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Närrische Zeiten an den Börsen

Die Wall Street bewegt sich weiter auf Allzeithoch – trotz oder wegen US-Präsident Trump. Geplante Mega-Übernahmen und Mega-IPOs deuten eine Trendwende an den Börsen an. Die Ostbörsen boomen weiter, außer in Russland: Kasachstan plus 30 Prozent, Polen plus 15 Prozent in diesem Jahr. Industriemetalle sind gefragt und ETC im Kommen. Ein Überblick von Andreas Männicke.

In Deutschland wird Karneval gefeiert, in Rio den Janeiro auch. Es ist die Zeit, Spaß zu haben und den Alltagsfrust zu vergessen. Es ist gut möglich, dass demnächst auch die „närrischen Zeiten“ an den Börsen beginnen und das nicht nur wegen des „Ober-Narren“ Donald Trump, der die Pressefreiheit mit Füßen tritt und nun auch das Atom-Arsenal in den USA ausweiten will. Hinzukommt seine Ausländerfeindlichkeit und sein Protektionismus-Konzept, das zum Bumerang werden kann.

An der Wall Street sieht man das bisher alles ganz pragmatisch und feiert vor allem, dass Trump seine Steuerreform für Unternehmen schon in drei Wochen umsetzen zu will, mit einem neuen Kursfeuerwerk und neuem Allzeithoch. Der Dow Jones Industrial Index übersprang vergangene Woche erstmals 20.800 Indexpunkte. Auch der deutsche Aktienindex Dax schnupperte schon an der 12.000er-Marke, korrigierte aber am Freitag mit minus 1,2 Prozent auf 11.804 Indexpunkte. Nun muss Trump in Sachen Steuerreform zeitnah „liefern“, sonst macht er sich selbst zum Narren. Unabhängig davon können für die Börsen demnächst „närrischen Zeiten“ beginnen wegen des Wahlmarathons in Europa.

Macht sich Trump selbst zum Narren – nicht nur bei der Presse?

Trump wird sicherlich auch bei den Karnevalsumzügen als „Ober-Narr“ eine gewichtige Rolle spielen. Ebenso Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), mit seiner Nullzinspolitik, der die Sparer dadurch schleichend enteignet. Wir befinden uns politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich im Ausnahmezustand bzw. im Umbruch und merken dabei kaum, was wirklich vor sich geht. Die Gesellschaft ist gespalten und Trump nutzt das aus. Trump ist mit der Presse in den USA auf dem Kriegsfuß. Das ist nicht gut, zumal er selbst nicht immer die Wahrheit von sich gibt. Dennoch glaubt er, für das „Volk“ zu sprechen.

Trump muss bei der Steuerreform bald „liefern“, sonst wird es „närrisch“

Die Börsen feiern in den USA zwar neue Höchststände, dies aber auch wegen der Geldpolitik und der Hoffnung, dass Trump bei der Steuerreform „liefert“. Tut er es nicht, wird es zu Enttäuschungen an den Börsen kommen, denn der US-amerikanische Aktienmarkt ist sowohl in Bezug auf das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis (ökonomische Kennzahl zur Beurteilung von Aktien nach Robert Shiller) als auch auf das Kurs-Umsatzverhältnis schon sehr hoch bewertet. Wie Trump die Steuerreform finanzieren will, ist noch unklar. Möglicherweise wird er die Schulden enorm erhöhen. Die US-amerikanische Notenbank Fed dürfte die Zinsen in den nächsten Monaten anheben, was dann später die Zinskosten für den Staat erhöhen wird, aber auch die sehr hohen Wertpapierkredite in den USA.

Mega-Übernahmen und Mega-IPOs deuten oft das Ende einer Hausse an

Auch Übernahmen werden dann von der Finanzierung her teurer, wenn die Zinsen steigen. Zuletzt wollte Kraft Unilever für 147 Milliarden Euro übernehmen, was nach Mannesmann/Vodafone die zweitgrößte Summe für eine Übernahme in der Börsengeschichte gewesen wäre. Kraft zog aber das Angebot überraschend vergangene Woche zurück, worauf der Kurs von Unilever zunächst von 45 auf 39 Euro einbrach, sich jetzt aber wieder schnell auf 44 Euro erholte – in der Hoffnung, dass Kraft noch ein neues Angebot unterbreitet.

Zudem will der größte Ölkonzern der Welt, Saudi Aramco, ab 2018 an die Wall-Street-Börse gehen, was der größte Börsengang in der Börsengeschichte an der Wall Street werden soll, also noch größer als der letzte von Alibaba aus China. Solche Mega-Übernahmen und Mega-IPO (Initial Public Offering, engl. für Börsenersteinführung oder Börsengang) sind ein Zeichen dafür, dass sich die Börsen schon bald auf dem Zenit befinden.

Trump will steigende Fed-Zinsen und schwachen US-Dollar – geht das überhaupt?

EZB-Chef Draghi wird ber bei seiner Nullzins-Politik bleiben, was den US-Dollar stärken und den Euro schwächen dürfte, was aber gut für die europäischen Exportwirtschaft ist. Damit wird Trump jedoch das Gegenteil erreichen, was er erreichen wollte. Seine Maßnahmen könnten später zum Bumerang für die Börsen werden und erst dann beginnen die „närrischen Zeiten“ an den Börsen.

Wahlmarathon in Europa lässt „närrischen Zeiten“ erwarten

Hinzu kommen nun der Wahlmarathon in Europa und der Brexit. Ab März schaut ganz Europa auf Großbritannien wie auch auf die Parlamentswahlen in den Niederlanden. Dort könnte der Populist und Islam-Gegner Geert Wilders gewinnen und neuer Premier werden. Ende April/Anfang Mai stehen die sehr bedeutsamen Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Dort gibt es derzeit schon in 20 Städten bürgerkriegsähnliche Situationen und Straßenschlachten von überwiegend ausländischen Jugendlichen mit der französischen Polizei. Einen ähnlichen Vorfall gab es vergangene Woche in Schweden – allerdings einen Tag, nachdem Trump Schweden erwähnte, ohne konkret zu sagen, was er damit meinte, was für „närrische Verwirrung“ im Internet und den Medien sorgte.

Trotz der bürgerkriegsähnlichen Situationen und der Probleme mit den ausländischen Jugendlichen ist es wenig wahrscheinlich, dass Marine Le Pen von der Front National die Stichwahl zur Präsidentschaft am 7. Mai gewinnen wird, weil der Wahlverlierer der Vorwahl sich dafür einsetzen wird, dass seine Stimmen dem Gegner von Le Pen gegeben werden. Damit dürften uns der Euro und die Europäische Union noch eine Weile erhalten bleiben, auch wenn der „Grexit“ schon wieder droht. Le Pen will ein Referendum anstrengen, um aus der EU und dem Euro auszuscheiden, was dann aber auch das Ende eines geeinten Europas wäre, denn eine EU ohne Frankreich ist nicht denkbar.

Bei den Bundestagswahlen im September in Deutschland könnte es eine Patt-Situation ohne klaren Sieger geben, wobei SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz jetzt mächtig aufholt und und in den Wahlprognosen erstmals schon vor Angela Merkel liegt, ebenso wie die SPD vor der CDU – erstmals seit 10 Jahren! Schulz will die Agenda 2000 von Gerhard Schröder wieder zurückführen und das Thema „soziale Gerechtigkeit“ in den Vordergrund stellen, was im Moment gut bei der linksorientierten Bevölkerung ankommt.

In jedem Fall werden die Börsen in diesem Jahr durch diesen europäischen Wahlmarathon immer wieder neu beeinflusst werden. Zudem sind die südeuropäischen Länder überschuldet, neben Griechenland auch Italien, was Europa im Sommer weiter beschäftigen wird. Die Kapitalflucht nimmt in Griechenland schon wieder zu und Bankkonten werden geräumt, weil der Internationale Währungsfonds IWF keine weiteren Kredite geben will, da die Schuldentragfähigkeit nicht mehr gegeben ist. Ganz ähnliche Probleme hat auch Italien, wo die Kuh längst noch nicht vom Eis ist. Hier könnte es 2018 zu einer Überraschung kommen, wenn die Fünf-Sterne-Bewegung unter dem Komiker Beppe Grillo die Parlamentswahlen gewinnen sollte, die ebenso wie Le Pen aus der EU und aus dem Euro ausscheiden wollen. Die wahren närrischen Zeiten stehen uns also noch bevor –auch an den Börsen.

Ostbörsen boomen weiter – allen voran Kasachstan und Polen

Sehr positiv entwickeln sich bisher weiter die Emerging Markets, Rohstoffe – hier wiederum besonders die Industriemetalle, die die Anleger jetzt neu über „Exchange Trades Commodities“ (ETC) der BNP Paribas handeln können –, und vor allem die Börsen aus Osteuropa. Die Börse in Kasachstan erreichte schon ein Plus von 30 Prozent und die Börse in Warschau ein Plus von 15 Prozent, wobei die Moskauer Börse in diesem Jahr etwas durch Gewinnmitnahmen konsolidierte, was nach dem Plus von über 50 Prozent im vergangenen Jahr nicht verwundert. Aber auch einige Exotenbörsen in den Balkanländen wie Rumänien, Bulgarien und Kroatien mit einem Plus von zum Teil über 10 Prozent und dem Baltikum performen nun weiter sehr gut.

Schon im vergangenen Jahr zählten zehn Börsen aus Osteuropa zu den 30 am besten performenden Börsen der Welt und in dieses Jahr sind es schon wieder sieben Börsen aus Osteuropa, die sowohl die Wall Street als auch den DAX klar outperformen konnten. Und dennoch werden die Osteuropa-Börsen von den Medien weiterhin sehr stiefmütterlich behandelt, sodass die deutschen Anleger von den großen Chancen in Osteuropa so gut wie gar nichts mitbekommen.

Statt Entspannung setzen Nato, USA und EU auf Konfrontation und Provokation mit Russland

Die Leitmedien befassen sich lieber oft recht einseitig mit dem Russland- und Putin-Bashing, womit auch der russische Aktienmarkt in Misskredit gerät. Problematisch ist jedoch, dass sich jetzt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Panzer an der Grenze von Litauen befinden, was Russland provoziert, ebenso wie die neuen geplanten Nato-Manöver an der russischen Grenze und sogar in Polen und der Ukraine. Die schwierige und komplexe Situation in der Ukraine und in Syrien belasten zudem weiter das Ost-West-Verhältnis Europa – Russland und Nato-Russland sowie vor allem USA – Russland, was nicht in der Form des eindeutigen Feindbildes sein muss.

Auch die Medien berichten hier oft sehr einseitig, auf beiden Seiten, ganz abgesehen von den absichtlich gestreuten „Fake News“ – auch von russischer Seite. Trump will, dass Russland die Krim an die Ukraine zurückgibt, wobei er hier wohl intern durch die Untersuchungen bezüglich des Wahlkampfes mit russischer Beteiligung Druck bekommen und eine Kehrtwendung gemacht hat.

Was bringt die neue Trump-Putin-Connection?

Gespannt sein darf man daher auf das erste persönliche Treffen zwischen Russlands Präsident Wladimir Putin und Donald Trump – und welcher reale Deal nach dem Motto „quid pro quo“ dort ausgehandelt wird. Hoffentlich einer, der den Weltfrieden nicht belastet, was unter Clinton der Fall gewesen wäre. Trump hat bezüglich Russlands zunächst eine Kehrtwendung um 180 Grad gemacht, wie die auch immer zustande kam. Mit Sicherheit werden diesseits und jenseits des Kontinents die Geheimdienste auch in Zukunft eine große Rolle spielen und oft leider auch eine unheilvolle, ebenso wie manche nur sehr einseitig oder gar mit Fake News informierende „Propaganda-Medien“. Genau das passt dann auch wieder auf die „närrischen Zeiten“, die auf uns zukommen und in den wir uns zum Teil schon befinden.

Mega-Übernahmen und Mega-IPOs

(Andreas Männicke)


 


 

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