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Signalisiert die Fed das Ende der Finanzkrise?

Die amerikanische Notenbank Fed erhöhte die Zinsen wie erwartet um 0,25 Basispunkte auf 0,5 Prozent. Die erste Reaktion bei den Weltbörsen war positiv. Am zweiten Tag kam es bereits zu Korrekturen. Einige Marktbeobachter bewerten die erste Zinserhöhung der Notenbank seit neun Jahren als endgültige Beendigung der Finanzkrise. Es gibt aber berechtigte Zweifel, ob sich die Fed damit einen Dienst erwiesen hat, denn viele Konjunkturindikatoren deuten eher auf eine Abschwächung der US-Konjunktur hin.

Die amerikanische Notenbank erhöhte die Zinsen in den USA um 0,25 Basispunkte auf 0,5 Prozent. Die Fed-Notenbankchefin Janet Yellen stellte auch in Zukunft graduelle Zinserhöhungen je nach Konjunkturlage in Aussicht, sodass in Zukunft mit weiteren Zinserhöhungen zu rechnen ist. Dies war die erste Zinserhöhung seit neun Jahren. Damit fährt die Fed einen entgegensetzten Kurs im Vergleich zur Europäischen Zentralbank EZB , die zuletzt die Negativzinsen bei Bankeinlagen auf minus 0,3 Prozent erhöht hat.

Langer Weg zur Normalisierung

Wesentlich wichtiger als die kurzfristigen Refinanzierungszinsen sind die langfristigen Zinsen von Anleihen. Auch hier gab es erstaunlicherweise nach der Zinserhöhung der Fed zunächst eine positive Reaktion für den Euro-Bund-Future, der am 18. Dezember um 0,39 Prozent anstieg und auch schon am Vortag nach der Zinserhöhung um 0,69 Prozent auf 158,54 zulegen konnte. Auch der amerikanische Treasury Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg im Kurs auf 100,15. Damit beträgt die Rendite für zehnjährige Anleihen in Deutschland immer noch extrem niedrige 0,42 Prozent und die für zehnjährige amerikanische Anleihen 2,19 Prozent. Am Rendite-Spread von 1,7 Prozentpunkten zugunsten des US-Dollar hat sich damit kaum etwas geändert. Damit können sich sowohl amerikanische als auch deutsche Unternehmen weiterhin enorm günstig refinanzieren. Es handelt sich dabei auch nach der Mini-Zinserhöhung um einen Anleihen-Bubble. Der Weg zu Normalisierung wird noch lang und steinig sein.

US- Fracking -Unternehmen geraten in Existenznöte

Etwas anders ist es mit den Junk-Bonds-Anleihen für US-Fracking-Unternehmen. Hier stiegen die Renditen bzw. fielen die Kurse ganz unabhängig von der Fed-Entscheidung, da der Ölpreis immer niedriger wird. Die Zahl der aktiven Ölbohrungen nahm in den USA auf unter 600 ab. Einige Fracking-Unternehmen werden demnächst vor der Pleite stehen, einige sind schon Pleite gegangen. Insgesamt befürchten einige Experten ein 200-Milliarden-US-Dollar-Grab für US-Junk-Bonds, denn so hoch sind die Schulden der US-Fracking-Unternehmen. Seit 2010 haben die US-Unternehmen ihr Kreditvolumen um 55 Prozent erhöht. Seit 2010 haben US-Energieunternehmen 550 Milliarden US-Dollar an Krediten eingesammelt, dabei viele Hochzins-Anleihen. Da Saudi-Arabien gegen die USA einen Öl-Krieg führt, ist mit einer nachhaltigen Erholung des Ölpreises nicht so schnell zu rechnen. Damit könnte auch der Traum der US-Fracking-Unternehmen platzen und damit der amerikanische Traum, bei Öl und Gas autark zu werden.

Die USA avancierte im Herbst vergangenen Jahres kurzfristig zum größten Ölproduzenten der Welt, noch vor Saudi-Arabien. Dies kam in erster Linie durch die neue Fördermethode, die Fracking genannt wird. Bei diesem Prozess wird eine chemische Flüssigkeit mit Hochdruck in das Schiefergestein gepresst, um das Schiefergestein zu spalten und Öl bzw. Gas damit frei zu bekommen, was man dann Schiefer-Öl bzw. Schiefer-Gas nennt. Dieser Prozess ist sehr aufwendig und teuer und zudem umweltschädlich, weswegen diese Methode in Deutschland noch nicht angewendet wird. Es wird eine Verunreinigung des Grundwassers und verstärkte Erdbebenzahl durch Fracking befürchtet. Durch den Ölpreisdruck wurden die Produktionskosten bei einigen Fracking-Unternehmen bereits nachhaltig gesenkt, andere müssen wohl 2016 aufgeben.

Da Saudi-Arabien und auch Russland die Fördermengen nicht einschränken wollten, geriet der Ölpreis enorm unter Druck und der Hauptgeschädigte sind nun die US-Fracking-Unternehmen. Man darf gespannt sein, wie die US-Regierung auf eine Pleitewelle im Öl-Sektor reagieren würde. Ähnlich wie bei der Immobilienkrise 2007/2008 ist dies eine Kreditkrise, die absehbar ist, aber von der Finanzwelt bisher noch ignoriert wird. Die Zinserhöhung der Fed wird das Zinsniveau der Hochzins-Anleihen zwar nicht verändern, könnte aber wieder den Blick mehr auf dieses Krisen- Szenario der Fracking-Unternehmen werfen. Schon im April prognostizierte Bloomberg, dass die Hälfte von 41 Frackingunternehmen bis Jahresende pleitegehen wird, wenn der Ölpreis so niedrig bleibt. Zudem stellen 61 Fracking-Service-Provider ihre Dienste ein aufgrund des niedrigen Ölpreises.

Bei dem US-Fracking-Unternehmen Samson gingen bereits die Lichter im September aus, denn das Unternehmen meldete Insolvenz nach Kapitel 11 an. Zuvor war noch der Finanzinvestor KKR, der über 100 Milliarden US-Dollar verwaltet, mit 7,2 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen eingestiegen. Es war bisher die größte Pleite bei US-Frackingunternehmen, aber weitere können folgen, wenn der Ölpreis weiter so niedrig bleibt. Einige mittelgroße Ölunternehmen der USA meldeten schon besorgniserregende Zahlen für das dritte Quartal 2015: Devon Energy meldete einen Verlust von etwa 3 Milliarden US-Dollar, Chesapeake von 4 Milliarden US-Dollar und Apache von 5,6 Milliarden US-Dollar. Dies kommt durch die Abschreibungen auf Öl und Gasfelder, die aufgrund des niedrigen Ölpreises unwirtschaftlich geworden sind.

Im Januar 2015 machet das Ölunternehmen WBH Energy LP den Anfang der Pleitewelle. Es ging damals aber nur um 10 Millionen US-Dollar bis 50 Millionen US-Dollar, die verloren gingen. Jetzt stehen aber Hundert von Unternehmen vor der Pleite. Nordamerikanische Fracking-Unternehmen benötigen in den meisten Fällen einen Ölpreis von 50 bis 100 US-Dollar je Barrel , um rentabel zu arbeiten.

Dax erst freundlich nach der Zinserhöhung …

Die Aktien tendierten unmittelbar nach der Zinserhöhung am Folgetag, also am 17. Dezember, sogar sehr freundlich. Der Dax konnte um 2,57 Prozent auf 10.738 Indexpunkte zulegen und auch die meisten asiatischen Märkte waren zunächst freundlich. Der japanische Nikkei-Index stieg um 1,59 Prozent auf 19.353 Indexpunkte. Nur der amerikanische Dow Jones Industrial Index (kurz DJI) gab schon am 17. Oktober um 1,4 Prozent auf 17.496 Indexpunkte nach. Am 18. Dezember gab der Euro zum Dollar von 1,09 auf 1,08 Euro/US-Dollar nach. Auch andere Währungen wie der australische Dollar fielen kräftig zum US-Dollar.

Folglich waren auch fast alle Rohstoffe schwach. Der Brentöl-Preis fiel um 1,65 Prozent auf 36,96 US-Dollar/Barrel, Erdgas um 4,87 Prozent auf 1,73 US-Dollar, Platin um 3,1 Prozent auf 844 US-Dollar/Tonne. Kupfer um 1,3 Prozent auf 4566 US-Dollar/Tonne, Gold um 1,6 Prozent auf 1051 US-Dollar/Unze und Silber um 3 Prozent auf 13,79 US-Dollar/Unze.

… dann aber schwach am Hexensabbat

Am 18. Dezember, am „Hexensabbat“ (Auslaufen von Optionen in Deutschland) gab der Dax dann auch deutlich um 1,13 Prozent auf 10.525 Indexpunkte nach. An dem Tag fielen aber auch fast alle großen Aktienmärkte wie der DJI um 1,64 Prozent auf 17.145 Indexpunkte, der Eurostoxx um 1,39 Prozent auf 3.231 Indexpunkte und der Nikkei-Index um 2,21 Prozent auf 18.810 Indexpunkte. Dagegen konnte sich fast alle Edel- und Industriemetalle am 18. Dezember um 1 bis 3 Prozent erholen und zwar Gold um 1,39 Prozent auf 1.066 US-Dollar/Unze und Silber um 2,73 Prozent auf 14,09 US-Dollar/Unze.

Im Rohstoffsektor droht eine Pleitewelle in 2016

Der Euro-Bund-Future verfestiget sich auf 159,05 (plus 0,39 Prozent). Bitcoins konnten zum Euro um 2,29 Prozent auf das neues Jahres-Hoch von 423 Euro zulegen. Damit gab es am 17. und 18. Dezember gegenläufige Entwicklungen. Erst stiegen die Aktien nach der Fed-Erhöhung (außer in den USA) und die Edel- und Industriemetalle gaben nach, dann fielen am zweiten Tag nach der Fed-Entscheidung die Aktien, dafür stiegen die meisten Preise bei den Edel- und Industriemetallen an. Ein klares Trendbild hat sich damit noch nicht abgezeichnet. Gefährlich bleibt dabei der Verfall der Rohstoffpreise, die im nächsten Jahr zu einer Pleitewelle im Rohstoffsektor führen können, falls sich der Trend fortsetzen sollte.

Schwache US-Konjunkturzahlen machen Sorge

Von einen Ende der Finanzkrise kann jedenfalls keine Rede sein, denn einige Konjunktur -Indikatoren in den USA deuten darauf hin, dass sich die US-Konjunktur im Jahre des Präsidentschaftswahlkampfes, dem chinesischen Jahr des Affen mit vielen Überraschungen, verlangsamen wird. Zudem nehmen die Unternehmensgewinne in den USA ab und in Europa stagnieren sie.

UN-Resolution macht Hoffnung

Neben der Wirtschaftsabschwächung – auch in China – werden 2016 die Anleger auch die geopolitischen Dauer-Krisen-Themen Syrien, Ukraine und in Europa die Griechenland-Krise beschäftigen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) kam in New York immerhin zu einer gemeinsamem „Friedens“-Resolution für Syrien, wo sogar auch Russland zustimmte. Gemäß der Resolution soll der Terrormiliz IS die Finanzierung des Krieges durch Ölverkäufe erschwert werden und es soll auch ein Waffenstillstand zwischen der syrischen Armee und die gemäßigten Oppositionellen zustande kommen, wobei noch nicht ganz klar ist, wer „gemäßigt“ ist und wer nicht. Dann sollen in zwei Jahren freie Wahlen stattfinden, wo auch ein neuer Präsident gewählt werden kann. Es bleibt aber schwierig, so zerstrittene Parteien wie USA, Türkei, Iran, Saudi-Arabien gegen die IS zu bewegen. Hier sind Konflikte beim zukünftigen „Friedensprozess“ vorprogrammiert.

Putin zeigt sich unversöhnlich gegenüber der Türkei

Putin machte bei seiner dreistündigen Presse-Konferenz in Moskau deutlich, dass er den Abschuss eines russischen Kampfjets an der türkisch-syrischen Grenze durch die Türkei als einen Dolchstoß in den Rücken eines vorherigen Partners versteht und eine Versöhnung im Moment nicht in Betracht kommt. Sanktioniert werden soll die Türkei mit einem Tourismus-Verbot in die Türkei für russische Staatsbürger, was die Türkei 3 Milliarden US-Dollar kosten würde, also in etwa die Summe, die der Türkei jetzt von der Europäischen Union (EU) zugesagt wurde, um das Flüchtlingsproblem besser „vor Ort“ lösen zu können. Syrer brauchen jetzt ein Visum, um in die Türkei einzureisen, was auch eine Farce für Kriegsflüchtlinge ist. Putin ist davon überzeugt, dass Russland wirtschaftlich die Talsohle schon durchschritten hat. Der weiter fallende Ölpreis könnte ihm aber einen Strich durch die Rechnung machen.

Ukraine vor dem Staatsbankrott

Der „kalte Krieg“ Russland gegen die Ukraine wird fortgesetzt. Russland fordert die Rückzahlung der am 20. Dezember auslaufenden Anleihe im Volumen von 3 Milliarde. US-Dollar voll umfänglich zurück. Die Ukraine ist aber der Auffassung, dass sich auch Russland dem mit privaten Gläubigern vereinbarten Schuldenschnitt um 20 Prozent anschließen soll. Nun soll der Streit von einem Londoner Gericht entschieden werden. Gibt das Gericht Russland recht, wird die Ukraine zwar faktisch einen Staatsbankrott erleiden, aber der Internationale Währungsfonds IWF wird der Ukraine auch weiter mit Krediten helfen. Dafür wurde eigens zuvor die Satzung geändert, damit dies möglich wird.

EU verlängert die Sanktionen gegen Russland

Die EU, die in der Behandlung der Flüchtlingsproblematik weiter sehr gespalten und zerstritten ist und im nächsten Jahr sogar einen Brexit, also den Austritt Englands au der EU, befürchten muss, verlängerte die Sanktionen gegen Russland um weitere sechs Monate, was auch erwartet wurde. Es ist aber nicht alleine Russland daran schuld, dass der Minsk-II-Prozess so langsam vorankommt.

Moskauer Börse und Rubel schwach

Der russische RDX-Index brach am 18. Dezember wegen dem schwachen Ölpreis und schwachen Rubel um 4,49 Prozent auf 914 Indexpunkte ein. Aktien wie Gazprom, LUKoil und die Sberbank gaben um über 4 Prozent nach, der Konsumwert Magnit sogar um 7 Prozent. De Rubel fiel zum US-Dollar auf ein neues Allzeit-Tief von 71 US-Dollar/Rek und zum Euro auf 77 Euro/Rubel. Dies lag auch daran, da Brentöl auf ein neues Siebenjahrestief von 36,66 US-Dollar/Barrel fiel.

Sechs Osteuropa-Börsen unter den Top-Performern der Welt

Trotz aller Turbulenzen und Krisen zählten bis dato sechs Börsen aus Osteuropa 2015 zu den Top-Performern der Welt wie die Börse aus Lettland und Ungarn mit einem Plus von jeweils über 40 Prozent. Auch die Moskauer Börse war bis Ende November noch über 10 Prozent in Euro im Plus und über 20 Prozent in Rubel. Sie gab aber ab Ende November um über 10 Prozent deutlich nach, so dass der RDX-Index jetzt nur noch knapp über dem Niveau wie zu Jahresbeginn ist. Dabei müssen auch die starken Währungsschwankungen beachtet werden.

(Redaktion)


 


 

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