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EU-Austritt Großbritanniens als Kaufchance für hartgesottene Trader

US-Präsidentschaftswahl als gutes Omen?

Wie es nun aber im Sommer weiter geht, ist ungewiss. Bei US-Präsidentschaftswahlen gibt es oft eine Sommerrallye in den USA und dann auch an den Weltbörsen. Was in Großbritannien und in Italien passierte, kann sich auch in den USA ereignen – nämlich eine Abwahl des Establishments und der politischen Elite. Dies würde aber bedeuten, dass Donald Trump die Wahl vor Hillary Clinton gewinnen müsste. Beide Kandidaten sind nicht gerade ein Garant für den Weltfrieden. Unklar ist auch, ob die amerikanische Notenbank Fed nach dem Brexit noch einmal die Zinsen erhöhen wird oder gar zu einem weiteren „QE“ (englisch für „quantitative easing“) übergeht, also wieder Geld drucken wird.

Ungewissheit über die Zukunft Europas hält an

Auf der anderen Seite ist es noch sehr ungewiss, wie es nun in Europa weitergehen wird. Eine Reihe weiterer Referenden würde die Unsicherheit in Europa zusätzlich erhöhen. Die nächste Wahl, die eine Richtung vorgeben wird, ist die Präsidentschaftswahl in Österreich, die wegen falscher Stimmen-Auszählung nach dem Beschluss des österreichischen Bundesverfassungsgerichts nun wiederholt werden muss. In Spanien wiederholte sich nach den Neuwahlen am 26. Juni die Pattsituation, was die Schwächen einer Demokratie aufzeigt, wenn keine klaren Mehrheiten entstehen. Eine ähnliche Situation gibt es in Portugal. In Italien besetzen jetzt EU-Skeptiker der 5-Sterne-Partei sogar Bürgermeisterposten wie in der Hauptstadt Rom.

Letzter Weckruf für die EU-Bürokraten

Die EU- und Euro-Skeptiker werden in ganz Europa den Rückenwind nutzen, um Wählerstimmen anzuziehen, was ihnen sogar gelingen könnte. Schottland hat mehrheitlich für ein „Remain“ gestimmt und wird möglicherweise auch ein Referendum anstreben. Jedes neue Referendum ist aber ein Unsicherheitsfaktor für Europa und damit auch für die Anleger in Europa. Für die EU-Bürokraten ist dies wohl der letzte Weckruf, wieder bürgernäher, unbürokratischer und vor allem transparenter zu werden.

Gefahr von Dominoeffekten in Europa

Der Alleingang des EU-Kommissionschefs Jean-Claude Juncker war ein Eigentor und der von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bewältigung der Flüchtlingsproblematik ebenfalls. Nun versucht die EU wieder mehr Einigkeit auszustrahlen, was mit der Abstimmung der Sanktionen gegen Russland allerdings an der falschen Stelle geschah. Es besteht immer noch die Gefahr von Dominoeffekten in Europa, worauf auch George Soros hinwies.

Politisches Chaos in Großbritannien

In Großbritannien besteht auch große Unsicherheit, wer der neue Premier im Oktober wird und was Schottland nun machen wird. Es herrscht das politische Chaos in England. Zudem muss jetzt genau analysiert werden, wie groß die Folgenwirkungen für die europäischen Banken sein werden. Hier kann es sein, das der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi in Zukunft mehr Bankanleihen aufkaufen wird, um die Märkte zu beruhigen. Dabei handelt es sich aber um die größte Marktmanipulation in der Nachkriegszeit.

Draghi sorgte dafür, dass zehnjährige italienische Anleihen in der Rendite auf 1,4 Prozent fielen, was unter dem Niveau in den USA liegt. Dadurch verdienten italienische Banken in den vergangenen Jahre mehr als 300 Milliarden Euro, während deutsche Sparer mehr als 300 Milliarden Euro an Sparzinsen entgingen. Dadurch konnte es auch vermieden werden, dass die notleidenden Kredite (Non-Performing Loans) im Volumen von mehr als 300 Milliarden in Italien zum Kollaps führten. Draghi hat also in erster Linie die europäischen Sparer quasi enteignet, um Italien zu retten. Man darf sich aber auch fragen, was passiert wäre, wenn er das nicht gemacht hätte.

Notenbanken versuchen zu retten, spielen aber nur auf Zeit

Die englische Notenbank hat angekündigt, dass sie die Zinsen im Sommer wieder senken werde. Was die amerikanische Notenbank Fed im Sommer machen wird, ist ungewiss. Es ist aber auch ganz klar, dass es die Notenbanken zu verantworten haben, dass Blasen im Anleihen- und Immobilienmarkt entstehen, die sich dann crashartig auflösen werden und in Zukunft zu einem Systemschock führen können. Spannend wird es schon jetzt, wie sich der englische und hier insbesondere der Londoner Immobilienmarkt nach dem Brexit künftig entwickeln werden. Die Notenbanken spielen bisher erfolgreich auf Zeit, lösen aber strukturelle Probleme nicht. Die Zeitbomben ticken zwar weiter, aber dennoch kann es eine Sommerallye an den globalen Aktienmärkten geben. Der Anleger sollte also auf alles gefasst sein, auch auf steigende Kurse nach dem Brexit-Schock, wie schon vergangene Woche.

Moskauer Börse als „Oase der Stabilität“

Eine „Oase der Stabilität“ war übrigens – man höre und staune – die Moskauer Börse vor und auch nach dem Brexit. Der RDX-Index gab zwar am 24. Juni in Euro nur um knapp über 1 Prozent nach und der RTS-Index um 3 Prozent in US-Dollar (wegen des schwachen Euros); er war damit aber ein relativer Oupterformer unter den Weltbörsen. Der RDX-Index stieg nun wieder auf 1.090 Indexpunkte, was nahe dem Jahreshoch liegt. Damit tendiert die Moskauer Börse seit Mai stabil seitwärts. Der RDX-Index in Euro und auch der RTS-Index in US-Dollar bleiben mit einem Plus jeweils weit über 20 Prozent nach Peru (plus 38 Prozent) die am zweitbesten performende Börse der Welt. Der Rubel stieg sowohl zum Euro auf 71,05 Euro/Rubel als auch zum US-Dollar auf 63,77 US-Dollar/Rubel in der vergangenen Woche an und ist damit seit Mitte Februar zusammen mit dem Yen einer der stärksten Währungen der Welt. Der Brentölpreis stieg am Freitag um 1,84 Prozent auf 50,63 US-Dollar/Barrel während der WTI-Ölpreis um1,13 Prozent auf 48,51 US-Dollar nachgab.

(Redaktion)


 


 

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