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Automobilkrise bringt Dax unter Druck – Ruf nach Ethik und Moral in der Wirtschaft

Der deutsche Aktienleitindex Dax reagierte vergangene Woche mit starken Kursverlusten auf die Vertrauenskrise im Automobilsektor, während die Wall Street ein neues Allzeithoch erreichte. Acht Börsen in Osteuropa können weiterhin outperformen. Die Moskauer Börse hingegen entwickelt sich schwach. Gold erholt sich.

Erst die Banken-Krise, dann Euro-Krise, jetzt die Automobil-Krise. Dabei steht das wichtigste Wirtschaftsgut auf dem Spiel und das heißt Vertrauen. Die deutsche Wirtschaft boomt zwar noch – der der IFO-Geschäftsklima-Index erreichte jüngst ein neues Allzeithoch. Aber wie nachhaltig ist dies? Es bedarf gerade jetzt erhöhter Anstrengungen, um das Vertrauen wiederzugewinnen. Ich fordere schon lange mehr Ethik und Moral bei Managern und Politikern, was in Form von Ethik-Kommissionen auf Vorstandsebene – wie auch beim Aufsichtsrat – angesiedelt werden sollte. Gefragt sind jetzt hanseatische Tugenden wie Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Redlichkeit, Fairness und Transparenz.

Früher galt unter den Hanseaten ein Handschlag, der einen Vertrag ersetzt, und es galt das gesprochene Wort. Jetzt leben wir in einer Zeit der übertriebenen Egoismen à la Trump, der Täuschung, des Betrugs und der Korruption. Das neue US-Sanktionsgesetz gegen Russland, das auch europäische Energie-Konzerne betrifft, ist ein beredtes Beispiel für die Durchsetzung von egoistischen und einseitigen Wirtschaftsinteressen.

In der Medienwelt gibt es Fake News und allzu einseitige, tendenziöse Berichterstattungen. Auch hier mangelt es oft an hanseatischen Tugenden und Leitbildern. Zudem drehen Politiker sich oft im Winde, nur um die Wählergunst zu erheischen nach dem Motto: „Was kümmert mich das Geschwätz von gestern?“.

So kommt Unmut und Verdruss bei der Bevölkerung auf, aber auch bei betroffenen Kunden und den Anlegern, die sich zu Recht getäuscht und betrogen fühlen. Hier muss jetzt etwas radikal ändern – also von der Wurzel ausgehend. Die Revitalisierung der Leitbilder eines „ehrbaren Kaufmanns“ des Hanseatischen Wirtschaftverbundes, die eine lange jahrhundertlange Tradition haben, ist jetzt aktueller und dringlicher denn je.

Ungerechtfertigte Bereicherung durch zu hohe Boni

Die Manager der Deutschen Bank AG haben zwar – mehr oder weniger – freiwillig nach dem Desaster der Vorjahre auf 38 Millionen Euro an Boni verzichtet, aber es wurden immer noch viel zu viele und auch zu hohe Boni ausgezahlt. Ähnliches Eingeständnis wäre jetzt auch von Managern der Automobil-Konzerne erforderlich. Sie gehören aufgrund der hohen Gewinne immer noch zu den Spitzenverdienern unter allen Top-Managern. Die Boni bei solchen Skandal-Unternehmen sind in der Rubrik „ungerechtfertigte Bereicherung“ anzusiedeln.

Dax korrigiert, Wall Street weiter mit neuem Allzeithoch

Insbesondere aufgrund der schwachen Performance der deutschen Automobilunternehmen kam auch der deutsche Aktienleitindex Dax unter Druck. Der Dax schloss am Freitag, 28. Juli 2017 bei 12.180 Indexpunkten mit 0,29 Prozent im Minus. Im Hoch am 20. Juni lag er noch bei fast 12.900 Indexpunkten. Dagegen erreichte der Dow Jones Industrial Index (DJI) sogar 28. Juli ein neues Allzeithoch mit 21.830 Indexpunkten. Auch Gold erholte sich um 0,8 Prozent auf 1.268 US-Dollar/Unze, wobei der Goldpreis innerhalb eines Jahres immer noch um 6,2 Prozent nachgab und innerhalb von fünf Jahren sogar um 22 Prozent. Gold ist also nicht bei jeder Krise ein „sicherer Hafen“, hat aber jetzt Erholungspotenzial.

Gab es ein Auto-Kartell?

Durch die Vorwürfe von kartellmäßigen Absprachen in der Automobilbranche könnten die Kurse zwar noch weiter fallen, dann bieten sich aber auch schon wieder günstige Einstiegschancen. Krisen sind oft Chancen für Anleger, wenn sie nicht dauerhafter Natur sind. Es gilt also zu hoffen, dass die Automobilindustrie aus den gemachten Fehlern lernt und dann auch alle Kraft aufwendet, um das Zukunftsprojekt Elektromobilität tatkräftig anzugehen, denn davon wird auch die Überlebensfähigkeit der deutschen Automobilindustrie und damit dem wichtigsten Wirtschaftszweig in Deutschland in Zukunft abhängen. Dabei geht es auch um den Kampf der leistungsfähigsten Batterie. Wer die besitzt, wird die Nase in Zukunft vorn haben, wobei es allerdings auch noch an der optimalen Infrastruktur für Elektro-Autos mangelt.

Börsen aus Osteuropa können weiterhin outperformen

Wesentlich besser schnitten seit Jahresbeginn einige Börsen in Osteuropa ab. So liegen die zwei am besten performenden Börsen der Welt in Osteuropa, nämlich in Lettland und Kasachstan mit einem Plus von jeweils über 30 Prozent bei den Aktienindices, wenn man von Venezuela einmal absieht. Aber auch Börsenindices in der Türkei, Österreich, Bulgarien, Polen, Estland, Litauen, Rumänien und Slowenien können den Dax und auch den DJI klar outperformen. In den vergangenen Wochen tendierten die Aktien aber auch nur noch seitwärts. Der Cece-Index – ein Kunstprodukt der Wiener Börse mit Aktien aus Polen, Ungarn und Tschechien – stabilisierte sich bei 1.758 Indexpunkten, was immer noch ein Plus von 28,6 Prozent in einem Jahr bedeutet.

Russische Aktien bleiben wegen der „Kremlingate“ und dem neuen US-Sanktionsgesetz gegen Russland hingegen unter Druck, obwohl sich der Brentölpreis wieder auf 52 US-Dollar/Barrel erholen konnte. Der russische RTS-Aktien-Index gab am 28. Juli (in US-Dollar) um weitere 1,6 Prozent auf 1.011 Indexpunkte nach.

Putin veranlasste jetzt die Ausweisung von 700 amerikanischen Diplomaten wegen des neuen, nun auch vom Kongress verabschiedeten US-Sanktionsgesetz. US-Präsident Donald wird dieses Gesetz, das aber auch die europäischen Energie-Konzerne schädigen könnte, wohl demnächst unterschreiben. Auch hier mangelt es offensichtlich beidseitig an hanseatischen Tugenden, denn der „kalte Krieg“ geht zwischen den USA und Russland in die nächste Runde. Die neue Zauberformel heißt „Kooperation statt Konfrontation“, aber das müssen wohl auch noch einige Politiker in den USA lernen, die offensichtlich lieber einen offenen Wirtschaftskrieg haben wollen und sich damit ganz „unhanseatisch“ verhalten.

(Andreas Männicke)


 


 

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