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G20-Gipfel: Waffenstillstand sorgt für steigende Aktienkurse

Die Weltbörsen reagieren erleichtert auf den Waffenstillstand im US-Handelskrieg, der auf dem G20-Gipfel beschlossen wurde. Der Ölpreis ist stark gestiegen, Gold erholte sich nur leicht. Kryptowährungen waren erneut im freien Fall. Die Moskauer Börse bleibt Top-Performer.

Die Welt blickte am ersten Dezemberwochenende voller Spannung nach Argentinien – ein Land, das selbst hochverschuldet ist und am Tropf des Internationalen Währungsfonds IWF hängt. Die Ergebnisse des G20-Treffens waren enttäuschend, da es kein klares Bekenntnis zum freien Welthandel und zur Bekämpfung des Klimawandels gab. Wieder einmal entstand der Eindruck, dass US-Präsident Donald Trump die entscheidende Figur war, die eine gemeinsame Absichtserklärung behinderte bzw. nicht möglich machte. Man einigte sich auf den kleinsten Nenner mit dem Bekenntnis zu einem „multilateralen Handelssystem“.

Immerhin wurde zumindest bei dem G20-Treffen ein Waffenstillstand im Handelskrieg der USA gegen China und Europa beschlossen, worauf die Aktienkurse am 3. Dezember zunächst in die Höhe sprangen, vor allem bei Automobilaktien. Wie lange dieser Waffenstillstand anhält, ist aber fraglich.

G20-Treffen enttäuscht trotz Waffenstillstand

Die Abschlusserklärung des G20-Treffens, der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, in Argentinien war so allgemein und unverbindlich, dass es die Welt bei den dringenden weltumspannenden Problemen nicht voranbringt, sei es freier Handel, sei es Migration und erst recht nicht beim Klimawandel – bei diesem Thema sind die USA dank Trump schon lange ausgeschieden und es war auch keine gemeinsame Erklärung zu erwarten.

Gar nicht oder nur am Rande angesprochen wurde die Überschuldung vieler Länder, also das globale Verschuldungsproblem, was uns in den nächsten Jahren sehr beschäftigen wird, vor allem in Italien, aber auch in dem Austragungsland des G20-Treffens Argentinien. Positiv überraschend war, dass es so gewaltsame Protestaktionen wie beim letzten G20-Treffen in Hamburg nicht gab.

Protestwelle in Paris nimmt nicht ab, die Brutalität aber zu

Dafür spielen sich jetzt Hetzjagden der „Gelbjacken“, also der Protestbewegung gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, auf die Polizei in Paris ab. Dort hat die Gewaltbereitschaft gegen die Polizei offensichtlich schon sehr stark zugenommen. Die Gelbjacken fordern Steuersenkungen und eine Erhöhung des Mindestlohns. Auslöser der gewaltsamen Aktionen war die geplante Erhöhung der Benzinsteuer in Frankreich. Die brutale Vorgehensweise und die brennenden Polizeiautos erinnern schon fast an einen Bürgerkrieg in Paris. Macron wird es schwer haben, im eigenen Land für Ruhe und Besonnenheit zu sorgen.

Immerhin konnten sich die USA und China wohl darauf einigen, dass eine Verschärfung des Handelskriegs kurzfristig vermieden wird.

Kommen doch noch Importzölle für deutsche Autos?

Wie Trump mit den Importzöllen für europäische Autos in Zukunft verfahren wird, ist noch unklar. Man einigte sich zunächst auf einen Waffenstillstand beim US-Handelskrieg gegen China und die Europäische Union. Das bedeutet auch, dass Trump weiter verhandeln und seinen Forderungen später Nachdruck verleihen wird. Um eine Importsteuer in Höhe von 20 Prozent für deutsche Autos zu vermeiden, flogen die Chefs von VW, BMW und Daimler nach dem G20-Treffen ins Weiße Haus nach Washington, um direkt mit Trump über die Folgen eines solchen Importzolls zu sprechen. Diesen Alleingang kritisierte wiederum EU-Chef Jean-Claude Junker. BMW will eine neue Autofabrik in den USA bauen, um den Zoll auch in Zukunft zu umgehen.

Krim-Krise von Poroschenko bewusst geplant?

Auch die Lösung des Krim-Konflikts wurde nur am Rande bei G20-Treffen diskutiert. Russland wurde wieder einmal als der „böse Bube“ dargestellt und muss nun mit weiteren Sanktionen vor allem der USA rechnen. Trump sagte das geplante Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin ab. Gerade jetzt wäre aber ein intensiver und konstruktiver Dialog erforderlich, damit es nicht wieder einen neuen Krieg in der Ostukraine gibt. Da die gefangen genommenen ukrainischen Soldaten noch nicht freigelassen wurden und in Russland strafrechtlich vor Gericht kommen, muss Russland wohl mit neuen Sanktionen seitens der USA rechnen.

Genauso wie beim US-Handelskrieg wären eine Deeskalation auch beim Ukraine-Konflikt und viel Besonnenheit jetzt wünschenswert, um einen unnötigen Krieg zu vermeiden. Aber vielleicht hat Putin auch Recht und Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine, will unbedingt einen Krieg herbeiführen, um die Präsidentschaftswahl zu verzögern und den Ausnahmezustand aufzurufen.

Julia Timoschenko führt beim Wahlkampf in der Ukraine bei den Umfragen

Putin betrachtet die Aktion im Asowschen Meer als eine vom ukrainischen Präsidenten geplante Provokation und dass auch mit dem nun vom Parlament beschlossenen Kriegsrecht übertrieben werde. Poroschenko hat jetzt sogar die Reservisten einberufen. Die Zustimmung und das Vertrauen in den ukrainischen Präsidenten sinken immer mehr in der Bevölkerung. Die Zustimmung liegt nach Umfragen bei unter 10 Prozent. Im März finden in der Ukraine Präsidentschaftswahlen statt, bei denen die ehemalige Regierungschefin und Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko im Moment bei den Umfragen führt. Die Beliebtheit von Petro Poroschenko ist in diesem Jahr stark gesunken – zum einen wegen der Geschichte um seinen Malediven-Urlaub, zum anderen wegen der Verfolgung gegen den mittlerweile aus der Ukraine ausgewiesenen Ex-Präsident Georgiens Michail Saakaschwili.

Weltbörsen reagieren erleichtert – Autoaktien stark gefragt

Die Aktienmärkte reagierten am 3. Dezember zunächst erleichtert über den Waffenstillstand beim US-Handelskrieg, denn dies war besser als eine zuvor befürchtete Verschärfung des Handelskriegs mit höheren Zöllen. Vor allem die Automobilaktien von Daimler und BMW waren am 3. Dezember stark gefragt. Sie stiegen im Hoch jeweils um über 5 Prozent im Kurs. Nach der langen Flaute zuvor kam Hoffnung auf, dass die Importzölle seitens der USA doch noch vermieden werden können.

Merz propagiert die Unterstützung der Aktienanlage für die Altersvorsorge

Der deutsche Aktienleitindex Dax stieg im Tageshoch am 3. Dezember schon morgens um über 2 Prozent auf 11.550 Indexpunkte. Die Kurse bröckelten dann nachmittags wieder etwas ab – auf 11.465 Indexpunkte, was immer noch ein kräftiges Plus von 1,32 Prozent war. Ausgehend vom Jahreshoch fiel der Dax aber um fast 30 Prozent. Am 8. März könnte der CDU-interne Wahlkampf für den Parteivorsitz je nach Ausgang auch neue Impulse für den deutschen Aktienmarkt geben.

Der Kandidat Friedrich Merz, noch amtierender Aufsichtsratsvorsitzender des größten Vermögensverwalters der Welt BlackRock, propagiert die Untersetzung der Aktienanlage zur Altersvorsorge, was viele Anleger wohl auch begrüßen würden. Dennoch führt im Moment Annegret Kramp-Karrenbauer bei den Umfragen als Nachfolgerin von Angela Merkel für den CDU-Parteivorsitz.

DJI immer noch besser als Gold und Silber – Kryptowährungen im freien Fall

Der Dow-Jones-Index (DJI) stieg auch zum Handelsbeginn leicht um 0,8 Prozent auf 25.739 Indexpunkte. Auch Gold erwachte ein wenig aus der Lethargie der letzten Monate und stieg um 0,94 Prozent auf 1.232 US-Dollar/Unze ebenso wie Silber um 1,95 Prozent auf 14,42 US-Dollar/Unze. Der Euro stabilisierte sich zum US-Dollar bei 1,13 Euro/US-Dollar.

Nur der DJI stieg seit Jahresbeginn um 3 Prozent, während der Dax, Eurostoxx, wie auch Gold und Silber seit Jahresbeginn noch kräftig im Minus sind. Ob nun noch eine Jahresendrallye kommt, wird wiederum sehr viel von Trumps „Twittergewohnheiten“ abhängen. Auch bleibt abzuwarten, ob die US-amerikanische Notenbank Fed die Zinsen jetzt nochmals im Dezember um 0,25 Basispunkte erhöhen wird.

Der Bitcoin brach am 3. Dezember zum Euro erneut um fast 8 Prozent auf 3.381 Bitcoin/Euro, was nahe dem Jahrestief ist. Aber auch andere Kryptowährungen wie der Ripple und Ethereum gaben erneut kräftig im Kurs um über 7 Prozent nach. Kryptowährungen befinden sich seit dem 19. November im freien Fall.

Moskauer Börse bleibt top – Ölaktien stark gefragt

Am besten schnitt am 3. Dezember einmal wieder mehr die Moskauer Börse ab, weil der Brentölpreis um über fast 4 Prozent auf 61 US-Dollar/Barrel zulegen konnte. Katar will 2019 die das Erdölkartell OPEC verlassen. Der RDX-Index – ein Kunstprodukt der Wieser Börse für russische Standardaktien – stieg am 3. Dezember um 2,70 Prozent auf 1.414 Indexpunkte. Besonders der Ölkonzern Lukoil überzeugte mit sehr guten Quartalszahlen, am 3. Dezember stieg die Aktie um 3 Prozent auf 66,7 Euro, was nahe dem Jahreshoch war. Insgesamt stieg die Aktie bereits um über 30 Prozent in diesem Jahr, wie viele Ölaktien aus Russland. Gazprom konnte immerhin um 2,8 Prozent auf 4,32 Euro im Kurs zulegen. Seit Jahresbeginn ist der RDX-Index um 5,82 Prozent, womit er wiederum zu den Top-Performern unter den Weltbörsen gehört und den Dax, EuroStoxx und auch DJI klar outperformen konnte.

(Andreas Männicke)


 


 

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