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Jo-Jo-Spiel an den Weltbörsen nach US-Arbeitsmarktdaten

Die Anleger reagierten am Freitag, 2. Oktober 2015 sehr nervös auf etwas enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten. Im Fokus steht die Frage, ob die US-Notenbank Fed die Zinsen schon im Oktober oder erst im Dezember erhöhen wird. Die dann eingeleitete Zinswende ist von großer Bedeutung für viele Unternehmen aus Schwellenländern wegen der hohen Schulden in US-Dollar. VW ist das Symbol einer globalen Vertrauenskrise. Auch die Charttechnik ist brisant. Zudem drohen geopolitische Spannungen mit Putin in Syrien und in der Ukraine.

US-Arbeitsmarkdaten sorgen für starke Kursbewegungen an der Wall Street

Am Freitag wirbelten die US-Arbeitsmarkdaten die Aktienmärkte einmal wieder ordentlich durcheinander. Gemeldet wurde die Schaffung von „nur“ 146.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft in den USA und für den August wurde die Zahl auf 136.000 korrigiert. Die Arbeitslosenquote blieb dabei bei 5,1 Prozent.

Daraufhin fiel der Dow Jones Industrial Index zunächst wie ein Stein von 16.350 auf 16.000 Indexpunkte, um sich hernach wieder auf ein Tageshoch von 16.470 Indexpunkten zu erholen. So etwas nennt man neudeutsch „Intraday-Reversal“ und ist in der Regel ein Zeichen für steigende Aktienkurse in den nächsten Tagen. Auch der Dax, der von ausländischen Anlegern dominiert wird, machte zeitgleich nach Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten das Jo-Jo-Spiel mit und fiel erst nach 14.30 Uhr von 9.460 auf 9.400 Indexpunkte, um sich dann wieder auf 9.700 Indexpunkte zu erholen.

Diese verrückten und schwer nachvollziehbaren Kurskapriolen gibt es sehr oft nach US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, wo die Aktienmärkte sehr hektisch und irrational reagieren. Hier spielen die „Flash boys“, also die Hochfrequenzhändler aus New York, Chicago und London eine große Rolle, die sekundenschnell Nachrichten auswerten und die Märkte durch Leerverkäufe in eine bestimmte Richtung „zwingen“, um hernach unvermittelt die andere Seite über die Terminmärkte zu „spielen“.

Der Goldpreis stieg am Freitag nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten um 2,2 Prozent auf 1.138 US-Dollar/Unze und der Silberpreis sogar um 4,86 Prozent auf 15,24 US-Dollar/Unze, was freilich immer noch nahe dem Fünfjahrestief ist. Auch andere Rohstoffe wie Kupfer konnten sich am Freitag um 1,4 Prozent auf 5.142 US-Dollar/Tonne erholen.

Alles hängt jetzt am seidenen Faden der Fed

Die heftigen Kursausschläge liegen darin begründet, dass die Notenbank-Chefin Janet Yellen bis Ende des Jahres eine Zinserhöhung ankündigte, wenn sich die Rahmendaten für die US-Wirtschaft bis Ende Dezember nicht nachhaltig verändern. Vor dem Hintergrund der China-Krise beließ sie überraschend die Zinsen bei der letzten Notenbanken-Sitzung im September auf dem gleichen Niveau wie zuvor, was die Aktienmärkte schon verunsicherte. Nun befürchten die Anleger eine Zinsanhebung der Fed im Oktober (ohne Pressekonferenz) oder im Dezember (mit Pressekonferenz). Nach dem ersten „Schock“ setzte sich am Freitag im Tagesverlauf die Meinung durch, dass es aufgrund der schwachen US-Arbeitsmarktdaten doch nicht zu einer Zinserhöhung der Fed im Oktober oder Dezember kommen könnte und daraufhin stiegen die Aktienkurse wieder stark an. Zudem erreichte der Dow Jones Industrial Index mit 16.000 Indexpunkten eine „kritische Marke“, die nicht nachhaltig unterschritten werden darf, da sonst ein Kurseinbruch an der Wall Street und dann im Gleichklang auch an den Weltbörsen droht. Das „Plunge Protection Team“ in den USA, das die Wall Street in schwierigen Marktphasen retten soll, hat dies wohl jetzt am Freitag – vorerst – verhindert.

VW-Krise noch nicht überwunden

In Deutschland rätseln die Anleger und Analysten, was nun an Schadenersatzklagen auf VW zukommen wird und hier gehen die Meinungen sehr weit auseinander von 10 Milliarden bis 40 Milliarden Euro. Je nachdem wie hier das Urteil bzw. die Vorverurteilungen ausfallen, gibt es Herab- oder Heraufstufungen bei der Kursprognose von VW, nachdem sich der Kurs schon seit dem hoch mehr als halbiert hat. VW steckt in jedem Fall in einer großen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise.

VW als Symbol einer globalen Vertrauenskrise

Dies könnte aber auch ein Symbol für Vertrauenskrise den globalen Finanzmärkten sein, die anscheinend nur am seidenen Faden der Fed-Entscheidungen hängen. Es wird auch in Zukunft zu irrationalen Kettenreaktionen kommen, die sogar zu einem Crash führen können, den der US-Investmentstratege Martin Armstrong für den Oktober bei Staatsanleihen erwartet. Zu beachten ist aber der Einbruch von Unternehmensanaleihen wie bei VW, Petrobras oder Glencore. Immer mehr Rohstoffunternehmen, auch US- Fracking -Unternehmen, kommen jetzt bei so niedrigen Rohstoffpreisen in Liquiditätsschwierigkeiten und müssen Unternehmensteile verkaufen.

Unternehmensanleihen von Rohstoffkonzernen geraten unter Druck

Eine Zinswende in den USA könnte viele Schwellenänder und viele Großunternehmen in Schwellenländern in ernsthafte Schwierigkeiten wegen der zu hohen Verschuldung in US-Dollar bringen. Ein Konkurs von einem Großunternehmen wie Petrobras oder Glencore wäre ein „black swan“ – ein unvorhersehbares, mächtiges Ereignis mit großer ökonomischer Auswirkung – für die Weltbörsen und die Weltwirtschaft, da dann die Spreads von vielen Unternehmensanleihen wieder in die Höhe springen, wie zuletzt auch bei VW.

Wichtige Ereignisse vor und nach der Zinswende

Neben der befürchteten Zinswende in den USA stehen demnächst wichtige Ereignisse an wie die Rekapitalisierung der griechischen Banken mit 25 Milliarden Euro, wie die Begrenzung der Flüchtlingswelle in Europa und damit das Kriegsgeschehen in Syrien jetzt auch mit russischen Luftangriffen, wie die Befriedung der Ost-Ukraine und Afghanistan durch die Rückkehr der Taliban.

Putin meldet sich zurück – mit umstrittenen Luftangriffen in Syrien

Der russische Präsident Putin hat sich – zumindest militärisch – zurückgemeldet, indem er anordnete, dass russische Bomber Stellungen von „Terroristen“ in Syrien angreifen. Bei einem muss man Putin bei seiner Rede in der UNO (Vereinten Nationen) Recht geben: der gewaltsame und völkerrechtswidrige Exportversuch von westlichen Demokratien in den arabischen Raum durch die USA ist fehlegschlagen. Ein Resultat ist die Flüchtlingswelle in Europa und der IS-Staat als größte Terrorgruppe der Welt. Dies ist nun schwer wieder rückgängigzumachen. Der arabische Raum bleibt ein Pulverfass. Auch die Taliban kehren nach Afghanistan zurück. Man spricht schon davon, dass auch die Bundeswehr wieder nach Kundus zurückkehren soll, da die afghanische Armee dort überfordert sei.

Neben IS-Kriegern sollen in Syrien durch russische Luftangriffe auch angeblich Stellungen von oppositionellen Rebellen getroffen worden sein, was zu Unfrieden und Unstimmigkeiten führte. Man darf jetzt gespannt sein, ob es Putin zumindest gelingt, freie Wahlen nach ukrainischem Recht in der Ukraine stattfinden zu lassen. Die Separatisten wollen Panzer abziehen. Ob dies geschieht und in welchem Umfang, muss abgewartet werden.

„Kalter Krieg“ führt zum Wegfall der Friedensdividende

Ich befürchte, dass es auch in der Ost-Ukraine später wieder Krieg geben wird, da es zu viele Kriegstreiber auf beiden Seiten gibt, dazu zählt auch der „rechte Mob“ in der Ukraine. Das größte Manöver der Nato aller Zeiten mit 36.000 Soldaten, wo auch 3.000 deutsche Soldaten mitmachen, findet gerade in Italien, Spanien und Portugal statt. Es soll dort sechs Wochen lang die „schnelle Einsatzgruppe“ gegen Russland trainiert werden. Man probt also schon mal den Weltkrieg gegen Russland in Südeuropa. Die Stellvertreter-Krieg in Syrien und Irak sowie in der Ost-Ukraine werden also weitergehen. Das gleiche gilt für den „kalten Krieg“ USA gegen Russland. Damit wird die Friedensdividende an den Weltbörsen wegfallen. Dennoch gibt es auch immer wieder gute Erholungschancen im Trading-Bereich, sogar an der Moskauer Börse .

(Redaktion)


 


 

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