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  • 18.11.2019, 08:39 Uhr
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Aktienmärkte

Allzeithoch an der Wall Street und Moskauer Börse mit hoher Performance

Die Aktienindices an der Wall Street erreichten am 16. November 2019 ein neues Allzeithoch. Der Dow-Jones-Index übersprang erstmals die 28.000er-Marke. Die Moskauer Börse bleibt Outperformer mit einem Plus von etwa 40 Prozent in Euro ab. Gold und Bitcoin entwickeln sich schwach.

Jubel an der Wall Street

Sektkorken knallten am 16. November an der Wall Street. Erstmals überschritt der Dow-Jones-Index die Marke von 28.000 Indexpunkten. Der marktbreitere S&P-Index erreichte ebenfalls ein neues Allzeithoch von 3.118 Indexunkten. Genährt wurde die Hoffnung von einer möglichen Annäherung im USA-Handelsstreit mit China. Donald Trumps Wirtschafberater Larry Kudlow äußerte sich optimistisch, dass die US-Regierung nur noch wenige Federstiche von einer Einigung entfernt sei. Und die Berichtssaison fiel in den USA bisher überwiegend positiv aus.

Ist die Euphorie zu früh?

Nicht vergessen sollten die Anleger jedoch, dass es sich beim US-Handelskonflikt mit China nur um die erste von drei Phasen handelt, die nun einvernehmlich geregelt werden könnte. Wann und ob es einer Einigung für die Phase 2 und 3 gegeben kann, steht in den Sternen. Nicht wenige meinen, dass sich die Verhandlungen bis nach den Präsidentschaftswahlen hinzuziehen könnten und es bis dahin noch erhebliche Rückschläge geben könne.

Zudem drohte US-Präsident Trump erneut, dass er die Zölle zu China deutlich erhöhen werde, wenn es keine Einigung mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping gäbe. In diesem Fall würden die Aktien an der Wall Street und weltweit wieder einbrechen – wie im Dezember letzten Jahres, als der eskalierende Handelsstreit der Auslöser für einen Kurseinbruch an der Wall Street war.

Trump steht wegen des drohenden Amtsenthebungsverfahrens unter Druck

Wenig Sorgen scheint den Anlegern bisher das von den Demokraten im Dezember 2019 angestrebte Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten Trump zu bereiten. Trump soll angeblich eine Militärhilfe von 400 Millionen US-Dollar an die Ukraine zurückbehalten haben, um zu erreichen, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj neue Ermittlungen gegen seinen demokratischen Widersacher Joe Biden aufnimmt.

Auch das „Kremlingate“ ist noch offen

Die bisherigen Anhörungen belasten Trump zwar schwer, aber solange die Republikaner ihm die Treue erweisen, ist es wenig wahrscheinlich, dass der US-Präsident tatsächlich des Amtes enthoben wird. Aber auch das „Kremlingate“, also die Untersuchungen einer möglichen Wahlbeeinflussung Russlands durch Cyberangriffe im Wahlkampf, was Trump mit initiiert bzw. gefördert haben soll, ist noch nicht abschließend behandelt und könnte auch Bestandteil des Amtsenthebungsverfahrens werden.

Aktien top – Gold und Kryptowährungen schwach

Die Börse reagierte bisher in keinster Weise auf das drohende Amtsenthebungsverfahren. Im Gegenteil: Durch die Hoffnungen auf eine baldige Einigung im US-Handelsstreit mit China erreichte der Dow-Jones- Index ein neues Allzeithoch von über 28.000 Indexpunkten. Auch die US-amerikanische Notenbank Fed förderte die Hausse, indem sie zuvor den Zinsen um 0,25 Basispunkte senkte und dem Markt 60 Milliarden US-Dollar durch den Aufkauf von Offenmarktpapieren zuführt. Nun will die Notenbank eine Zinspause einlegen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) kaufte unter der neuen Führung von Christine Lagarde ab 1.Novmber Anleihen im Volumen von 20 Milliarden Euro auf.

Der deutsche Aktienleitindex Dax stieg auf 13.246 Indexunkte und ist damit auch nicht mehr weit vom Allzeithoch von etwas über 13.600 Indexpunkten entfernt. Gold und Kryptowährungen gaben hingegen zuletzt im Kurs deutlich nach. Gold fiel am Freitag, 15. November 2019, auf 1468 USD/Unze und der Bitcoin auf 7.800 BTC/EUR.

Notenbanken sorgen für eine Blasenbildung

Die künstlichen Eingriffe die Notenbanken führen zu einer Blasenbildung an den Aktien-, Anleihen und Immobilienmärkten weltweit. Die Aktienhausse basiert also nicht auf guten Wirtschaftsdaten, sondern auf vagen Hoffnungen und künstlichen Eingriffen der Notenbanken, was die Gefahr eines Kurseinbruches im nächsten Jahr erhöht. Noch sind die Anleger aber frohen Mutes, dass nun nach der Super-Herbstrallye eine Jahresendrallye folgt.

Russische „Red Chips“ schlagen klar westliche „Blue Chips“

Noch wesentlich besser als die Aktienmärkte in den USA und Deutschland performte in diesem Jahr wieder einmal der russische Aktienmarkt. Das wurde aber von den deutschen Anlegern kaum genutzt, da es hier seitens der Banken und Vermögensverwaltungen keine kompetente Beratung gibt. Zudem wird der russische Aktienmarkt in die Medien sehr stiefmütterlich behandelt. So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten deutschen Anleger das Plus von über 40 Prozent im Durchschnitt beim russischen Aktienmarkt verpasst haben. Der RTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für russischen Aktien, in dem überwiegend russischen Energiewerte vertreten sind, erreichte mit 2.843 Indexpunkten sogar ein Plus von über 42 Prozent.

Die russischen „Red Chips“, die Standardwerte aus Russland, schlugen in der Performance klar die westlichen Blue Chips. Das war schon in den letzen drei Jahren der Fall und jeder Anleger hätte das mitmachen können. Freilich sind die politischen Risiken aber auch höher einzustufen.

Gazprom im Höhenflug

Vor allem die russischen Öl- und Gaswerte zeigen sich immer aktionärsfreundlicher und schütten immer höhere Dividenden aus. So stieg der Aktienkurs des Gasgiganten Gazprom bereits um über 80 Prozent (!) in diesem Jahr, weil zuvor die Dividende um 30 Prozent erhöht hatte. Zudem gab die dänische Regierung endlich grünes Licht beim Bau der Nordischen Pipeline, die im nächsten Jahr fertiggestellt werden soll – trotz der Drohungen der USA mit weiteren Sanktionen zu reagieren.

Dividendenfantasie sorgt für Kursprünge an der Moskauer Börse

Ähnlich positive Effekte bei Dividendenerhöhungen gab es aber auch bei Nornickel, Surgutneftegas und Lukoil, die jeweils ein neues 5-Jahreshoch erreichten. Surgutneftegas erreichte im Oktober, in einem Monat, sogar ein Kursplus von 31 Prozent und Nornickel von 16 Prozent. Nornickel profitierte dabei auch von den wegen des Diesel-Skandals stark gestiegen Palladiumpreisen.

Russischer Aktienmarkt bleibt attraktiv bewertet, ist aber auch ein „Politikum“

Sehr wichtig für die Zukunft des russischen Aktienmarktes ist, ob es nun durch den neuen ukrainische Präsident Selenskyj im Rahmen der geplanten Normandie-Gespräche auch eine Beschleunigung im Minsk-II-Prozess gibt, was aber wohl erst im nächsten Jahr entschieden wird. Noch steht der ukrainische Präsident unter Druck wegen des Amtsenthebungsverfahrens von Trump. Wichtig für Russland ist zudem, ob neue Sanktionen seitens der USA gegen Russland ausgesprochen werden oder nicht. In jedem Fall ist der russische Aktienmarkt trotz des Kursprungs der letzten Wochen – im Oktober um mehr als 10 Prozent – immer noch der am niedrigsten bewertete Aktienmarkt mit den höchsten Dividendenrenditen weltweit, was ihn auch fortan weiter attraktiv machte.

(Andreas Männicke)


 


 

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