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Handelskrieg eskaliert – folgt eine Rezession 2020?

China erhöhte die Zölle für verschiedene US-Produkte. US-Präsident Donald Trump reagierte umgehend mit weiteren Zollerhöhungen für chinesischen Produkte. Damit spitzt sich der US-Handelskrieg mit China erneut zu. Die große Frage ist nun: Wird dieser Handelskrieg eine Rezession im Jahr 2020 auslösen? Die Weltbörsen gingen wie bereits Anfang August auf Talfahrt. Gold und Silber stiegen kräftig. Die Moskauer und Bukarester Börsen bleiben top.

China schockt Trump vor dem G7-Gipfel

China will die Zölle für US-Produkte ab 1. September im Volumen von 75 Milliarden US-Dollar erhöhen –für US-amerikanische Autos um 25 Prozent und einige Agrarprodukte wie Sojabohnen um 5 Prozent. Die Erhöhungen sollen gestaffelt am 1. September und 15. Dezember stattfinden. US-Präsident Donald Trump reagierte prompt mit einer Erhöhung der Zölle für chinesische Produkte: Die bisher eingeführten Strafzölle für den Import von chinesischen Produkten im Volumen von 250 Milliarden US-Dollar werden ab 1. Oktober von 25 auf 30 Prozent erhöht. Die Zölle, die am 1. September für chinesische Produkte eingeführt wurden, erhöhen sich ebenfalls um 5 Prozentpunkte im Volumen von 300 Milliarden US-Dollar. Zudem befahl Trump den US-amerikanischen Unternehmen, sich gänzlich aus China zurückzuziehen und sich nach anderen Alternativen umzuschauen oder in den USA zu produzieren. „Wir brauchen China nicht“, tönte Trump vorlaut. Die US-amerikanischen Wirtschafsverbände sprachen sogleich von einem unrealistischen Aufruf.

Trump bezeichnet US-Notenbank-Chef Powel als „Feind“

Damit überspannt Trump eindeutig den Bogen. Werden diese Strafzölle ab 1. September tatsächlich eingeführt, droht eine Rezession im Jahr 2020. Zudem kritisierte Trump den Chef der US-Notenbank Fed Jerome Powell stark, der bisher noch keine Zinssenkung für September in Aussicht stellte. Powell senkte den Zins im Juli um 25 Prozentpunkte auf 2 Prozent, was Trump aber nicht hoch genug war. Powell sagte nun bei der Notenbankkonferenz in Jackson Hole (Wyoming), dass er auf die jeweilige Konjunkturentwicklung angemessen reagieren werde, nicht aber auf den drohenden US-Handelskrieg mit China. Daraufhin ließ sich Trump per Twitter zu dem Satz herleiten: „Wer ist nun unser größerer Feind: Fed-Chef Powell oder der Vorsitzende Xi.“ Den eigenen Notenbankchef als Feind zu bezeichnen ist wohl auch einmalig in der US-amerikanischen Präsidentschaftsgeschichte.

G7-Gipfel in Biarritz uneinig

Auf dem G7-Gipel in Biarritz versuchte der französische Präsident Emmanuel Macron ebenfalls auf Trump einzuwirken, um eine Eskalation beim Handelskrieg mit China zu vermeiden. Zudem wollte Macron, dass Trump auch bei den Walbränden in Brasilien ein Machtwort spricht. Aber bei beiden brisanten Themen stieß Macron bei Trump auf taube Ohren. So kam es zu ersten Mal zu keiner gemeinsamen Erklärung der G7-Länder. Trump will zwar, dass Russlands Präsident Wladimir Putin das nächste Mal wieder bei einem G8-Treffen teilnimmt, der britische Premier Boris Johnson war aber strikt dagegen.

Folgt nach der Eskalation beim Handelskrieg China/USA eine neuer Aufrüstungs-Wettlauf Russland/USA?

Es drohen weitere Konflikte mit Russland bei der Atomabrüstung. Die USA testeten zum ersten Mal wieder eine Mittelstreckenrakete, die auch Atomwaffen tragen kann. Putin will auf diesen zuvor nach dem INF-Vertag (Intermediate Range Nuclear Forces, zu Deutsch: nukleare Mittelstreckraketen) unerlaubten Test angemessen reagieren. Auch Nordkorea testet weiter Mittelstreckenraketen, die mit Atomwaffen bestückt sein können. Die große Frage ist nun, ob es nach der Eskalation beim US-Handelskrieg mit China auch einem neuen Wettlauf beim Aufrüsten atomarer Mittelstreckenraketen gibt. Das wäre für alle Beteiligte sehr kostspielig und gefährlich.

Weltfrieden und Weltwirtschaft zunehmend gefährdet

Schon lange gibt es den ungelösten Konflikt der USA mit dem Iran wegen des mutmaßlichen, unterirdischen Atomwaffenbaus. Trump findet diesbezüglich in Europa kein Gehör, die Sanktionen gegen den Iran zu verschärfen. Man bekommt den Eindruck, man sei in einem Kindergarten. Aber leider handelt es sich um Präsidenten bzw Staatsmänner, die auch über Krieg und Frieden und die Fortentwicklung der Weltwirtschaft entscheiden können. Beides ist gefährdet: der Weltfrieden und die Weltwirtschaft. Und auch unsere Welt durch den Klimawandel, sei er durch den Menschen herbeigeführt oder nicht. Die volkswirtschaftlichen Schäden werden jedes Jahr stetig größer. So klagen die deutschen Bauern erneut über eine schwache Getreideernte; bei Raps gingen die Erträge um 70 Prozent zurück. Auch gibt es immer Schäden beim deutschen Wald. Wenn der Wald stirbt, stirbt unsere Welt!

Macron: „Unser Haus brennt!“

Bei dem G7-Gipfel in Biarritz meinte Macron im Hinblick auf die Umwelt-Katastrophe in Brasilien „Unser Haus brennt“. Macron und Merkel wollen alles dafür tun, um die Waldbrände im brasilianischen Amazonas-Gebiet einzudämmen. Nur was können sie konkret tun? Allein mit Aufkündigung des Freihandelsabkommen mit südamerikanischen Ländern zu drohen, ist wohl wenig wirksam.

Anleihen-Bubble und inverse Zinsstruktur als Warnzeichen

Die brennenden Wälder in Brasilien wie etwa auch in Gran Canaria, sind zugleich ein Symbol für mögliche ansteckende Brände an den internationalen Kapitalmärkten. Die Blase bei Anleihen ist unverkennbar. Der Euro-Bund-Future stieg fast auf ein neues Allzeithoch von 178. Alle Laufzeiten bei Bundesanleihen sind jetzt schon im negativen Zinsbereich. Das gab es zuvor nie. In den USA gibt es eine inverse Zinsstruktur, was oft ein Vorzeichen für eine kommende Rezession im darauffolgenden Jahr ist. Es gibt also genug Warnzeichen.

Kann Draghis neue Bazooka die Rettung sein?

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, plant als letzte Amtshandlung im September, noch einmal die große Bazooka rauszuholen, um einen Flächenbrand zu verhindern. Gelingt ihm das nicht, wird aber ein solcher Flächenbrand entstehen. Deutschland wird dann ab 2020 im Auge des Sturms seins. Schon jetzt gibt es deutliche Abschwächungen vor allem im Maschinenbausektor und im Automobilsektor, was die beiden Kernebereiche für deutsche Exporterfolge waren und sind.

Oder kommt einen neue globale Banken- und Finanzkrise im Jahr 2020?

Allen ist bekannt, dass bisher nur durch die Geldspritzen der Notenbanken eine Rezession seit zehn Jahren vermieden werden konnte. Allen ist aber auch bekannt, dass die Verschuldung seit dem letzen Supergau im Jahr 2008 auf allen Ebenen enorm gestiegen ist. Im Falle einer Rezession droht erneut Supergau im Jahr 2020/21, weil dann einige Zombie-Unternehmen nicht mehr ihre Schulden begleichen können. Dies wird auch die Banken in Bedrängnis bringen, die viel zu wenig Eigenkapital haben, allen voran die Deutsche Bank AG mit nur 2 Prozent Eigenkapital. Ein großes Warnzeichen ist schon die angedrohte Entlassung von 18.000 Mitarbeitern ab nächstem Jahr. Bei anderen Banken wird ebenfalls eine Entlassungswelle drohen, falls es 2020 eine scharfe Rezession geben sollte.

Erst Deflation, dann Inflation?

Eine erneute große Bankenkrise führt zwangsläufig zu weiteren Staatsverschuldungen, da das Konzept der Bankenunion des Feuerwehrfonds nicht ausreichen wird, um Bankenpleiten zu verhindern. Schlussendlich muss dann der Staat – sprich der Steuerzahler – wieder einspringen, denn ein Bail-in (Gläubigerbeteiligung) bei Großbanken ist eine Illusion. Möglich bei einem solchen Horror-Szenario sind dann auch Währungsreformen und Enteignung des Staates. Durch die Negativzinspolitik der EZB geht das Geschäftsmodell der Banken nicht mehr auf und in einer Rezession würden die Margen noch mehr zusammenfallen oder sogar negativ werden.

Crash im Jahr 2020/21?

Bei einem deflationären Prozess wird es auch einen Aktien-Crash im Jahr 2020/21 geben. Alle Notenbanken haben Angst vor einen Deflation. Sie werden mit allen Mitteln versuchen, eine Deflation zu vermeiden, aber wenn die zentrifugalen Kräfte der Wirtschaft zu stark sind, können sie auch nichts mehr machen – die letzte Hoffnung bleibt, dass das japanische Modell mit einer dauerhaften Nullzinspolitik den Supergau nach hinten verschieben oder sogar dauerhaft verhindern kann.

Weltbörsen erneut auf Talfahrt

Bisher reagierten die Weltbörsen noch relativ moderat auf die drohenden Gefahren im Jahr 2020, die ein Rezensions-Szenario beinhalten. Der S&P-Index fiel zwar am Freitag, 23. August 2019, um 2,72 Prozent auf 2.848 Indexpunkte ähnlich wie schon einmal Anfang August, als der US-Handelskrieg mit China eskalierte; aber der S&P-Index ist damit mit 13,43 Prozent seit Jahresbeginn noch im Plus. Der Nasdaq Composite Index sank sogar um 3 Prozent auf 7.751 Indexpunkte am Freitag, allerdings er ist 2019 damit sogar noch mit 16,29 Prozent im Plus. Noch ist hier sprichwörtlich also noch nichts angebrannt.

Auch der deutsche Aktienindex Dax gab am Freitag um 1,77 Prozent nach, ist damit aber auch noch seit Jahresbeginn mit fast 10 Prozent im Plus. Der EuroStoxx verlor sogar um 2,11 Prozent, ist aber 2019 ebenfalls mit 11,39 Prozent im Plus. Der japanische Nikkei-Index blieb noch recht stabil bei 20.710 Indexpunkten. Er wird erst am Montag, 26. August 2019, auf den neu entflammten Handelskrieg zwischen den USA und China reagieren können. Am Montag werden daher auch noch einmal sehr schwache Kurse weltweit erwartet, aber vielleicht kommt dann am Dienstag der bekannte „Turn around“-Dienstag, was Trader gerne ausnutzen.

Die Alarmzeichen mehren sich

Danach dürften die Aktien wieder fallen, da Trump und Xi jetzt nicht mehr so schnell zurückrudern können und beide ihr Gesicht wahren wollen und müssen. Damit können beide mitverantwortlich werden für eine globale Rezession im Jahr 2020 und einen möglichen Supergau an den internationalen Finanzmärkten. Die Notenbanken werden versuchen, sich dagegen zu stemmen. Wenn jedoch die Wirtschaft zu schwach werden sollte, werden ihre Mittel nicht ausreichen, um eine Rezession oder gar Deflation zu verhindern. Es gibt schon jetzt viele Alarmzeichen wie schwache Frühindikatoren und ein stark steigender Goldpreis. Gold stieg am Freitag um 1,99 Prozent auf 1.526 US-Dollar/Unze und Silber um 2,4 Prozent auf 1743 US-Dollar/Unze.

Jetzt kommen die „goldigen“ Zeiten

Russland ist der drittgrößte Goldproduzent der Welt und die russische Notenbank kauft so viel Gold auf wie kein anderes Land der Welt. Hier hat der Präsident Putin jetzt einen wahren Goldschatz angelegt, was auch als Festung dienen soll, falls es weitere unnötige US-Sanktionen beschlossen werden. Russland ist mit nur 12 Prozent vom Bruttonationaleinkommen wesentlich geringer verschuldet als westliche Industrieländer und kann daher die nächste Krise besser überstehen als so manches westliches Industrieland. Aber abgesehen davon sind die russischen Aktien immer noch die preiswertesten Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen auf der Welt.

Chancen in Osteuropa: Moskauer Börse bliebt Outperformer

Der RTS-Index in US-Dollar fiel zwar am Freitag um 1,11 Prozent, da auch der Brentölpreis um 1,60 Prozent auf 58,56 US-Dollar/Barrel nachgab; dennoch er ist damit seit Jahresbeginn um 16,71 Prozent gestiegen. Der RTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für russiche Blue Chips, fiel auch um 0,79 Prozent. Der RTX-Index stieg noch um 25,09 Prozent seit Jahresbeginn und bleibt damit einer der Top-Performer unter den Weltbörsen.

Nur sind viel zu wenige deutsche Anleger dabei, weil deutsche Banken und Vermögensberater es meiden, russische Aktien zu empfehlen, was ein Fehler ist. Auch der ROTX-Index; ein Index für rumänische Aktien, stieg in diesem Jahr schon um 21,8 Prozent auf nunmehr 11.385 Indexpunkte. Nicht viel schlechter schnitt der SETX-Index für Aktien aus Südosteuropa ab mit einem Plus von 13,19 Prozent seit Jahresbeginn. Auch die baltischen Indices sind noch alle kräftig im Plus. Mein Motto „Go East!“ bleibt daher auch 2019 ein lohnendes Motto für Anleger.

(Andreas Männicke)


 


 

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