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„Und nun beginnt wieder der ganz normale Wahnsinn!“ – Griechenland und China im Fokus

Griechenland wurde gerettet, weil der griechische Premierminister Alexis Tsipras in letzter Minute in Brüssel einlenkte. Das Hilfsprogramm im Volumen von über 80 Milliarden wird nun vorbereitet, allerdings ist fraglich, ob der Zeitplan bis 10. August eingehalten werden kann. In China platzte eine Blase – was zu erwarten war. Die Stützungsmaßnahmen der Regierung im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar verpufften bisher. In den USA brachen die Gewinne vor allem bei den Ölgesellschaften ein. Der schwache Ölpreis brachte auch die Kurse an der Moskauer Börse weiter unter Druck, was aber den Rubel schwächte.

Wahnsinn wird zur Normalität

Ich war jetzt zwei Wochen lang in Portugal in Urlaub, wo uns die Hitze auch zu schaffen machte. Es sollte der heißeste Monat seit Aufzeichnung in Südeuropa gewesen sein. In vielen Ländern gibt es Waldbrände wie in Spanien, Südfrankreich. Kroatien, aber auch in Kalifornien, was man aber schon gewohnt ist. Ein Ehepaar, welches ich dort kennengelernt habe, sagte zum Abschluss des sehr erholsamen Urlaubs vor der Heimreise: „Und nun beginnt wieder der ganz normale Wahnsinn!“, womit eigentlich die normale Arbeit gemeint war. Ich meine, dass diese Überschrift auch zutreffend ist für Meldungen und Nachrichtenlage, als ich nach Hause kam, denn der Wahnsinn scheint zu Normalistät zu werden und er geht weiter.

Griechenland in Zeitnot

Griechenland wurde zwischenzeitlich gerettet und damit der Grexit vermieden, weil Premierminister Tsipras doch noch in letzter Minute in Brüssel einlenkte, womit er allerdings sein „Oxi“ bei der Volksbefragung ad absurdum führte. 30 Parteimitglieder von Tsipras‘ Partei Syriza konnten dem Kompromiss nicht zustimmen und lehnten das Hilfspaket ab. Aber mit dem Stimmen der Opposition wurde das Reformprogramm durch das griechische Parlament gebracht. Nach den Vorstellungen der EU sollen nun die Verhandlungen über das dritte Hilfspaket bis 10. August abgeschlossen sein, damit Mitte August das Hilfsprogramm auch vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden kann. Nach einer Zustimmung der Euro-Finanzminister am 11. August soll die Vereinbarung von anderen Euro-Staaten ratifiziert und vom Parlament in Athen gebilligt werden. Am 20. August muss Griechenland dann 3,2 Milliarden Euro an die Europäischen Zentralbank zurückzahlen. Es ist zweifelhaft, ob der Internationale Währungsfonds ( IWF ) weitere Kredite an Griechenland geben wird, was die EU aber zur Voraussetzung macht.

Griechenland erhofft sich zunächst Kredite im Volumen von 20 Milliarden Euro mit sehr langen Laufzeiten. Dafür soll nach Auffassung der EU die griechische Regierung Vorleistungen erbringen. Es soll also erkennbare Reformfortschritte geben, sonst gibt es kein Geld. Die griechische Tragödie wird damit fortgesetzt. Große Teile der griechischen Bevölkerung zahlen ihre Stromrechnung nicht mehr, was schon zu einem Zahlungsverzug im Volumen von 2 Milliarden Euro führt. Der Wahnsinn wird zur Normalität in Griechenland. Die Börse in Athen wurde am Montag wieder eröffnet.

Aktienblase in China geplatzt – dennoch bleibt der Aktienmarkt einer der Top-Performer der Welt

In China brach der chinesische Aktienindex Shanghai Composite Index seit dem 12. Juni 2015 von über 5.000 auf nunmehr 3.663 Indexpunkte ein, was ein Verlust von 3 Billionen US-Dollar für die chinesischen Anleger bedeutet. Nach einer Zwischenerholung brach der Index am 30. Juli nochmals um 8,5 Prozent ein, was der zweitgrößte Absturz in seiner Geschichte war. Zuvor stieg der Shanghai Composite Index bis Mitte Juni um 150 Prozent in einem Jahr an. Aus den 150 Prozent wurde nun nur noch ein Plus von 68 Prozent in einem Jahr. Damit zählt China weiterhin zu den Top-Performern unter den Weltbörsen. Auch in diesem Jahr beträgt das Plus immer noch über 20 Prozent, womit der chinesische Aktienmarkt weiterhin den deutschen Aktienindex Dax outperformt.

Von der Spitze an betrug der Kursverlust über 30 Prozent: Dennoch würde ich nicht von einem Crash reden, sondern von einer Rückbildung der erkennbaren Blase. Der Kurseinbruch war zu erwarten, da zuvor überwiegend unerfahrene Chinesen Aktien per Kredit kauften. Aus einem Kaufrausch wurde dann Verkaufspanik bei Kleinanleger. Die Regierung stützte den Aktienmarkt mit einem Volumen von 200 Milliarden US-Dollar, was aber bisher verpuffte. Noch hat der Kurseinbruch in China bisher nur geringe Auswirkungen auf andere Weltbörsen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Kurseinbruch auf den Konsum und damit auch auf das Wachstum in China mittelfristig auswirken wird.

Schwache Gewinndynamik in den USA vor allem bei Ölgesellschaften

In den USA wurden vor allem die US-Ölgesellschaften durch den schwachen Ölpreis in Mitleidenschaft gezogen, da die Gewinne stark nachgaben. Aber auch in anderen Branchen nimmt die Gewinndynamik in den USA ab. Dennoch konnte sich der Dow Jones Industrial Index bei 17.696 Indexpunkten gut behaupten. Der amerikanische Aktienindex für Wachstumsaktien NASDAQ-Index erreichte sogar noch am 20. Juli mit über 5.200 Indexpunkten ein neues Allzeit-Hoch und schloss am 31 .Juli mit 5.128 Indexpunkten auf Vortragsniveau. Puerto Rico erklärte den Staatsbankrott, wobei 58 Milliarden US-Dollar abgeschrieben werden müssen. So haben auch die USA ihr Griechenland vor der Haustür.

Ukraine bekommt Kredite von EU und IWF

In der Ost-Ukraine gibt es kaum Trinkwasser mehr, was zu Problemen in der Bevölkerung führt. Die Ukraine erhielt nun 600 Millionen Euro im Rahmen eines Zwei-Milliarden-Euro-Kredites und auch der IWF zahlte eine weitere Tranche, die die Ukraine vor der Staatspleite bewahren soll. Rechtsextreme Kräfte feuern in der Ukraine die Konflikte in der Ost-Ukraine immer wieder an. Sie wollen, dass die Krim zurückgewonnen wird und das „Moskau brennen soll“. Schwere Waffen wurden in der Ost-Ukraine zwar zum Teil zurückgezogen, es ist aber immer noch fraglich, ob Minsk II ein Erfolg wird. Solange Minsk II kein Erfolg wird, werden allerdings auch die Sanktionen gegen Russland nicht abgemildert.

Moskauer Börse wegen stark fallenden Ölpreis unter Druck

Auch die Moskauer Börse kam durch die stark fallenden Ölpreise unter Druck. Der Brentölpreis brach um 31. Juli um 2,85 Prozent auf 51,81 US-Dollar/Barrel und der West Texas Intermediate (WTI)-Ölpreis sogar um 3,43 Prozent auf 47,78 US-Dollar/Barrel. Im Mai 2015 befand sich der Brentölpreis noch bei 65 US-Dollar /Barrel. Die russische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer tiefen Rezession, wobei der Ölpreis weiterhin sehr bedeutsam ist. Der Euro stieg zum Rubel am 31. Juni um 3,82 Prozent auf 67,78 Euro/Rubel, was zu hohen Währungsverlusten für deutsche Anleger führte. So stieg der auf Rubel notierten MICEX-Index am 31. Juli um 1,97 Prozent auf 1.669 Indexpunkte, während der auf US-Dollar basierende RTS-Index um 1,03 Prozent auf 858 Indexpunkte und der auf Euro-Basis notierende RDX-Index um 0,91 Prozent auf 1.067 Indexpunkte nachgab. Der Kursverlust im Juli betrug 8 Prozent am russischen Aktienmarkt. Damit liegt der RTS-Index immer noch über 10 Prozent seit Jahresbeginn im Plus und ist einer der Top-Performer der Weltbörsen. Im April waren es aber schon über 30 Prozent plus. Seit Mai befindet sich aber der russische Aktienmarkt in einem Abwärtstrend.

Gold ohne Schwung im Abwärtssog des starken US-Dollars

Gold konnte bisher kaum von den Krisen profitieren. Auch der Silberperis sank auf 14,78 US-Dollar/Unze. Seit Februar befindet sich Gold in einem intakten Abwärtstrend. Seit dem 20. Juli tendiert Gold aber immerhin seitwärts bei 1.096 US-Dollar /Unze, obwohl die russische Notenbank weiter Gold aufkauft. Ende Januar betrug der Goldpreis noch über 1.300 US-Dollar/Unze im Hoch. Die Goldkäufe der russischen Notenbank erbrachten aber einen Verlust von 15 Milliarden US-Dollar, was Russland nun auch im Staatshaushalt fehlt. Der relativ starke US-Dollar verhindert einen Kursanstieg beim Goldpreis. Der US-Dollar stieg vor allem gegen Rohstoffwährungen stark an und erreichte dort neue Höchstkurse wie beim kanadischen und australischen Dollar. Der Euro tendierte am 31. Juli seitwärts bei 1,09 Euro/ US-Dollar. Durch den starken US-Dollar neigten fast alle Industriemetalle und Edelmetalle im Juli zur Schwäche.

(Redaktion)


 


 

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