porzellan zerschlagen. Zudem geben die gegenseitigen Manöver Anlass zu Besorgnis, dass aus einem regionalen Konflikt irgendwann ein überregionaler Konflikt oder gar Krieg, sprich Weltkrieg, werden könnte. Putin ist offensichtlich bereit, im Ernstfall Atomwaffen einzusetzen, auch wenn das bisher nur „Verbalattacken“ sind. Es ist jetzt die große Frage, ob die USA Waffen in die Ukraine schicken werden oder nicht, was den Konflikt verschärfen würde.

Börse setzt auf Minsk II: Rubel stärket Währung der Welt!

Dennoch scheint die Börse an einen Friedensprozess und damit auch an eine Beendigung der Sanktionen zu glauben, denn seit Minsk II sind sowohl der Rubel als auch die Moskauer Börse gemessen in Hartwährung kräftig angestiegen. So fielen der Euro zum Rubel seit Anfang Februar von 78 auf nunmehr 55 Euro/Rubel und der US-Dollar von 69 auf 52 US-Dollar/Rubel. Zu Jahresbeginn waren der Euro zum Rubel noch bei 70 und der US-Dollar zum Rubel noch bei 60. Durch den starken Anstieg gegenüber dem US-Dollar ist damit der Rubel in diesem Jahr die stärkste Währung der Welt.

Neben der Hoffnung, dass Minsk II gelingt und die Sanktionen gegen Russland allmählich durch einen Friedensprozess in der Ost-Ukraine abgebaut werden, trug auch der auf 59 US-Dollar gestiegene Brentölpreis bzw. der auf 54 US-Dollar gestiegene WTI-Ölpreis zum steigenden Rubel bei. Hinzukommen – und dies ist der wesentliche Faktor – sogenannte Short-Eindeckungen beim Rubel und die große Anzahl von Long-Kontrakten beim Rubel, also Spekulationen, die auf den Terminmärkten auf einen steigende Rubel setzten, was im Dezember 2014 noch der umgekehrte Fall war.

Moskauer Börse Top-Performer der Welt vor allem in Hartwährung

Durch den starken Rubel kam es zu sehr unterschiedlichen Bewertungen der russischen Aktien-Indices. So erreichte der auf Rubel basierende MICEX-Index den Höhepunkt Anfang Februar 2015 etwas über 1.800 Indexpunkte, was sogar ein neues 4-Jahres-Hoch bedeutete. Er lag Anfang Februar auch noch mit 28 Prozent im Plus. Er fiel seit Anfang Februar auf nunmehr 1.668 Indexpunkte, was nur noch ein Kursplus von 18,69 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet. Dagegen stieg der auf US-Dollar basierende „Russian Trading-Index“, kurz RTS-Index, bis zum 14. April auf 1.000 Indexpunkte (im Hoch 1.030 Indexpunkte), was ein Plus von 27 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet.

RDX-Index: plus 46 Prozent

Auch der RDX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse, wo Gazprom mit 20 Prozent und LUKoil mit 17 Prozent sehr hoch gewichtet sind, stieg in US-Dollar bis zum 14. April auf 1.202 Indexpunkte, was ein Kursplus von 27,6 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet, aber in Euro um 46 Prozent. Auf beide Indices gibt es sogenannte Index-Tracker, als Zertifikate, die den Index eins zu eins abbilden, sodass diese Outperformance auch der deutsche Anleger ausnutzen konnte. Damit avancierte die Moskauer Börse in Hartwährung von der 2014 am schlechtesten performenden Börse der Welt (mit minus 40 bis 50 Prozent) in diesem Jahr zur am besten performenden Börse der Welt, die sogar den DAX auf Euro-Basis klar outperformen konnte, denn der DAX stieg bisher „nur“ um 26 Prozent.

Starker US-Dollar sorgt für Währungsgewinne, aber auch für eine Deflation

Währungsschwankungen spielen nicht nur in Russland eine große Rolle, sondern auch international. So fiel der Euro nicht nur gegenüber dem US-Dollar auf das neue Jahrestief von 1,05 Euro/US-Dollar, sondern auch gegenüber dem chinesischen Yuan (CNY) bzw. Renmimbi von 8,5 auf 6,5 Euro/CNY und sogar zum sonst eher schwachen japanischen Yen (JPY) seit Dezember 2014 von 150 auf 126 Euro/JPY. So stieg auch der Nikkei-Index auf Eurobasis fast genauso stark wie der DAX. In diesem Jahr sind die Aktien aus China im Einjahresvergleich die Top-Performer der Welt mit einem Plus von über 60 Prozent, in Euro um so mehr. Aber selbst die bisher recht flauen amerikanischen Aktienmärkte haben sich für europäische Anleger durch den starken US-Dollar bisher gelohnt, ebenso die US-Anleihen. Mit russischen Anleihen auf US-Dollarbasis hätte man aber sogar einer Rendite von 10 Prozent und mehr erzielen können, während andere Schwelländer-Anleihen auf US-Basis nur ein mageres Plus von 2 Prozent erreichten. Durch den starken Dollar fallen aber auch die Rohstoffpreise und sorgen für eine Deflation.

Vom Abwertungswettlauf zum Währungskrieg

Einige Währungsexperten sprechen schon von einem Abwertungswettlauf, um die eigene Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und damit um manipulierte Märkte. Andere sprechen sogar von einem Währungskrieg. Es ist davon auszugehen, dass sowohl China als auch Japan durch die stark aufgewerteten Währungen relativ schwache Exportergebnisse melden werden, ebenso wie die USA, während Europa im Export hinzulegen dürfte. Auch russische Unternehmen profitieren von der Rubelabwertung im Dezember 2014, da sie ihre Produkte jetzt sehr viel billiger weltweit anbieten können.

TV-Hinweis: Am 17. April 2015 um 11.00 Uhr wird Andreas Männicke in NTV/Telebörse live über Russland befragt.

(Redaktion)


 


 

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