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Es ist 5 vor 12 – droht nach der Corona-Krise ein System-Crash?

Nach wie vor beherrschen das Coronavirus und Covid-19 die Medien, die Politik, die Wirtschaft und die Weltbörsen. Die Börsen haben sich nach dem Corona-Crash zwar etwas erholt, stehen möglicherweise aber vor einer neuen Abwärtswelle, sobald die ersten großen Insolvenzen bekannt werden. Dennoch bietet die Corona-Krise auch Chancen. Börsenexperte Andreas Männicke kommentiert die brisante Situation.

Es scheint kein anderes Gesprächsthema mehr zu geben. Alles dreht sich nur um das Coronavirus und alles richtet nach den Empfehlungen der Virologen, die im Moment sagen, wo es lang geht. Der von fast allen Politikern der Welt angeordnete Shutdown wird zu der schwersten Wirtschaftskrise in der Nachkriegszeit führen.

Erste Lockerungen im Mai machen Hoffnung

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab nun endlich die ersten Lockerungen des Shutdown bekannt: Einige Läden dürfen wieder öffnen, die Schulen werden je nach Alter der Schüler allmählich geöffnet und sogar Spielplätze und Gotteshäuser sollen bald wieder geöffnet werden, dies aber alles noch unter Einhaltung von Abstandsregeln, was das Einkaufen erschwert und viele Menschen mehr Zeit kostet. Nicht nur bei Banken bilden sich jetzt lange Warteschlangen, womit die Wirtschaft auch nur sehr langsam wieder in Schwung kommen kann.

Droht nun sogar ein System-Crash?

Falls aber zu einer Pleitewell und Massenarbeitslosigkeit kommen sollte, droht sogar auch ein System-Crash, also eine Depression und Bankenpleiten, die einen Bankenrun auslösen können. Viele europäische Banken kommen schon jetzt in Not und schließen Filialen. Die Mitarbeiter werden ins Homeoffice geschickt. Die europäischen Banken haben im Gegensatz zu den US-Banken zu wenige Rückstellungen für eine schwere Krise gebildet.

Die Rezession bringt viele neue Arbeitslose und erhöht die Armut weltweit

In den USA gibt es schon 30 Millionen Arbeitslose. In Deutschland sind es 10 Millionen Menschen, die Kurzarbeitergeld beziehen und damit einen erheblichen Einkommensverzicht hinnehmen müssen, was dann auch den Konsum belasten wird. In China gab das Bruttosozialprodukt (BSP) um über 6 Prozent nach. In Deutschland und auch in den USA dürfte der Konjunktureinbruch noch stärker sein, was alle Frühindikatoren schon jetzt signalisieren – wie ein äußert schwacher IFO-Geschäftsklima-Index. Die Rezession dürfte auch stärker ausfallen als nach der Bankenkrise im den Jahren 2008 und 2009. Für Deutschland wird bis Jahresende auch ein Minus von über 6 Prozent des BSP erwartet. Vor allem die Armen sind von der Corona-Krise stark betroffen. In den USA droht vereinzelt sogar eine Hungersnot bei den Armen.

Kaum ein US-Unternehmen wagt einen Ausblick während der Berichtssaison

Die gerade laufende Berichtssaison in den USA verläuft zwar noch relativ positiv, aber kaum ein Unternehmen wagt einen Ausblick für das Gesamtjahr. Es kommt jetzt sehr darauf an, wie schnell die Lockerungen de Maßnahmen erfolgen und wie schnell sich dann de Wirtschaft unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln auch in der zweiten Jahreshälfte erholen kann.

War der Shutdown in der Form wirklich notwendig und angemessen?

Immer mehr fragen sich jetzt, ob ein von den maßgeblichen Virologen empfohlener globaler Shutdown wirklich notwendig war, zumal die wirtschaftlichen Folgen unabsehbar sind und im schlimmsten Fall sogar zu einem Systemcrash und einer Depression führen können. Es werden zwar von den Notenbanken und den Regierungen enorme Finanzmittel zur Verfügung gestellt, um einen Insolvenzwelle und Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden, aber es ist die Frage, ob das ausreichen wird. Die großen Konzerne wie Lufthansa, an denen sich der Staat jetzt mit 25 Prozent beteiligen will und 10 Milliarden Euro zur Verfügung stellen wird, werden sicher gerettet werden, aber viele Solo-Unternehmer und auch mittelständische Betriebe könnten in die Insolvenz kommen.

Es wird jetzt also von vielen jetzt kontrovers diskutiert, ob der von der Politik angeordnete Shutdown wirklich klug, maßvoll, angemessen und wirklich notwendig war, zumal er mit auch viele Freiheitsrechte und Grundrechte einschränkt. Die Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen; das ist wohl richtig. Und dennoch ist eine Diskussion vor allem mit den Virologen und Medizinern, Psychologen und Wirtschaftsfachleuten notwendig, die ein Konzept erarbeiten, so dass es einen Schutz von alten Menschen mit Vorerkrankungen geben kann, ohne dass es zwangsweise zu einem Lockdown kommt.

Gesundheit geht vor, aber die Wirtschaft geht dabei zugrunde

Nach dem Hamburger Gerichtsmediziner Prof. Klaus Püschel sterben an dem Coronavirus vor allem über 80-Jährige mit erheblichen Vorerkrankungen. Kann man diese nicht besser schützen, ohne dass es zu einem Shutdown der Wirtschaft kommt? Bei einem Shutdown werden zu viele Unternehmen, vor allem Solo-Unternehmer, wie auch Künstler und Musiker in ihrer Existenz ernsthaft bedroht und damit Menschen, die ihre Familien ernähren müssen. Denn je länger der Shutdown anhält, umso mehr werden Milliarden von Menschen in ihrer Existenz bedroht und Millionen von Unternehmen und Banken ebenfalls. Dies gilt es nun abzuwägen gegenüber dem berechtigten Schutz von alten Menschen mit Vorerkrankungen. Die neue „Normalität“ mit dem Coronavirus zu leben, soll angeblich mindestens zwei Jahre dauern, bis der Impfstoff da ist. Die Politik muss aufpassen, dass sie bei falschen und unangemessenen Maßnahmen nicht für einen System-Crash sorgt.

Regierungen haben bei der Gesundheitsvorsorge weltweit versagt

Fast alle Regierungen auf der Welt haben offensichtlich keine hinreichend Vorsorge für eine Pandemie. Dies trifft auch auf die Bundesregierung zu, obwohl es doch ein Gutachten vom Robert-Koch-Institut gibt, das in einer Bundesdrucksache 2013 veröffentlich wurde. Das Institut hat also schon im Jahr nach dem Sars-Virus vor den Folgen einer neuen Pandemie gewarnt. Die Bundesregierung hat sich jedoch nicht an diese Warnung gehalten, sonst wäre sie besser vorbereitet gewesen.

Deutschland als Bananenrepublik

Es fehlt überall an Schutzmasken, Beatmungsmasken, Desinfektionsmittel, was eine Katastrophe für Deutschland als eines der reichsten Länder der Welt ist. Dies hätte man alles einlagern und vor allem eigenen Land produzieren können, auch wenn es teurer als im Inland ist. Die Fehler der Globalisierung werden nun offensichtlich, was zum Teil zur De-Globalsierung führen wird und muss. Hoffentlich lernt man auch aus der Corona-Krise und macht es nächstes Mal besser. Auch sollte für solchen Pandemie-Fälle zumindest ein staatliches Krankenhaus in einer Großstadt betreiben werden, das auch mit Verlusten arbeiten darf, dafür aber immer hinreichend Intensivbetten mit Beatmungsgeräten sofort zur Verfügung hat. Auch viel Arzneimittel sind jetzt nicht erhältlich, weil sie in China produziert werden. Hier agiert Deutschland so planlos wie eine Bananenrepublik.

Wer zahlt nachher die Zeche?

Dann hätte so ein Shutdown wohlmöglich vermieden werden können, der nun den Steuerzahler mehr als 1 Billion Euro kosten wird. Damit könnte man leicht hunderte von defizitären Krankenhäusern finanzieren. Einige Millionen hätten dafür schon ausgereicht inklusive Testgeräte, Beatmungsgeräte, Desinfektionsmittel und Schutzmasken auf Vorrat. Dies hätte man selbstverständlich auch auf Vorrat für die Altenpflegeheime einlagern sollen, damit im Pandemiefall immer ausreichen zur Verfügung stehen. Die Frage ist zudem: Wer zahlt nachher die Zeche? Natürlich der Steuerzahler, also wir alle!

Viele offene Fragen, wenige Antworten

Es bleiben trotz der täglichen Berichterstattung und den Pressekonferenzen des maßgeblichen Robert-Koch-Instituts viele Fragen offen:

  1. Warum werden nicht alle Corona-Toten obduziert, um herauszufinden, woran der Tote in Wahrheit gestorben ist?
  2. Gibt es Corona-Tote ohne Vorerkrankungen, also Menschen, die nur durch das Coronavirus gestorben?
  3. Ist bisher die Gesamt-Mortalität gestiegen, zumal es jetzt immer weniger Verkehrstote und weniger Herzinfarkte gibt? 
  4. Wie schützt man alte Menschen mit Vorerkrankungen demnächst besser – vor allem in Altenpflegeheimen? Gibt es dafür ein Konzept? 
  5. Ist die Maskenpflicht wirklich sinnvoll? 
  6. Ist eine Impfpflicht sinnvoll oder dient das nur der „Big Pharma“? Was ist, wenn ein neues Virus 2021 auftaucht und zur Pandemie wird? 
  7. Wie ist die Corona-Pandemie bis jetzt im Vergleich zu einer schweren Grippe-Welle einzustufen? Gibt es mehr oder weniger Tote? Die Zahl der Infizierten ist weder bei einer Grippe-Welle noch bei der Corona-Pandemie genau zu beziffern, da nicht alle getestet werden, die infiziert wurden.  
  8. Gibt es ein Konzept ohne Shutdown bzw. Lockdown, falls eine neue Pandemie oder zweite Pandemie-Welle auftaucht? 
  9. Wann gib es endlich eine Corona-App, die es in andren Ländern wie Island schon gibt.

Ist Island ein Vorbild?

In Island wurde mittels einer Corona-App ermittelt, dass von Kindern keine Übertragung des Virus stattgefunden hat. In Island gibt es übrigens schon wieder einen normalen Schulbetrieb ohne Abstandsregeln. Ist Island ein Vorbild? Diese und viele weitere ungeklärte Fragen sollten die Politiker jetzt mit ihren „Experten“ besprechen und darauf auch Antworten geben, denn es ist 5 vor 12.

Unternehmen brauchen Planungssicherheit und Perspektive

Einen dauerhaften und immer wiederkehrenden Shutdown verkraftet keine Wirtschaft. Kein Unternehmen wird investieren, wenn es bei jeder Pandemie-Welle zum Stillstand gezwungen wird. Auch Unternehmer brauchen ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Oder wollen die Regierungen dauerhaft Massenarbeitslosigkeit und eine Depression von oben anordnen? Dann kommt es unweigerlich früher oder später zum System-Crash mit weit schlimmeren Folgen als die Pandemie. Jetzt ist die Politik gefragt, kluge Antworten der Bevölkerung zu geben, sonst gehen die Menschen auf die Barrikaden, wie jetzt schon in den Vororten von Paris oder vereinzelt sogar bewaffnet in den USA.

In Deutschland keine Überlastung der Krankenhäuser und viele Leerkapazitäten

Die gegenwärtigen Zahlen liegen weit unter den Schätzungen, was die Gesundheitsorganisation WHO und auch die Bundesregierung zuvor uns glaubhaft machen wollten, aber es könnte durchaus eine zweite Pandemie-Welle im Herbst folgen, was abzuwarten bleibt. Bisher gibt es in Deutschland bei Weitem keine Überlastung der Krankenhäuser durch Corona-Patienten. Im Gegenteil: Es stehen viele Betten für Intensivpflege mit Beatmungsgeräten leer und sie werden wohl auch nicht mehr voll. Daher sollen jetzt auch nicht mehr so viele Operationen verschoben werden.

USA am meisten vom Coronavirus betroffen

Weltweit sind bis zum 2. Mai etwa 3,4 Million Menschen vom Coronavirus infiziert, wobei nur die getesteten in die Statistik kommen. Davon sind über 1 Million schon genesen, aber 240.000 gestorben. Die meisten Fälle in einem Land gibt es den USA mit über 1 Million Infizierten und über 65.000 Toten. Da die USA am meisten betroffen sind, wollen sie nun China sanktionieren, da China angeblich die Welt belogen habe und das Virus auch zu spät bekämpft habe.

Woher kommt das Coronavirus?

Es gibt zudem Untersuchungen seitens der USA, ob das Coronavirus nicht doch aus ein Labor in Wuhan wesentlich verbreitet wurde, oder ob es gar künstlich im Labor hergestellt wurde, um vor allem die USA zu schädigen. Anderseits untersucht China, ob die USA bei einem Militär-Sportfest in China mit Beteiligung von US-Amerikanern nicht absichtlich das Virus in Wuhan verbreitet hat. Diese gegenseitigen Beschuldigungen und Vermutungen können noch zu einer größeren Auseinandersetzung zwischen den USA und China führen. Hoffentlich führt das in letzter Konsequenz nicht zum dritten Weltkrieg.

Afrika als neue Problemregion

In ganz Europa gibt es 1,1 Millionen Infizierte und 140.000 Corona-Tote. Problemländer in Europa sind auch weiter Italien, Spanien und jetzt vor allem Großbritannien mit jeweils mehr als 25.000 Toten. Dort sind überall die Gesundheitssysteme sehr schlecht. Noch gravierender werden wohl demnächst die Probleme in Afrika sein, wo nur die wenigsten getestet werden. Es bleibt abzuwarten, wo dort die Zahl der Toten demnächst steigt.

Putin verlängert die „Corona-Ferien“

In Russland gibt es bisher 135.000 Infizierte, 16.600 Genesene und 1.280 Tote, was im europäischen Vergleich noch relativ gering ist. Allerdings steigen jetzt sehr stark die Zahlen der Infizierten vor allen in den Regionen, weil jetzt mehr getestet wird. Der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin hat laut Focus gesagt, dass es sogar 250.000 Infizierte in Russland gibt. Der russische Präsident Wladimir Putin verlängerte die staatlich angeordneten „Corona-Ferien“ bis zum 11. Mai. Bis dahin dürfen bzw. müssen alle Bürger auf Staatskosten bei voller Lohnfortzahlung zu Hause bleiben. Jedes Land hat seine eigenen Maßnahmen, die aber alle zu Einschränkung und Freiheitsberaubung der Menschen und Unternehmen führen.

Tourismusbranche bleibt in Not

Es gibt auch hier kein einheitliches europäisches Vorgehen zur Bekämpfung der Pandemie, was vielfach kritisiert wird. Polen streitet darum, die Präsidentschaftswahlen am 10. Mai stattfinden zu lassen. In Deutschland wurde jetzt schon das Oktoberfest abgesagt. Die internationale Reisewarnung gilt bis zum 11. Mai. Man darf nun aber gespannt sein, wann die Grenzen wieder geöffnet werden und wann die ersten Urlaubsflüge wieder ermöglich werden. Solange die Flieger noch am Boden sind, bleibt auch die Wirtschaft am Boden. Der Shutdown schadet vor allem dem Tourismus, also Hotels, Restaurants, Bars, dem gesamten Gastronomiebereich, der immerhin 10 Prozent des weltweiten BSP ausmacht. Die Grenzen müssen so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Auch hier ist es 5 vor 12!

Ist der schwedische Weg der bessere?

Wesentlich besser in Europa und auf der ganzen Welt schneidet Deutschland unter den großen Industrienationen ab mit 165.000 Infizierten, 130.000 Genesenen und „nur“ über 6.800 Toten ab. Die Reproduktionszahl liegt in Deutschland jetzt bei 0,78, was die maßgebliche Zahl ist, die weitere Lockerungen zulässt. In Schweden, das keinen vollständigen Shutdown der Wirtschaft und Schulen beschlossen hat, gibt es bisher etwa 22.300 Infizierte und 2.679 Corona-Tote, was im Verhältnis zu Deutschland etwa die dreifache Zahlen an Toten ist. Aber die Zahl der Neuinfizierten sank im Mai dramatisch, so dass auch Schweden auf einem guten Weg zu sein scheint. Daher räumen einige Mitglieder der WHO jetzt ein, dass das schwedische Modell doch erfolgreich und besser sein könnte, da die Wirtschaft dort nicht an den Abgrund geführt wird. Noch besser scheint aber der Weg in Island zu sein – auch durch die Corona-App.

Nach dem Corona-Crash starke Kurserholung an allen Weltbörsen

Nach dem Corona-Crash im März erholten sich die Aktienkurse im April an den Weltbörsen kräftig. So stieg alleine der deutsche Leitindex Dax ausgehend vom Tief um 28 Prozent von 8.500 auf 1.200 Indexpunkte. Ähnlich stark war die Kurserholung an der Wall Street. So stieg der S&P 500 Index von unter 2.300 auf über 2.900 Indexpunkte, nachdem er im März wegen der Corona-Krise und des Shutdown von 3.400 auf 2.300 Indexpunkte einbrach.

Amazon und Netflix erreichen Allzeithoch

Einige Nasdaq-Unternehmen erreichten sogar neue Allzeithochs wie Amazon und Netflix. Der Online-Handel blüht jetzt weltweit. Die Berichtsaison für das erste Quartal 2020 verlief in den USA bisher zwar überwiegend positiv, aber fast kein Unternehmen wagt einen Ausblick, was verständlich ist, aber die Analysten und Anleger im Dunkel lässt.

Kommt nun eine weite Abwärtswelle an den Weltbörsen?

Am Freitag, 1. Mai 2020, gab der Dax schon wieder um 2,8 Prozent auf 10.800 Indexpunkte nach. Es ist zu befürchten, dass bei Bekanntgabe der schwachen Zahlen für das zweite Quartal die Kurse noch einmal nachgeben und sogar den tiefsten Punkt noch einmal unterschreiten können. Das wird insbesondere dann der Fall sein, wen die ersten Insolvenzen von Bedeutung gemeldet werden, die nicht vom Staat aufgefangen werden können. Erst recht werden die Kurse einbrechen, falls die erste Bank durch die Corona-Krise Pleite geht. Daher ist es auch für die Börsen jetzt 5 vor 12.

Starker Ölpreisverfall

Die Moskauer Börse litt nicht nur durch den Shutdown der Wirtschaft, sondern auch durch den Ölpreisverfall. Öl und Gas sind immer noch die wichtigsten Einnahmequellen für Russland. Der Brentölpreis brach in einem Jahr um 63 Prozent bzw. in 3 Monaten um 51 Prozent auf 20,6 US-Dollar/Barrel ein und der WTI-Ölpreis sogar um 68 Prozent auf unter 20 US-Dollar/Barrel.

Beim WTI-Terminkontrakt für April kamen die Preie sogar mit 30 Prozent ins Minus, weil keine das per Termin gekaufte Öl erwerben wollte. Wer dann WTI-Öl kaufte und es sich liefern ließ, bekam sogar Geld, was es vorher noch nie gab. Die Lager waren überall voll und die Lagerung von Öl daher sehr teuer. Viele Luftfahrtgesellschaften lösten die Terminverträge auf, da die Flugzeuge am Boden blieben. Keiner wollte das per Termin gekaufte Öl mehr abnehmen. Zu einer ähnlichen Konstellation kann es auch noch einmal jetzt im Mai beim WTI-Öl kommen, aber nicht bei der Sorte Brent. Da dort nicht geliefert werden muss.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschloss zwar zusammen mit Russland die Fördermengen ab 1. Mai um 9,6 Millionen Barrel zu verringern. Es ist aber fraglich, ob dies ausreicht, denn die Nachfrage nach Öl brach weltweit um über übe 30 Prozent ein. Die Flugzeuge bleiben fast alle am Boden und es wurde viel weniger mit dem Auto gefahren wegen des Shutdown. Der Ölpreis dürfte erst wieder nachhaltig steigen, wenn weltweit der Shutdown beendet wird. Wenn der Ölpreis so niedrig bleibt, könnte die gesamt Fracking-Industrie in den USA zusammenbrechen und dahinter stecken immerhin über 100 Milliarden US-Dollar an riskanten Anleihen. Aber US-Präsident Donald Trump wird eine Pleiteweile bei US-Ölkonzernen wohl zu verhindern wissen, zumindest bei den großen Konzernen. Aber auch hier ist es 5 vor 12.

Gold und Goldaktien bleiben gefragt

Aufgrund der starken gefallenen Ölpreisen brach der russische RDX-Index im Februar und März von 2.000 auf 1.000 Indexpunkte ein, erholte sich aber wieder auf 1.332 Indexpunkte, also ausgehend vom Tief sogar um 32 Prozent, wobei der RDX-Index am 1. Mai 2020 um 2,31 Prozent auf 132 Indexpunkte konsolidierte. Gazprom brach seit Februar von 7 auf 4 Euro ein, erholte sich nun wieder auf 4,6 Euro. Lukoil fiel von 90 auf 40 Euro, erholte sich jetzt wieder auf 58 Euro. Ähnlich waren die Kursverläufe bei anderen russischen Standartwerten. Nur die russischen Goldaktien konnten klar outperformen und erreichten sogar neue Jahreshöchstkurse, da der Goldpreis auf über 1.700 USD/Unze anstieg. Er stieg damit in einem Jahr um 32 Prozent an. Die Gold-ETF bekamen starke Zuflüsse. In Deutschland war Gold als Anlage sehr begehrt und Goldmünzen zum Teil ausverkauft.

Osteuropabörsen können erneut selektiv outperformen

Zehn Börsen in Osteuropa zählen auch jetzt schon wieder zu den Top-Performern der Welt. Wobei Top-Performer im März die Börsen sind, die am wenigsten Verluste gemacht haben, wie die Börse Kiew, die baltischen Börsen (Estland, Litauen, Lettland) und einige Börsen in Südosteuropa wie (Slowenien). Die Ukraine ist jetzt auch interessant, weil dort im Sommer die nächsten Normandie-Gespräche stattfinden sollen.

(Andreas Männicke)


 


 

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