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Party-Stimmung an den Börsen – schicksalhafte Monate in der EU

US-Präsident Trump sorgt für ein neues Allzeithoch an der Wall Street. Der Börsengang von Snap könnte ein Sinnbild „irrationaler Übertreibungen“ sein. Bitcoins entwickeln sich besser als Gold. Die Warschauer Börse boomt und Exotenbörsen auf dem Balkan outperformen. Von Andreas Männicke.

Donald Trump sorgte mit seiner „präsidialen“ Rede vor dem US-Kongress für Party-Stimmung an den Börsen. Der Dow Jones Industrial Index stieg erstmals über 21.000 Indexpunkte und der Dax überwand die „magische“ 12.000er-Marke. Die große Frage ist nun, ob Trump auch den hohen Erwartungen an der Börse gerecht werden kann. Wichtig dafür ist die von ihm angekündigte „historische“ Steuerreform, aber auch welche Maßnahmen er konkret im Handel vorhat, vor allem mit China.

Unabhängig davon steht Europa von einer Zerreißprobe. Im März wird Großbritannien den Brexit vollziehen. Es wird aber auch in den Niederlanden ein neues Parlament gewählt, wo der Rechtspopulist Geert Wilders ein Signal für die Spaltung Europas geben könnte. Dann folgt Ende April/Anfang Mai die noch bedeutsamere Präsidentschaftswahl in Frankreich, wo im Moment noch Marine Le Pen von dem Front National vorne liegt. Kommt es zur Spaltung der EU und zur Abwahl der etablierten, demokratischen Parteien?

Trump hält die Weltbörsen in Schwung

Trump überraschte bei seiner ersten Rede vor dem US-Kongress mit einem sehr moderaten und versöhnlichen Ton. Er bestärkte auch seine Visionen, Amerika wieder groß zu machen. Da viele Anleger so eine „positive“ Rede von ihm nicht erwarteten, gingen viele Anleger in den USA vor seiner Rede short, setzten also auf fallende Aktienkurse. Da sich Trump dann aber in einem ganz anderem Gewand zeigte, mussten die „Shorties“, die an den Terminmärkten auf fallende Kurse setzten, ihre Positionen eindecken, um nicht zu hohe Verluste zu erleiden. Dieses „Short-Squeeze“ bzw. „Short-Covering“ führte dann zu einem starken Kursanstieg am 1. März und einem neuen Allzeithoch beim Dow Jones Industrial Index (DJI) von erstmals über 21.000 Indexpunkten bzw. 2.400 Indexpunkten beim noch wichtigeren S&P-Index.

Die Frage ist, ob diese starken Kurssteigerungen auch gerechtfertigt sind, denn nun muss Trump auch bei der Steuerreform und konkreten Infrastrukturinvestitionen überzeugen. Dabei ist noch unklar, wie das alles finanziert werden soll. Die Ausweitung des Rüstungsetats um 54 Milliarden US-Dollar wird vor allem den Rüstungsunternehmen helfen. Die Boeing-Aktie war wegen Trump schon zuvor im Höhenflug.

Druck auf Trump – nebulöse Russland-Kontakte werden zum Politikum und Medienspektakel

Zudem muss abgewartet werden, welche konkrete Maßnahmen Trump im bilateralen Handel, insbesondere gegenüber China und der EU, ergreifen wird. Zudem wird Trump wohl weitere Auseinandersetzungen mit den etablierten Medien haben, vor allem hinsichtlich der Themen, welche konkreten Kontakte sein Wahlkampfteam im Vorfeld der Wahlen zu russischen Politikern und zum russischen Botschafter hatte und ob dort wohlmöglich über einen „Sanktionen-Deal“ gesprochen wurde. Die Medien und die Demokratische Partei erhoffen sich hier eine Art „Watergate“ für Trump. Der amtierende Justizminister Jeff Sessions geriet wegen seiner Kontakte als damaliger stellvertretender Wahlkampfleiter des Trump-Teams zum russischen Botschafter Sergei Kisljak während des Wahlkampfes schon in Misskredit. Nun wird sein Rücktritt gefordert, wobei Trump hinter ihm steht.

Umgekehrt macht Trump nun seinen Vorgänger Barack Obama dafür verantwortlich, dass er und sein Wahlkampfteam während des Wahlkampfes auf Anordnung Obamas telefonisch überwacht wurden. Trump spricht seinerseits von einem „Watergate“, was dann aber Obama treffen würde. Obama bestreitet diese Vorwürfe selbstverständlich auch.

Die Demokraten fordern jetzt sogar einen Untersuchungsausschuss, um Trumps Kontakte zum russischen Botschafter Sergei Kisljak während des Wahlkampfes zu überprüfen. Dafür soll auch das FBI eingeschaltet werden. Es geht angeblich um geheime Treffen mit hohen Geheimdienstmitarbeitern, Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin und mit Kisljak, von dem der amerikanischen Geheimdienst Kenntnis hat. Aber auch der britische Geheimdienst und die Zeitung „The Guardian“ recherchieren schon lange in diese Richtung.

Trump spricht von einer Hetzjagd der Medien und der Demokraten. Es war sicherlich ein großer Fehler von ihm, dass er Teile der amerikanischen Presse als „Feind des Volkes“ bezeichnet und selbst von sich glaubt, die Stimme des Volkes zu sein. Angeblich soll noch kein Präsident in den USA so verhasst sein wie Trump. Aber auch das stimmt nicht ganz, hat er doch noch 44 Prozent der Stimmen hinter sich, die seine gegenwärtige Politik gutheißen. Es gibt auch Demonstrationen gegen Trump, die zum Teil der „Investmentguru“ und Trump-Gegner George Soros sowie Hillary Clinton mit organisiert haben sollen. Das amerikanische Volk ist gespalten, das europäische ebenfalls. Gespannt sein darf man auch, welchen „Deal“ Trump nun konkret mit Putin in Zukunft heraus handeln will, wobei sie sich beim Kampf gegen die Terrormiliz IS schon jetzt besser gegenseitig unterstützen wollen.

Snap-Euphorie ist ein erstes Warnsignal einer „irrationalen Übertreibung“

Nach der Trump-Rallye gab es am 2. März an der Wall Street auch noch eine „Snap-Euphorie“, die die Technologie-Aktien an der Nasdaq beflügelte. Der Börsengang, neudeutsch IPO (Initial Public Offering), von Snap Inc. mit der App Snapshot, was eine Konkurrenz zu Whats App ist, war zehnfach überzeichnet und der Börsenkurs stieg am ersten Börsentag um über 40 Prozent gegenüber dem IPO-Preis von 17 US-Dollar. Damit war Snap schon mehr wert als die Deutsche Bank AG. Dabei macht das Unternehmen noch hohe Verluste und das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt fast 50, also doppelt so viel wie bei dem IPO von Facebook.

Endet Snap wie Twitter?

Während sich der Kurs von Facebook ausgehend vom Tief von 20 auf nunmehr 137 US-Dollar mehr als versechsfacht hat, fiel der Kurs von Twitter nach dem ersten Hype von 70 auf unter 20 US-Dollar, obwohl Trump mit seinem täglichen „Gezwitscher“ jetzt ordentlich Werbung für Twitter macht. Ich halte die Kurse von 27 US-Dollar für Snap bei einem IPO-Kurs von 17 US-Dollar für eine „irrationale Übertreibung“ und diese Übertreibung ist eher ein Warnsignal für die Zukunft, ebenso wie die geplante Mega-Übernahme von Unilever durch Kraft für 147 Milliarden Euro, die aber geplatzt ist.

Bitcoins performen besser als Gold

Gold gab in den vergangenen Tagen seit Ende Februar von 1.255 auf 1.235 US-Dollar/Unze leicht nach. Auf ein Jahr gesehen liegt Gold sogar in US-Dollar mit 1,8 Prozent im Minus. Dagegen stieg die Kryptowährung Bitcoins auf ein neues Allzeithoch von 1.250 Euro. Bitcoins war schon im vergangenen Jahr einer der besten Geldanlagen der Welt mit einer Kursverdopplung, weit besser als Gold. Bitcoins werden auch als Alternative zu Papiergeld gesehen, falls es zu einer Währungsreform kommen sollte. Da hinter Bitcoins – anders als bei Gold – aber keine Substanz bzw. Kapitaldeckung, also kein innerer Wert, steckt, kann es sich auch um eine perfekte Blase handeln.

Europäische Börsen im Frühjahr stark durch politische Ereignisse beeinflusst

Der Monat März wird in Europa durch eine Reihe politischer Ereignisse beeinflusst werden: der Brexit wie auch die Wahlen in den Niederlanden, wo der Rechtspopulist Greet Wilders an die Macht kommen könnte. Dies wäre vergleichbar mit der Wahl von Trump in den USA, also eine Wahl pro Rechts-Populismus und contra etablierte Parteien und Politiker bzw. gegen das sognannte „Establishment“. Dies könnte sich dann bei den Präsidentschaftswahlen am 7. Mai in Frankreich fortsetzen, wo sich Marine Le Pen Hoffnungen machen kann, als neue Präsidentin Frankreichs gewählt zu werden. Die Chancen dafür sind zwar gering, zumindest beim zweiten Wahlgang, aber nichts ist unmöglich. In jedem Fall dürften die Börsen in Europa in den nächsten Wochen stark von politischen Ereignissen beeinflusst werden.

„Exotenbörsen“ in Osteuropa können outperformen

Der Dax überschritt wegen der Trump-Rallye die magische 12.000er-Marke und der Eurostoxx stieg auf das neue Jahreshoch von 3.400 Indexpunkten. Von der Trump-Rallye profitierten aber nicht nur die westeuropäischen Börsen, sondern auch die osteuropäischen Börsen – vor allem die Warschauer Börse, wo es auch eine rechtspopulistische Regierung gibt, ebenso wie in Ungarn. Selbst die Börse Istanbul zählt in diesen Jahr trotz Erdogan zu den am besten performenden Börsen der Welt und die türkische Lira hat sich zuletzt auch sogar erholt.

Am besten schnitt die Börsen in Kasachstan (plus 30 Prozent) und Polen (plus 19 Prozent), aber auch die Balkan-Bösen in Slowenien, Kroatien und Rumänien machen viel Freude und können mit einem Plus über 10 Prozent seit Jahresbeginn sowohl den DJI als auch den Dax klar outperformen. Dagegen gab es an der Moskauer Börse fortgesetzte Gewinnmitnahmen, was nach einem Plus von über 50 Prozent im vergangenen Jahr auch verständlich ist.

(Andreas Männicke)


 


 

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