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Aktienmärkte

Brisante Markttechnik mahnt zur Vorsicht

Die Aktienmärkte brennen aufgrund der Markttechnik und vieler Fehlentwicklungen in der Wirtschaft, was viele Anleger nicht wahr haben wollen. Deutsche Standardaktien brechen reihenweise wegen Gewinnwarnungen ein. Der Ölpreis erholt sich nach dem Opec-Beschluss. Die Moskauer Börse bleibt top. Gold kommt allmählich. Kryptowährungen sind weiter im freien Fall.

Alles brennt – wer löscht?

Brennende Wälder in Kalifornien – ein Zeichen für den Klimawandel –, brennende Autos in Paris – ein Zeichen für die Unzufriedenheit der Bevölkerungen gegenüber Emmanuel Macrons Reformpolitik, vor allem seiner Sozialpolitik, und brennende Aktienmärkte global – ein Zeichen für die Unsicherheit der Anleger und die vielen ungelösten Probleme in der globalen Wirtschaft.

Aus einem kleinen Brand kann auch ein gefährlicher Flächenbrand werden, auch an den Aktienmärkten. Aber wer kann und wer soll nun löschen? Bisher haben die Notenbanken ihre Gelddruckmaschinen angekurbelt und so eine globale Finanzkrise verhindert. Die US-amerikanische Notenbank Fed fährt jedoch seit geraumer Zeit einen restriktiven Kurs und erhöht die Zinsen. Auch im Dezember kann es eine weitere Zinserhöhung der Fed geben, womit sich die Gefahr einer inversen Zinsstruktur erhöht. Das bedeutet, dass die Renditen der kurzlaufenden Anleihen höher notieren als die der langfristigen Anleihen. Dies war immer ein Signal für einen kommenden Bärmarkt. Zudem nehmen das Geldmengenwachstum und die „Überschussliquidität“ ab.

Macron steht im Inland vor großen Herausforderungen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am 10. Dezember 2018 abends in seiner Rede zur Lage der Nation einen versöhnlichen Ton angeschlagen, um das gespaltene Land zu einen. Viele Protestler fordern mehr Demokratie und Mitspracherechte ein, aber auch eine Steigerung des Mindestlohns, Lohn- und Rentenerhöhungen. Macron hat nun endlich eingelenkt und den Mindestlohn um 100 Euro erhöht.

Börse enttäuscht von der Wahl der neuen CDU-Parteivorsitzenden

Eine Demokratiekrise kann es auch in Deutschland bald geben, wenn die neu gewählte Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbacher (AKK) es nicht schaffen sollte, den Stimmenzuwachs der AfD und der Grünen zu stoppen. Die deutsche Wirtschaft war enttäuscht über den Ausgang der Wahl. Auch die Anleger reagierten mit Aktienverkäufen, die sicherlich im Fall der Wahl von Friedrich Merz positiv reagiert hätten. In Frankreich und in vielen anderen Ländern gab es schon einen Niedergang der Volksparteien bis zur Bedeutungslosigkeit.

Harter oder weicher Brexit oder gar kein Brexit?

Große Sorgen bereitet neben Italien nun auch Großbritannien. Theresa May, Premierministerin des Vereinigten Königreichs, musste am 11. Dezember die Abstimmung über den mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelten Brexit-Vertrag verschieben, weil sie dafür im Unterhaus keine Mehrheit für sich gewinnen konnte. Nun will May mit der EU insbesondere über die Nordirland-Problematik nachverhandeln, wobei sich die EU wenig verhandlungsbereit zeigt. Wenn alles schief läuft, läuft es auf einen harten Brexit im März 2019 hinaus. Und dann wird es dabei nur Verlierer geben. Noch wächst die britische Wirtschaft mit 1,5 Prozent und die Arbeitslosenquote beträgt nur 4 Prozent. Es gibt nicht wenige Briten, die hoffen, dass das Referendum wiederholt und es gar keinen Brexit geben wird.

Britisches Pfund leidet unter den Brexit-Verhandlungen

Die britische Nationalbank rechnet mit einem Minus von 8 Prozent beim Bruttosozialprodukt in Falle eines harten Brexits, weil dann die Zölle stark erhöht werden und Lieferengpässe zu erwarten sind. Das britische Pfund ist schon jetzt um 15 Prozent zum US-Dollar gefallen und steht damit auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Auch dies ist noch nicht hinreichend an den Börsen eingepreist. Im Falle eines harten Brexits kann es auch einen Crash an den Weltbörsen geben.

Opec beschließt Fördermengenkürzungen

Die Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschloss zusammen mit Russland die Fördermengen um 1,2 Millionen Barrel am Tag zu vermindern. Zuvor hatte sich der Ölpreis auf 60 US-Dollar/Barrel fast gedrittelt und damit einen gewisse Schmerzgrenze der Opec erreicht. Ob dies ausreicht, den Ölpreisverfall aufzuhalten, bleibt abzuwarten, denn erstmals produzieren die USA mehr Öl als das Land verbraucht. Falls sich der US-Handelskrieg mit China ausweitet, kann sich dies negativ auf die globale Wirtschaft im nächsten Jahr auswirken. Dies wäre dann auch negativ für die deutsche Exportwirtschaft, die im Oktober immer noch die Exporte zum Vorjahr um 8 Prozent steigern konnte.

Gewinnwarnungen führen zu Kurseinbrüchen beim Dax

Dafür gab es eine Reihe von Gewinnwarnungen auch aufgrund von Problemen im Ausland bei einigen großen Dax-Konzernen wie Bayer, BASF, Fresenius, Fresenius Medicial Care und Covestra, deren Kurse sich jeweils seit Mai gedrittelt haben. Aber auch der Konjunkturausblick ist sehr trübe. Daher fällt nun auch der IFO-Geschäftsklimaindex mehrfach in Folge. Der deutsche Aktienleitindex Dax befindet sich bereits seit Mai in einem intakten Bärmarkt, während sich die Wall Street bisher noch recht stabil hält.

Wall Street hängt am seidenen Faden

Auch die Wall Street hängt am seidenden Faden. Sehr beachtetet werden daher jetzt die News bezüglich des US-Handelskriegs mit China, bezüglich der Abwertung des Yuans, bezüglich der endgültigen Brexit-Entscheidung, bezüglich des Haushalts in Italien, bezüglich der nächsten Fed-Zinsentscheidung bezüglich der neuen Ukraine-Krim-Krise, aber auch bezüglich US-Präsident Donald Trumps neuer Twitter-Meldung, die seinen Stabschef John Kelly mal wieder austauschte. Auch im Weißen Haus brennt es also lichterloh. Es gibt derzeit also viele Unsicherheitsfaktoren und Schwelbrände an der Börse, wobei die Marktechnik angeschlagen ist. Es genügt dann bereits ein Funke, um einen Flächenbrand auszulösen. Zu beachten gilt es auch, dass die Immobilienpreise in Australien bereits um 15 Prozent gefallen sind. Auch in China gibt es eine gefährliche Immobilienblase.

Moskauer Börse bleibt top

Der Dax erholte sich zwar am 11. Dezember trotz der verschobenen Brexit-Entscheidung um fast 2 Prozent auf über 10.800 Indexpunkte. Damit ist der Dax dennoch seit Mai in einem intakten Bärmarkt. Seit Jahresbeginn verlor der Dax fast 18 Prozent, während der S&P-Index in den USA mit etwas über 2.600 Indexpunkten nur knapp mit 1,5 Prozent im Minus ist und damit noch besser abschnitt als Gold in US-Dollar.

Mit am besten schnitt bis 11. Dezember im Jahr 2018 unter den großen Börsen einmal wieder mehr die Moskauer Börse ab. Der RDX-Index, das Kunstprodukt der Wiener Börse für russische Standardaktien, stieg am 11. Dezember um 0,7 Prozent auf 1.379 Indexpunkte. Die russischen Öl- und Gasaktien stiegen im Durchschnitt um etwa 30 Prozent in diesem Jahr, wobei der Gaskonzern Novatek wieder einmal wesentlich besser performte als Gazprom.

Gold nur leicht erholt

Auch der Goldpreis konnte sich ein wenig auf fast 1.350 US-Dollar/Unze erholen. Er ist damit aber immer noch seit Jahresbeginn mit 4 Prozent im Minus, Silber sogar mit 14 Prozent im Minus bei einem Preis von 14,6 US-Dollar/Unze. Kryptowährungen befinden sich wie erwartet weiterhin im freien Fall. Der Bitcoin fiel auf 3.000 BTC/Euro.

(Andreas Männicke)


 


 

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