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Rettet Russland Griechenland? Der Countdown läuft!

Die EU und Griechenland treffen sich zum „Finale Grande“. Kommt es zu einem Grexit, wird es für Europa sehr teuer. Möglich ist aber auch ein neuer fauler Kompromiss. Tsipras will die Geschäftsbeziehungen zu Russland ausbauen, ganz unabhängig von der Entscheidung am 22. Juni 2015. Die Anleger blieben verunsichert. Dabei ignorieren sie noch, dass mit der Ukraine schon der zweite Pleitekandidat vor der Tür steht. Der „kalte Krieg“ zwischen Russland und dem Westen geht in die nächste Runde.

Schicksalstag für Griechenland und Europa

Am Montag, 22. Juni 2015 findet ein Schicksalstag für Griechenland und Europa statt. Der EU-Gipfel entscheidet dann, ob Griechenland weitere Kredite bekommt oder nicht und falls ja, unter welchen Bedingungen. Angeblich trennen die EU und Griechenland nur 460 Millionen Euro an Einsparungsvolumen. Im Kern geht es darum, ob Griechenland bereit ist, die Renten zu kürzen oder nicht. Während Deutschland nur 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts für Renten ausgibt, sind es in Griechenland 19 Prozent. Die Griechen haben viel zu viele Beamten, unter denen zudem die Korruption weiter wuchert.

Beim EU-Gipfel soll Griechenland aber auch ein neuer, gangbarer Fahrplan vorgeschlagen werden und damit auch gesagt werden, unter welchen Bedingungen weitere Kredite gegeben werden können. Ich rechne mit einem faulen Kompromiss in letzter Minute.

Griechenland ist bis jetzt nicht zu weiteren Einsparungen bereit. Der griechische Premierminister Alexis Tsipras bezeichnet die Forderungen des Internationalen Währungsfonds ( IWF ) als verbrecherisch. Tsipras pokert hoch, aber vielleicht versteht er auch das Schachspiel zusammen mit Russland und China. Am 30. Juni 2015 muss Griechenland 1,6 Milliarden US-Dollar an den IWF zahlen, wobei sich Griechenland einen weiteren Zahlungsaufschub erhofft.

Im Grund ist Griechenland schon lange Pleite. Es handelt sich also um eine fortgesetzte Konkursverschleppung seitens des IWF und der EU. Aber auch die Europäische Zentralbank ( EZB ) arbeitet an der Konkursverschleppung mit, indem sie den griechischen Banken Liquidität gibt. Das Geld wird aber jetzt von den Griechen bei Banken abgehoben und in Milliarden-Beträge ins Ausland verschafft.

Ein Grexit, also ein Austritt Griechenlands aus dem Euro, hätte weit größere Folgen als man sich heute erdenkt. Zunächst würden die griechischen Banken Pleite gehen, weil es einen Banken-Run geben würde, der sich bereits andeutet. Die griechischen Banken bluten schon jetzt aus. Dann würden auch die Zinsen der südeuropäischen Anleihen stark ansteigen. Zudem würde sich jetzt jeder fragen: Who is next? Es könnte sogar im Nachhinein zu einer globalen Vertrauenskrise bei Staatsanleihen kommen. Zudem könnte Europa auseinanderbrechen. Das wäre dann der Anfang vom Ende Europas und des Euros.

Tsipras erhofft sich Schützenhilfe von Russland

Alexis Tsipras reiste im Vorfeld des EU-Gipfels zum russischen Wirtschaftsforum nach St. Petersburg und sprach dabei mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Griechenland und Russland wollen in Zukunft intensiver zusammenarbeiten, ohne einen Keil gegen Europa zu bilden. Russland kann Griechenland wohl kaum retten, aber es kamen Milliarden-Verträge bezüglich der geplanten Pipeline durch die Türkei nach Griechenland zustande. In St. Petersburg war auch zum ersten Mal seit langer Zeit ein Verteidigungs-Minister aus Saudi-Arabien, der eine Kooperation mit Russland anstrebt.

Nächster Pleitekandidat ist die Ukraine

Der nächste Pleite-Kandidat, über den man viel zu wenig spricht, ist die Ukraine. Auch hier müssen die ukrainischen Anleihen bis September umstrukturiert werden, da die Ukraine wohl auch nicht in der Lage sein wird, die im Oktober 2015 fälligen Anleihen zurückzuzahlen. Ich erwarte hier einen „Haircut“, also einen Schuldenschnitt unter Beteiligung der Gläubiger, von mindestens 20 Prozent. Die Ukraine verhandelt mit dem IWF über die nächste Tranche im Volumen von 1,7 Milliarden US-Dollar im Rahmen der angedeuteten Kredithilfe im Volumen von 17,5 Milliarden US-Dollar insgesamt.

Dies reicht aber nicht aus, um die Ukraine nach vorne zu bringen. Die Ukraine befindet sich in einer weit größeren Wirtschaftskrise als Griechenland. Als einziger Ausweg scheinen der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk einen „großen Krieg“ gegen Russland zu sehen, der aber viel Geld und Menschenleben kosten wird. Offensichtlich sind die Republikaner in den USA, allen voran der Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain, bereit, jetzt auch tödliche Waffen in die Ukraine zu schicken. US-Präsident Barack Obama zögert aber noch.

„Kalter Krieg“ zwischen Russland und dem Westen verschärft sich

Der „kalte Krieg“ zwischen Russland und dem Westen geht weiter. Putin hat angekündigt, 40 Interkontinentalraketen mit Atomsprengköpfen zur „Verteidigung“ bis Ende des Jahres anzuschaffen. Die Nato sieht dies als Akt der Destabilisierung an. Die EU beschloss sofort danach, die Sanktionen gegen Russland bis auf Januar 2016 zu verlängern. Europa kosten die Sanktionen 100 Milliarden Euro. Die USA erhöhen hingegen sogar das Außenhandelsvolumen mit Russland, während der Außenhandel von Europa mit Russland um über 10 Prozent einbricht. In der Ost-Ukraine wird der Waffenstillstand immer wieder gebrochen und es kommt zu Toten und Verletzten in der Ost-Ukraine.

Anleger wegen Grexit-Gefahr verunsichert

Die Gefahr des Grexit hinterließ im Vorfeld seine Spuren bei den europäischen Börsen. Der Dax gab am Freitag um 0,9 Prozent auf 11.036 Indexpunkten nach, was ein Kursverlust von 15 Prozent seit dem Hoch von über 12.400 Indexpunkten bedeutet. Dies war der stärkste Kursverlust seit 2011. Der Dow Jones Industrial Index gab um 0,6 Prozent auf 18014 Indexpunkte nach, weil eine Zinswende nun im September 2015 erwartet wird. Der russische Russian Trading-Index, kurz RTS-Index verlor um 1,5 Prozent auf 966 Indexpunkte, da der Brentölpreis um 2,2 Prozent auf 62,8 US-Dollar/ Barrel nachgab.

Gold und Silber konnten bisher nicht von der Griechenland-Krise profitieren. Gold blieb stabil bei 1.200 US-Dollar/Unze und Silber bei 16,09 US-Dollar/Unze. Auch der Euro veränderte sich kaum bei 1,13 Euro/US-Dollar. Falls eine Staatspleite Griechenlands und damit auch ein Grexit vermieden werden kann, wovon ich ausgehe, werden die Kurse am Dienstag, 23. Juni 2015, stark ansteigen. Wenn nicht, werden sie stark fallen.

Nach der Korrektur bleibt die Moskauer Börse eine attraktive und stark unterbewertete Trading-Börse. Die preiswertesten Aktienmärkte kommen aus Osteuropa. Die Aktienmärkte aus Serbien und Slowenien zählten im letzten Jahr mit einem Plus von jeweils 18 Prozent in 2014 zu den Top-Performern auf der Welt. Nun ist die Börse Budapest (Ungarn) einer der Top-Performer mit einem Plus von über 36 Prozent. Aber auch die baltischen Börsen stiegen schon über 15 Prozent.

(Redaktion)


 


 

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