Sie sind hier: Startseite Hamburg Finanzen Aktien & Fonds
Weitere Artikel
Aktienmärkte

Showdown in den USA: Trump oder Clinton?

Die Anleger an den Weltbörsen schauen auf die Präsidentschaftswahl in den USA mit einem prognostizierten Kopf-an Kopf-Rennen zwischen Donald Trump und Hillary Clinton. Die Aktien-Indices tendieren noch seitwärts; nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses dürfte es zu starken Kursbewegungen kommen. Der Wahlausgang hat zudem große Bedeutung für künftige geopolitische Entwicklungen. Neben der US-Wahl gib es aber weitere gravierende Unsicherheitsfaktoren für die Börsen bis Jahresende. Die erhoffte Jahresendrally könnte sehr holprig werden oder gar ganz ausfallen. Ein Gastbeitrag von Andreas Männicke.

Donald Trump vereinigt das Lager der Unzufriedenen

Wer von den beiden Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton (Demokraten) und Donald Trump (Republikaner) am 8. November 2016 auch die Wahl gewinnen wird, eines zeichnet sich schon jetzt ab: Die USA sind gespalten in ein Lager der Unzufriedenen und Abgehängten und ein Lager der Verteidigung des gegenwärtigen politischen Systems und der politischen Elite. Trump vertritt zudem die Linie der Texaner, der Waffenbesitzer und der Landbevölkerung, sowie der radikalen Christen, die gegen die Abtreibung sind. Auch diejenigen, die gegen die „Obamacare“ also gegen die Zwangskrankenversicherung sind, hat Trump auf seiner Seite.

Unter dem derzeitien US-Präsidenten Barack Obama sind 11 Millionen US-Amerikaner neu zwangskrankenversichert. Aber es klappt nicht alles so wie vorgesehen. Trump nennt die Gesundheitsreform ein Desaster. Die Ungleichheit ist durch Obama nicht gesunken, obwohl er 10 Millionen neue Arbeitsplätze und eine offizielle Arbeitslosenquote von unter 6 Prozent schaffte. Dem Mittelstand geht es in den USA nach wie vor schlecht. Die Mehrheit der Amerikaner hat seit 24 Jahren keine Wohlstandsteigerung erreicht. Trump vertritt auch diese Schichten, denen er Besserung verspricht. Zudem gibt es 43 Millionen Menschen, die Lebensmittelkarten erhalten, sie also quasi mittellose Sozialempfänger sind. Auch die haben kein Vertrauen in Clinton bzw. in die politische Elite, da sie sozial abgehängt sind. Trump und Clinton wollen beide die Infrastrukturausgaben erhöhen und die Ausgaben für die Bildung erhöhen, denn die Infrastrukturausgaben sind auf 0,1 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP) gesunken. Vor 50 Jahren waren es noch 1 Prozent des BSP.

Trump hat so stark an Stimmen gewonnen, weil er auch klar anspricht, was nach seiner Meinung falsch läuft in den USA. Dazu zählt Trump die Gewalt in vielen Großstädten mit mehr als 500 Ermordungen allein in Chicago, davon viele Kinder. Ebenso thematisiert er die hohe Zahl von 5 Millionen illegalen Einwanderern – vor allem in Mexiko, wo er als Schutz eine Mauer bauen will. Trump warnt vor der Gefahr des extremen Islamismus – in den USA leben 3 Millionen Moslems. Und er sieht die Gefahr der wirtschaftlichen Schwäche in den USA in Kombination mit einer Blasenbildung an den Aktien- und Anleihenmärkten.

Vor allem vereint Trump alle diejenigen, die wirtschaftlich an den Rand gedrückt und unzufrieden mit der politischen Elite sind – ein Phänomen, das jetzt auch in Europa immer mehr um sich greift und auch hier nicht nur mit der Einwanderungspolitik zu tun hat. Trump hält Bundeskanzlerin Angela Merkels „Einwanderungspolitik“ und das Prinzip der offenen Grenzen für ein Desaster und prangert an, dass auch Clinton offene Grenzen wünsche.

Trump verspricht, die USA durch Steuersenkungen wieder zur alten Größe und Stärke zu bringen. Aber hernach würde auch er als Präsident mit größeren Problemen zu kämpfen haben als er selbst glaubt. Bei beiden Kandidaten ist nicht klar, wie die 20 Billionen US-Dollar an Staatschulden in Zukunft finanziert werden sollen, wenn immer weniger ausländische Investoren amerikanische Staatsanleihen kaufen. Klar ist nur, dass sowohl Trump als auch Clinton für das Schuldenproblem noch keine Lösung haben und immer um den heißen Brei herumreden. Trump würde wohl die Notenbankchefin Janet Yellen absetzen und darauf drängen, dass die US-Notenbank die Zinsen stärker erhöht, denn er erkennt auch die Blasenbildung an den Anleihenmärkten.

Trump will China in die Schranken weisen, aber mit Russland einen pragmatischen Kurs fahren. Für Europa würde Trump als Präsident allerdings für mehr Unsicherheit sorgen, da er nicht bereit ist, Europa zu verteidigen, wenn Europa dafür nicht bezahlt. Dass er schon sechsmal Pleite gegangen ist und er die Pleiten sogar steuerlich für seine Unternehmen und auch für sich selbst nutzen konnte, indem er mit seiner Firma jahrelang keine Bundessteuern zahlen musste, wird ihm bei seinen Anhängern nicht übel genommen, sondern als „clever“ bezeichnet. Er sei auf dem Papier immer noch Milliardär und könne daher mit Geld auch etwas anfangen, so zumindest die Meinung der meisten Trump-Fans.

Wenige Republikaner stehen wirklich hinter Trump

Allerdings hat er durch seine wilden Äußerungen und niveaulosen Beschimpfungen auch gegenüber kritischen Journalisten immer weniger Republikaner hinter sich. Einige wollten schon kurz vor Toresschluss Trump gegen einen anderen Kandidaten austauschen. Zehn Frauen wollen Trump wegen sexueller Belästigung und des Kaufs von Prostituierten verklagen, was Trump aber bisher nicht sonderlich schadete. Einige bezeichnen ihn sogar als kindischen und naiven Politik-Clown, der von Politik keine Ahnung habe. Er wird verglichen mit Beppo Grillo von der Fünf-Sterne-Partei in Italien oder dem ehemaligen italienischen Präsidenten Silvio Berlusconi. Aber auch diese schillernden Personen konnten viele Wählerstimmen aus guten Gründen auf sich vereinigen, unter anderem weil sie einige Dinge beim Namen nannten, die ein Teil des Volkes auch hören wollte, was man „Populismus“ nennen kann. Auch die amerikanische Identität, die auf dem Spiel steht, wird bei Trump thematisiert, obwohl die USA schon immer ein Einwanderungsland waren und sind.

Showmaster in der Politik: „The show must go on“

Der ganze Wahlkampf ist eine einzige medienwirksame Show. Amerikaner brauchen offensichtlich dieses Spektakel, denn auch Ronald Reagan war ein Schauspieler und der „Terminator“ Arnold Schwarzenegger konnte Gouverneur in Kalifornien werden. Zumindest ein Teil der US-Bevölkerung will solche „Showmaster“ anscheinend auch in der Politik. Dabei ist das Niveau unter Trump nochmals gesunken. Trump kann sich offenbar alles leisten – ohne Anstand und Respekt – auch sexitische Anmerkungen gegenüber Frauen.

Für die US-Wirtschaft könnte eine gemäßigter und vom Kongress „eingenordeter“ Trump in der Tat die bessere Alternative sein, da er ein ähnliches Programm wie damals Reagan hat, was unter dem Begriff „Reaganomics“ zum Erfolgsaktor für die USA wurde. Denn Reagan führte das Land durch Steuersenkungen damals aus einer Krise. Jetzt sind die Rahmenbedingen schwieriger, da die USA schon sehr hoch verschuldet sind. Trumps Steuersenkungsprogamm würde die Verschuldung in den USA erheblich um einige Billionen US-Dollar erhöhen.

Trump droht mit Bürgerkrieg oder fordert indirekt dazu auf

Trump äußerte in seinem letzten TV-Duell mit Clinton, dass er wohlmöglich das Wahlergebnis nicht akzeptieren werde, wenn er verlieren sollte. Er deutete auch einen Bürgerkrieg oder eine Revolution an, wenn er die Wahlen verlieren sollte. Diese „Stellungnahmen“ und Drohungen kosteten ihm aber wieder Stimmen der Unentschlossenen, ebenso wie sein frauenfeindliches Video mit sexistischen Männersprüchen, das kurz vor Toresschluss aufgetaucht war. Alles dies zeigt nur, wie gespalten die USA heutzutage sind und dass beide Präsidentschaftskandidaten vor großen Herausforderungen stehen werden, um das kapitalistische System zu kitten.

Der bessere Kandidat wäre der Demokrat Bernie Sanders für die USA gewesen, um die USA auf den richtigen Weg zu bringen. Sanders begeisterte vor allem die jungen Studierenden und er war gegen den Wall-Street-Clan. Es ist sehr bedauerlich, dass sich Clinton als Machtfrau dann doch durchsetzten konnte. So wurde es eine Schlammschlacht um das Weiße Haus in Washington und Schmierenkomödie zugleich, die aber transparent machte, was in den USA derzeit alles falsch läuft und wie gespalten das Land auch nach der Wahl bleiben wird.

Clinton wird für geopolitische Spannungen vor allem mit Russland sorgen

Unter Clinton gäbe es eine Fortsetzung der Obama-Politik, wobei sie als bewährte „Kriegsministerin“ – mitverantwortlich für die Kriege im Irak und in Libyen – wohl mehr für geopolitische Spannungen und zu mehr Stellvertreterkriegen wie in Syrien und in der Ukraine sorgen wird. Die Spannungen zu Russland werden sich erhöhen und der „kalte Krieg“ könnte zu einem „heißen Krieg“ werden, was dann einen Weltkrieg bedeuten würde. Auf diese Gefahr hat nicht nur Russlands Präsident Wladimir Putin, sondern auch Trump zu Recht hingewiesen. Trump fordert die Konzentration auf die Bekämpfung der Terrormiliz IS – auch in bewusster Kooperation mit Russland. Clinton fordert hingegen eine Flugverbotszone in Syrien, womit die syrische Luftwaffe ausgeschaltet werden soll. Wer aber gibt völkerrechtlich den USA das Recht, Syrien zu überfliegen? Für Obama ist Trump hingegen aufgrund seiner Unberechenbarkeit und politischen Unerfahrenheit ein Sicherheitsrisiko für die USA und die ganze Welt. Für Trump ist Clinton das größte Sicherheitsrisiko für die ganze Welt. Beide könnten irgendwo Recht haben.


 


 

Trump
Clinton
USA
US-Wahl
US-Dollar
Wall Street
Brexit
Italexit
Aktienmärkte
Weltbörsen
Obama
Präsidentschaftskandidaten
US-Notenbank

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Trump" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: