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Fondskongress Mannheim: Phase der wichtigen Entscheidungen für die Weltbörsen beginnt

Viele Fondsmanager gaben auf dem Fondskongress am 30./31. Januar 2019 in Mannheim einen verhalten positiven Ausblick für dieses Jahr und zwar sowohl für die Aktien- als auch die Rohstoffmärkte. Andere Referenten waren wiederum der Überzeugung, es werde weiter sehr volatil bleiben. Einige rechneten sogar mit einem Crash im Jahr 2019. Mit am besten schnitt bisher weiterhin die Moskauer Börse ab. Gold erholte sich ein wenig.

Während des wie immer sehr gut besuchten Fondskongresses in Mannheim war die Stimmung trotz des schwachen Aktienjahrs 2018 sehr positiv und hoffnungsvoll. Mehr als 120 Fondsmanager trugen ihre Investmentideen vor.

Für viel Diskussions- und Gesprächsstoff sorgten die absichtlich etwas provokativen Vorträge von Friedrich Merz, Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock, der vor allem auf die großen Herausforderungen für Europa aufgrund der starken Konkurrenz aus China auch im Technologiebereich einging, und SPD-Politiker Thilo Sarrazin, der die Folgen der Migrationspolitik für Deutschland und Europa beschrieb, was sicherlich beides sehr wichtige Themen sind.

Gute Chancen für Emerging Markets

Anlass zur Hoffnung gaben auch Vorträge wie der des bekannten Vermögensverwalter und Fondsmanager Dr. Jens Erhardt, der zumindest für das erste Halbjahr aufgrund der neuen monetären Entwicklung viel Spielraum nach oben sieht. Carlos von Hardenberg von Möbius Capital Markets glaubt daran, dass nun die beste Dekade für Emerging Marktes aufgrund der niedrigen Bewertung und guten Wachstumsaussichten beginne, die im letzten Jahr aber noch enttäuschten. Der erst im letzen Jahr lancierte Emerging Market Fonds von Möbius setzt vor allem auf Small und Mid Caps in den Schwellenländern.

Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank AG, war sehr positiv für Rohstoffe gestimmt wegen der anhaltend hohen Nachfrage aus China und den enormen Infrastrukturinvestitionen wie das Projekt „One belt – one road“, also dem Seidenstraßenprojekt von China bis nach Duisburg, in das neben Russland fast 70 weitere Länder beim Bau von Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen und Flughäfen, also großen Infrastrukturinvestitionen, einbezogen sind. Dieses Mega-Projekt ist den USA ein Dorn im Auge, weil es damit viele Länder stärker an China bindet. China werde, so Weinbergs Meinung. in einigen Jahren Marktführer auch in wichtigen Technologiebereich wie künstliche Intelligenz und E-Mobilität. So soll die Produktion von E-Autos von gegenwärtig 1 auf 7 Millionen Stück bis 2015 ansteigen. Dafür wird in Zukunft viel mehr Kupfer und Nickel gebraucht.

Dagegen blieb der Vermögensverwalter und Fondsmanager Prof. Max Otte weiter skeptisch, indem er 2018 nur als Vorboten für eine noch bevorstehende „richtige Krise“ ansieht. Auf diese Krise freut er sich, weil er dann wieder billiger Qualitätsaktien aufkaufen kann. Von einem „End Game“ für die globalen Finanzmärkte aufgrund der zu hohen Verschuldung und einem Zusammenbruch des Euros bis 2023 sprachen die Crash-Propheten Mark Friedrich und Matthias Weik, die etwa an eine Pleite der Deutschen Bank glauben. Ihr Thema war: „Nach der Krise ist vor der Krise“. Insofern gab es auf dem Fondskongress in Mannheim auch einige Warner mit einem sehr skeptischen Ausblick. In der Tat scheint das Money- und Risk-Management insbesondere in diesen volatilen Zeiten von immens großer Bedeutung zu sein. Und auch hier gibt es eine große Auswahl von Fonds, die dieses berücksichtigen, zudem ein neues Zertifikat aus der Schweiz, was an den Aktien- und Rohstoffmärkten auf Basis eines Handelsystems auf steigende und fallende Kurse setzen kann mit einer Renditeerwartung von 20 Prozent per anno.

Politiker stehen vor wichtigen Entscheidungen und Weichenstellungen

Nach dem guten Börsenstart 2019 stehen Politiker nun vor wichtigen Entscheidungen für die Weltwirtschaft. Dazu zählen etwa der US-Handelskrieg mit China, der Brexit und der Streit um die Präsidentschaft in Venezuela. Die USA und Russland haben den Atomabrüstungsvertrag gekündigt, was nicht nur mehr Aufrüstung, sondern auch eine Verschärfung des „kalten Krieges“ zwischen den USA und Russland bedeuten könnte. Japan und China rüsten weiter gewaltig auf. In Venezuela droht ein Stellvertreterkrieg USA gegen Russland hinter den Kulissen, da US-Präsident Donald Trump eine militärische Option offen hält.

US-Notenbank sorgt für Rückenwind an den Aktienmärkten

Etwas Rückenwind bekamen die Weltbörsen in der letzten Januarwoche durch die 180-Grad-Drehung des US-Notenbankchefs Jerome Powel, der nun auf die Sorgen der Finanzmärkte mehr hören und die Geldpolitik flexibel und nicht mehr per „Autopilot“ gestalten will. Zuvor wollte er dem Markt wie ein Autopilot 50 Milliarden US-Dollar pro Monat durch Wertpapierverkäufe entziehen und auch die Zinsen in diesem Jahr noch zweimal anheben. Dies hätte die Gefahr einer inversen Zinsstruktur erhöht, was – wie schon immer – ein Vorbote für eine Rezession im Folgejahr gewesen wäre. Diese Gefahr ist aber vorerst gebannt. Von beiden ist jetzt keine Rede mehr, sondern von einer Zinsanhebungspause im ersten Halbjahr 2019 und einer Beendigung der Wertpapierverkäufe. Nach der Meldung zogen vor allem die US-Aktienmärkte zuletzt kräftig an.

Weltbörsen mit sehr gutem Start zum Jahresbeginn

Der Dow-Jones-Index (DJI) stieg auf über 25.300 Indexpunkte und der deutschen Leitindex Dax auf über 11.300 Indexpunkte, was allerdings auch ein wichtiger Widerstand ist. Auch Gold konnte sich leicht auf über 1.315 US-Dollar erholen, was in US-Dollar immer noch ein Minus von 1 Prozent innerhalb eines Jahres bedeutet. Noch viel besser schnitt wieder einmal die Moskauer Börse ab. Der Dax ist damit bisher mit 5,85 Prozent im Plus, der MDax sogar mit 10,2 Prozent und der DJI mit 9,5 Prozent. Kräftig erholen konnte sich ab Montag, 4. Februar 2019, der Dax-Wert Wirecard auf 132 Euro, nachdem die Aktie in der Vorwoche um 25 Prozent auf etwas über 100 Euro eingebrochen war – der Grund war ein Bericht der „Financial Times“ wegen Unregelmäßigkeiten in Singapur. Diese Unregelmäßigkeiten wurden am Montag vom Vorstand dementiert. Einen besseren Börsenstart hätte man sich ansonsten kaum vorstellen können, nachdem es im letzten Jahr fast nur Verlierer gab.

Der RDX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für russische Aktien, stieg sogar bereits um 13 Prozent auf 1.464 Indexpunkte und schnitt damit weit besser ab als der DJI oder der Dax, genauso wie schon 2018. Auch der Kurs von Gazprom stieg trotz der seitens der USA angedrohten Sanktionen für den Bau der nordischen Pipeline auf 4,32 Euro, was ein neues Jahreshoch bedeutet. Unterstützung für die russischen Ölaktien wie Lukoil gab es durch den auf 62 US-Dollar/Barrel gestiegenen Ölpreis, der damit freilich noch 8 Prozent unter dem Niveau wie vor einem Jahr liegt. Sorgen bereitet sicherlich die Kündigung des Atomabrüstungsvertrags zwischen den USA und Russland.

Russische „Red Chips“ besser als deutsche Blue Chips

Zur Freude aller Russlandanleger stieg der Kurs von Lukoil sogar auf ein neues Fünfjahreshoch von 71,4 Euro. Zu den Kursgewinnen kamen Währungsgewinne hinzu, da der Euro zum Rubel in diesem Jahr bereits von 79 auf unter 75 EUR/RUB fiel. Sehr viele deutsche Anleger verpassen aber immer wieder die großen Chancen, die der russische Aktienmarkt bietet, weil sie sich nicht trauen über den Tellerand zu schauen. Dabei haben die russischen Red Chips die deutschen Blue Chips in den letzten drei Jahren um Längen geschlagen und outperformt.

(Andreas Männicke)


 


 

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