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Versicherungssektor: Der IWF warnt vor einer Pleitewelle

Die großen Kapitalsammelstellen wie Pensionskassen, Versicherungen und Bausparkassen geraten durch die außergewöhnlichen Maßnahmen der Notenbanken enorm unter Druck, da sie immer höhere Risiken eingehen müssen. Der IWF warnt nun vor einer Pleitewelle im Versicherungssektor. Gefahren gibt es auch aufgrund der Milchmädchenhausse in China, die in einem Crash enden kann. Auch wird der Staatsbankrott in Griechenland immer wahrscheinlicher, wenn nicht Russland und China helfen. Zudem drohen Cyber-Kriege. Die Weltbörsen reagierten am 17. April 2015 schon mit kräftigen Korrekturen. Mit erhöhter Volatilität muss nun gerechnet werden.

Der Internationale Währungsfonds ( IWF ) ist als „Warneinrichtung“ schon bekannt. Nun warnt er vor einer Pleitewelle im Versicherungssektor. Auch der Vorstand der Munich Re Nikolaus von Bomhard ist der Auffassung, das die durch die EZB künstlich herbeigeführte Geldschwemme und der Kauf von Staatsanleihen zu großen Schäden in der Finanzwirtschaft – nicht nur – bei Versicherungen führen werden. Gut ein Drittel der Versicherungen können nach dem IWF den vereinbarten Garantiezins in Zukunft nicht zahlen, wenn die Renditen dauerhaft so niedrig bleiben.

Anlagenotstand bei Anlegern

Auf der anderen Seite sei die Frage erlaubt, warum es überhaupt noch 92 Millionen Lebensversicherungsverträge gibt und immer noch so viel Geld auf fast unverzinsten Sparkonten liegt. Auch Privatanleger geraten immer mehr in einen Anlagenotstand, wobei der Anteil der Anleger im Aktiensektor trotz der Rekorddividende von 42 Milliarden Euro immer noch zu gering ist. Aber eine Altersversorgung über einen Sparprozess ist dank der EZB-Politik nicht mehr möglich.

Sind Negativzinsen die Zukunft?

Durch die Nullzins-Politik der Notenbanken, an die wir uns schon gewöhnt haben – deswegen nenne ich sie „Drogenpolitik“ – kommen auch die großen Kapitalsammelstellen in einen akuten Anlagenotstand. In den vergangenen Jahren konnten sie noch im Anleihenbereich Kursgewinne erzielen, weil die Zinsen immer weiter sanken. Jetzt dürfte aber kam mehr Spielraum nach unten vorhanden sein, um Kursgewinne zu bekommen; es sei denn, es werden immer mehr Negativzinsen eingeführt, wie es Großbanken bei großen Einlagenvolumina schon zum Teil verlangen.

Marktmanipulation im großen Stil

Am 17. April sank die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen mit 0,061 Prozent auf ein neues Allzeit-Tief. Die Inflationsrate beträgt jedoch 0,3 Prozent, so dass die reale Rendite negativ ist. Der Euro-Bund-Future stieg auch auf ein neues Allzeit-Hoch von 160,38, was eindeutig ein „Bubble“, also eine Anleihenblase ist. Die durchschnittlichen Zinsen für Baukredite mit zehnjähriger Zinsbindung sind jetzt sogar unter effektiv 1,3 Prozent gesunken, was einen Immobilienboom in Deutschland auslöst. Einjährige italienische Anleihen haben eine Rendite von 1,4 Prozent, die sogar weit niedriger ist als die Anleihenrendite in den USA mit über 2 Prozent.

Die Europäische Zentralbank kauft nun weiterhin Schrottanleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro monatlich auf und bringt damit den Euro nach unten. Dies mag dem europäischen Export durch den schwachen Euro helfen, ist aber ganz klar eine Marktmanipulation, die nun auch Versicherungen, Bausparkassen und Versicherungen immer mehr unter Druck bringt, in risikoreiche Anlageklassen zu investieren.

Notenbanken werden zum Schrottabladeplatz – cui bono?

Zudem werden die Notenbanken selbst immer mehr zum Schrottabladeplatz von notleidenden Anleihen. So besitzt alleine die EZB griechische Anleihen im Volumen vom 200 Milliarden. Zudem unterstützt die EZB die griechischen Banken mit Notkrediten, damit diese nach dem Banken-Run überleben können. So wird etwas künstlich am Leben gehalten was eigentlich nicht überlebensfähig und längst pleite ist.

Asset-Inflation als Folge der Anti-Deflationspolitik der EZB

Die EZB will auch gegen eine Deflation ankämpfen und eine Inflationsrate von 2 Prozent erreichen, wobei man hier zwischen guter und schlechter Deflation unterscheiden sollte. Die Niedrigzinspolitik führt auch zu einer Asset-Inflation, also zu stark steigenden Aktienkursen- und Immobilienpreisen. Die Realwirtschaft koppelt sich damit immer mehr von der Finanzwirtschaft ab. Irgendwann wird der Bumerang zurückkommen – auch an vielen Weltbörsen.

Milchmädchenhausse in China erhöht die Crash-Gefahr

In China gibt es bereits eine „Milchmädchenhausse“. Unerfahrenere Spekulanten und Zocker treiben jetzt die Aktienkurse an der Börse Shanghai in ungeahnte Höhen, dies allerdings, nachdem der chinesische Aktienmarkt jahrelang trotz hohem Wachstum des Bruttosozialprodukts überhaupt nicht vorankam. Der chinesische Aktienmarkt stieg in den vergangenen neun Monaten um 115 Prozent, in den vergangenen fünf Monaten um 80 Prozent und er stieg sogar um 35 Prozent im letzten Monat. Hausfrauen und ungeübte Spekulanten eröffneten schon 10,8 Millionen neue Konten, um Aktien zu erwerben. Was wir hier erleben, ist der typische und wohlbekannte Herdentrieb. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der Tech-Werte in China beträgt schon 220. Auf dem Höhepunkt der Dot.com-Blase betrug das KGV im Jahr 2000 an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq 156 und wir wissen alle, was hernach geschah.

Die Anleger haben aber offensichtlich nicht viel aus den Bärmärkten und Crash in den Jahren 2000 und 2008 gelernt. Auch hat sich seitdem in der Finanzwirtschaft nicht viel verändert. Daher wird es auch wieder einen Aktien-Crash geben nur wann, weiß keiner.

Riskanter Junk-Bondmarkt ist gefährdet durch schwachen Ölpreis

Aber auch der Markt für hochriskante Unternehmensanleihen, den „Junk-Bonds“, wächst und wird zur globalen Gefahr, auch in China. In den USA könnten demnächst eine Reihe von Fracking-Unternehmen Pleite gehen, da die Ölpreise zu niedrig sind, um rentabel Öl zu fördern. Eine Reihe von Bohrtürmen wurden schon geschlossen. Dennoch gibt es noch eine Ölschwemme am Ölmarkt und Rekordlagerbestände in den USA durch das bisher geförderte Fracking-Öl. Der Brentölpreis stieg zuletzt wegen dem Krieg in Jemen auf 63 US-Dollar/Barrel und der WTI-Ölpreis auf 57,5 US-Dollar/Barrel. Das ist für viele Fracking-Ölunternehmen aber immer noch zu wenig, um rentabel zu fördern. Die meisten Fracking-Unternehmen brauchen einen Ölpreis von 70 US-Dollar oder mehr.

Platz die Fracking-Öl-Blase?

Die großen US-Banken haben diesen Fracking-Ölunternehmen 100 Milliarden US-Dollar geliehen, weil sie dachten, dass der Ölpreis von über 100 US-Dollar/Barrel stabil bleiben werde. Es gibt ein Volumen von 247 Milliarden US-Dollar an Schrottanleihen im US-Energiesektor. Insgesamt haben die fünf Großbanken dem Energiesektor 500 Milliarden US-Dollar geliehen. Bei dauerhaft so niedrigen Ölpreisen könnte diese in Zukunft zur Schuldenfalle werden. Noch aber nicht, da die großen Ölkonzerne immer noch genug Geld verdienen.

Immobilienblase in China?

Schon zuvor gab es einen Boom bei Immobilienpreisen in China durch aus der Schattenwirtschaft finanzierten Kreditgeschäften. Die Folge sind nun vielfach Geisterstädte und leer stehende Büros in vielen Städten. Nun will die Regierung auch im Aktienbereich gegensteuern, was aber zu einem Crash führen kann. Es droht damit eine harte Landung in China, möglicherweise dann auch in der Realwirtschaft, die aber noch mit 6 Prozent wächst.

Retten China und Russland Griechenland vor dem Staatsbankrott?

In Griechenland erhöht sich zunehmend die Gefahr eines Staatsbankrotts und damit eines Austritts aus dem Euro, dem „Grexit“. US-Präsident Obama fordert nun stärkere Reformen beim Bürokratieabbau und der Steuereintreibung. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Schäuble zeigt sich über das bisherige Reformprogram von Griechenlands Premier Tsipras sehr skeptisch. Es gibt immer noch einen Banken-Run in Griechenland. Die griechische Währung Drachmen wäre normalerweise abgestürzt. Da Griechenland aber nicht abwerten kann, wird auch die Wettbewerbsfähigkeit immer schlechter. Griechenland braucht eine Rosskur wie es das Baltikum vorgemacht hat. Nun sollen angeblich 3 bis 5 Milliarden Euro aus Russland als Vorauszahlung für ein Pipelineprojekt von der Türkei nach Griechenland helfen, die akute Finanznot zu lindern. Auch erhofft sich Griechenland Hilfe aus China durch Vorauszahlungen für geplante Privatisierungen. Das Gesamtpaket Russland/China soll 15 Milliarden betragen, wobei dies noch nicht offiziell bestätigt ist.

Schulden werden durch Schulden beglichen

Dies sind aber projektgebundene Gelder und werden Griechenland nur wenig helfen, die zukünftigen Zahlungsanforderungen zu begleichen. Es handelt sich ohnehin nur um einen Roll-Over, also Kreditrückzahlen durch neue Kredite bzw. Schuldenbergleichung durch neue Schulden, aber keinen Schuldenabbau, wie dies im Moment weltweit geschieht. Griechenland in klein ist die USA in groß. Wer kauft demnächst die amerikanischen Anleihen noch bei so niedrigen Zinsen auf? Die Chinesen wohl kaum und Russland erst recht nicht. Bleibt nur Japan übrig. Russland und China planen gerüchteweise zudem eine goldgedeckte Währung einzuführen, was den US-Dollar als Weltreservenwährung Konkurrenz machen soll.

Währungs- und Cyberkriege bedrohen das System

Was die Finanzsysteme in Zukunft auch bedrohen wird, sind Währungskriege und Cyberkriege, die schon – fast unmerklich – in vollem Gang sind. Am 17. April 2015 gab es bei Bloomberg einen Ausfall der Bildschirme in Europa und Asien. Bloomberg ist einer der wichtigsten Nachrichten- und Datenquellen für viele Banken weltweit. Auch dies war einer der Gründe, warum es an dem Freitag zu so starken Kurseinbußen kam. Vor kurzen wurde durch IS-Krieger ein französischer Fernsehsender lahmgelegt. Auch die IS-Krieger werden immer innovativer und intelligenter, obwohl hinter dem Bildschirmausfall bei Bloomberg russische Hacker stecken sollen. Also ist mal wieder Putin schuld.

Kehrseiten der Digitalisierung

Europa ist zwar, wie der EU-Kommissar Günther Oettinger bei einem Vortag in Bremen glaubhaft darlegte, ein Entwicklungsland, was Digitalisierung angeht und Daten sind sicherlich der Rohstoff der Zukunft. Dadurch werden Unternehmen und ganze Volkswirtschaften aber auch verwundbarer. Das Thema Datensicherheit wird immer wichtiger für Großkonzerne. Daher schlägt IBM vor, dass sich Großkonzerne auf dem Gebiet der Datensicherheit besser zusammenarbeiten sollen, um gemeinsam Cyber-Gefahren abzuwehren.

Stimmt das System noch?

Was machen wir, wenn das Internet großvolumig für weite Bereiche der Wirtschaft über einen längeren Zeitraum ausfällt bzw. lahm gelegt wird? Dan können ganze Volkswirtschaften zusammenbrechen und dann heißt es wieder: „back to the roots“, was ich mir im Finanzsektor auch wünsche. Immer noch haben fünf US-Großbanken Derivate im Volumen von über 250 Billionen US-Dollar, was auch Massenvernichtungswaffen und eine Gefahr für die Zukunft im Finanzsektor sind. Seit 2008 hat sich da leider nicht viel geändert. Der beste Hedgefondsmanager verdiente vergangenes Jahr 3 Milliarden US-Dollar, das sind 10 Millionen US-Dollar am Tag. Auch das Verteilungsproblem wird immer größer und evidenter und das Problem der Altersarmut auch. Stimmt das System noch?

Zunehmendes Flüchtlingsproblem ungelöst

Auch ist nicht klar, wie man dem Flüchtlingsproblem in Europa in den Griff bekommen will. Jüngst 700 Tote vor Italien sprechen eine deutliche Sprache. Es ist das größte Flüchtlingssterben im Mittelmeer. Aber darum kümmert sich weder die EU genug, geschweige denn die Börse. 18 Millionen Afrikaner sehen ihre Zukunft in Europa, auch weil ihr Leben in der Heimat bedroht ist. Die EU ist ratlos. In Deutschland wurde ein Bürgermeister von Nazis mit dem Leben bedroht, weil er Flüchtlinge aufnehmen möchte. Der Flüchtlingsstrom nimmt nicht ab und die EU spart hier an der falschen Stelle. Dafür soll aber Geld für eine Verteidigungsarmee bereitgestellt werden, um sich vor Russland zu schützen. Es ist aber auch unverständlich, warum steinreiche arabische Länder wie Saudi-Arabien und Katar diese Flüchtlinge aus anderen arabischen Ländern nicht aufnehmen, Deutschland aber Waffen in diese Länder schickt.

Scharfe Korrekturen an den Weltbörsen

Der DAX gab am 17. April um 2,79 Prozent auf 11.660 Indexpunkte nach, der EuroStoxx um 2,07 Prozent auf 3.674 Indexpunkte und der Dow Jones Industrial Index um 1,54 Prozent auf 17.826 Indexpunkte. Zuvor wurde beim DAX ein neues Allzeit-Hoch erreicht, sodass die Marktteilnehmer jetzt von einer gesunden Korrektur ausgehen, hinter der aber auch mehr stecken kann.

Moskau auch nach scharfer Korrektur Top-Performer

Der russische Aktienmarkt blieb trotz der scharfen Korrektur um 5,9 Prozent der am besten performende Aktienmarkt der Welt mit einem Plus von 26,41 Prozent auf US-Dollarbasis, in Euro sogar um weit über 30 Prozent, während der DAX am 17. April „nur“ noch ein Plus von 19,2 Prozent vorweisen konnte. Es stieg aber auch der Euro zum Rubel am 17. April um 5,23 Prozent auf 56,26 Euro/Rubel, nachdem zuvor der Rubel die stärkste Währung der Welt war, sogar gegenüber dem US-Dollar, wobei auch hier der US-Dollar am 17. April zum Rubel um 4,33 Prozent auf 51,61 US-Dollar/Rubel zulegen konnte. Der MICEX-Index auf Rubelbasis gab nur 1,79 Prozent auf 1.656 Indexpunkte nach, was ein Kursplus von 18,68 Prozent seit Jahresbeginn um 28,1 Prozent in einem Jahr bedeutet. Aber auch hier muss der Anleger in Zukunft mit größeren Kurschwankungen rechnen.

Webinar-Hinweis: Am 18. Mai 2015 wird ein kostenloses Webinar stattfinden, was eine Einführung in das Ostbörsen-Aktiengeschäft sein wird und einen Überblick über die Anlagemöglichkeiten in Osteuropa geben wird. Dem werden sich dann kostenpflichtige Webinare im Juni anschließen. Wer daran Interesse hat, meldet sich bei Godmode-Trader an.

(Redaktion)


 


 

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