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Showdown in den USA: Trump oder Clinton?

Schmutzige Wäsche bis zum Schluss

Bei Clinton gibt es nun kurz vor der Wahl weitere FBI-Untersuchungen wegen der privaten E-Mails. Das könnte ihr schaden. Bei Clinton gingen 30.000 private E-Mails auf einem privaten Server verloren bzw. wurden gelöscht, wobei sie die Russen dafür verantwortlich macht, dass die Inhalte bekannt wurden. Der Wikileaks-Gründer Julian Assange meint, dass Clinton auch hier ganz bewusst nicht die Wahrheit sage und immer wieder Russland für etwas verantwortlich mache, was nicht stimme.

Die Wikileaks-Veröffentlichungen der E-Mails bringen Clinton sehr in Bedrängnis, da nun öffentlich wurde, wie Clinton Wahlkampf führt. Es wurde bekannt, dass sie auch die Unterstützung von Goldman Sachs in Höhe von 2,2 Millionen US-Dollar bekommen hat, übrigens auch für Reden je 200.000 US-Dollar. Hillary und ihr Ehemann, Ex-US-Präsident Bill Clinton, besitzen beide selbst etwa 150 Millionen US-Dollar und passen daher nicht in das Bild von „linken Demokraten“.

Angeblich hat Clinton drei wichtige Wahlkampftermine in drei bedeutsamen Swing-Staaten (Bundesstaaten, die sich noch nicht für einen der Präsidentschaftskandidaten entschieden haben) schon abgesagt. Ihr Wahlkampfthema „strong together“ gerät ins Wanken. Trump holt in den Wählerstimmen immer mehr auf und es wird wohl nun ein Kopf-an Kopf-Rennen, nachdem Clinton zuvor bei den Wahlprognosen immer klar geführt hatte.

Beide Kandidaten kämpfen bis zum Schluss mit allen Kalibern. Beide Kandidaten gehen auf Stimmenfang, wobei Clinton mehr den Eindruck erweckt, dass sie sich um Sachthemen kümmert und nicht um Trumps Polemik. Dennoch wird beidseitig viel schmutzige Wäsche gewaschen, die zum Teil bei beiden vorhanden und nicht gereinigt ist.

Fazit: Es bleibt also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beide Kandidaten sind in den USA die Unbeliebtesten, die es je gab. Bill Clinton war noch ein Sympathieträger, Obama auch – zumindest am Anfang. Und noch etwas: Wer auch der nächste Präsident wird, er wird eine Marionette mit nur sehr beschränkter Macht bleiben. Die Macht haben diejenigen, die hinter ihm stehen und den Präsidenten nur dazu benutzen, eigene Ziele und Interessen durchzusetzen. Das bekam der einstige Hoffnungsträger Obama auch zu spüren. In seiner Amtszeit nahm der Rassismus kaum ab, auch die Kriege nicht und nun wurde er sogar zur lahmen Ente Amerikas.

Der amerikanische (Alb)Traum ist in Wirklichkeit ein korruptes Oligarchen-System

Der Wahlkampf wird in den USA privat finanziert. Er ist sehr aufwendig und kostet einige Millionen US-Dollar. Die Medien und das Internet spielen eine wichtige Rolle, aber auch einige Glamour-Superstars und Hedgefondsmanager, die für den einen oder anderen offen Partei ergreifen. Kongressabgeordnete verbringen viel Zeit, um für Spenden zu betteln. Dabei geht es auch um die eigene Machterhaltung. So unterstützt der Investmentguru George Soros klar Clinton.

Die Stiftung von Clinton bekommt Geld aus Saudi-Arabien. In die Lobbyarbeit fließt 1 Milliarde US-Dollar. Über diverse Kanäle werden in Form dubioser Spenden und Wohltätigkeitsveranstaltungen aber 6 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Politkern und politischen Organisationen bzw. /Richtungen und zur Wahlkampffinanzierung geschleust. Einige behaupten, das ganze amerikanische Oligarchen-System sei korrupt, sogar der Kongress, und es handele sich um eine „gekaufte Demokratie“, was nicht viel besser wäre als eine (von Putin und seinen Oligarchen) gelenkte Demokratie wie in Russland. Dies behauptet sogar Trump, der selbst allerdings schon über seine Firmen als „Spender“ auftrat.

Demokratie steht auf tönernen Füßen

Nur 7 Prozent der US-Bevölkerung trauen dem US-Kongress noch zu, dass er Entscheidungen macht, die wirklich dem Volk dienen. Das Vertrauen in politische Institutionen geht nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, immer mehr verloren. Da gleiche gilt für das Vertrauen in die Machbarkeit der Notenbankpolitik. Damit steht auch die Demokratie auf tönernen Füßen. Sie könnte sogar zerbrechen, insbesondere dann, wenn es der Wirtschaft wieder schlechter gehen sollte.

In den USA hat fast jeder Amerikaner eine Waffe. Kein Land der Welt hat so viele Personen in Gefängnissen. Wenn ein Funke ins falsche Lager kommt, könnte es in der Tat Straßenschlachten geben, nicht nur zwischen „black and white“, was Trump indirekt schon andeutete. Clinton vertrauen in der Tat immer weniger Amerikaner. Viele sagen, sie lüge zu viel; dies tut aber auch Trump nachweisbar. Clinton machte zudem gesundheitlich als 69-Jährige nicht immer den besten Eindruck, was Trump gleich wieder für sich auskosten wollte. Dabei ist er mit 70 Jahren auch nicht der jüngste.

Trump wäre (nicht nur) aus russischer Sicht die bessere Alternative zur Vermeidung eines möglichen Weltkriegs

Aus russischer Sicht wäre Trump klar die bessere Alternative, denn unter Clinton kann es durch gegenseitige, gezielte Provokationen zwischen den USA und Russland zu einem Weltkrieg kommen, den im Grunde keiner will. Zumindest die Cyberkriege dürften dann zunehmen, wobei Clinton schon lange russische Hacker für die Beeinflussung des Wahlkampfes verantwortlich machen will, was Putin lächerlich findet. Putin und Clinton werden also keine Freunde. Zwischen Putin und Trump dürfte sich das Verhältnis zwischen den USA und Russland bessern, was auch sehr wichtig für die Friedensdividende an den Weltbörsen wäre. Trump will auch nicht mehr die Weltpolizei spielen, jedenfalls nicht allein auf Kosten der USA. Er würde wohl Truppen aus Europa abziehen und Deutschland müsste dann selbst mehr aufrüsten.

Wall Street hofft auf einen Clinton-Sieg und hat Angst vor Trump

Für die Weltbörsen, insbesondere für die Wall Street wäre zunächst kurzfristig Clinton die bessere Alternative, da sie hinter der Wall Street und auch hinter der Rüstungslobby steht. Falls Trump gewinnen sollte, dürfte das an der Wall Street zunächst zu starken Kursverlusten führen. Auch ein Mini-Crash wäre dann möglich, zumal die Indices gerade vor wichtigen, kritischen Chartmarken stehen. In den vergangenen Tagen gaben schon die Kurse an der Wall Street, aber auch beim Dax nach, weil Trump bei den Wahlprognosen wieder aufholte. Bei der Prognose eines Meinungsforschungsinstituts führt jetzt sogar Trump vor Clinton, worauf der Dax auf unter 10.300 Indexpunkte, der Dow Jones Industrial Index auf unter 18.000 Indexpunkte und der EuroStoxx auf unter 3000 Indexpunkte fiel.

Die Markttechnik sieht nicht positiv für die Wall Street aus. Nach einem Mini-Crash wird es aber zu Rückkäufen auch durch großvolumige Aktienrückkauf-Programme kommen, das die Wall Street schon lange künstlich oben hält. Möglich sind daher zunächst neue Tiefstkurse im November und dann eine kleine Jahresendrally ausgehend von tieferen Kursen zum Jahresschluss.

Nach der Wahl ist vor der Wahl (in Italien): Die Gefahr des „Italexit“ droht

Trump ist aber auch für Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, wobei es unter ihm zu einem Anleihen-Crash kommen könnte. Unabhängig davon wird wohl die US-amerikanische Notenbank die Zinsen am 14. Dezember um 0,25 Basispunkte erhöhen, was die Märkte belasten könnte. Zudem wird in Italien am 4. Dezember in einem Referendum entschieden, ob die Verfassung geändert werden soll. Wird das Referendum kein Erfolg, will Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi zurücktreten. Dann könnten Neuwahlen in Betracht kommen, bei denen die europafeindliche Fünf-Sterne-Partei weiteren Zulauf bekommen könnte. Auch dann könnte mit Beppe Grillo ein Politik-Clown, der gegen den Euro ist, zum Star werden. Kommt es zu einem politischen Chaos in Italien, könnte es auch bei einem Referendum zu einem „Italexit“ kommen, denn mehr als 50 Prozent der Italiener sind für den Austritt aus der Europäischen Union (EU) und dem Euro. Ein Italexit wäre dann sogar wahrscheinlicher als ein „Grexit“. Das wäre dann aber auch das Ende des Euros.

Verzögert sich der Brexit?

In Großbritannien muss das Parlament über den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der EU,  nach einer Entscheidung des Londoner High Courts mitbestimmen. Das könnte den Brexit verzögern. Es darf also nicht alleine die Regierung über den Brexit entscheiden. Großbritanniens Premierministerin Theresa May will dennoch den Brexit bis März 2017 beantragen und sie will auch in Berufung gehen. Es kommen also noch viele Unsicherheitsfaktoren bis Jahresende auf uns zu. Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Gold erholt, Öl schwach

Es kann gut sein, dass die Aktienmärkte je nach Wahlausgang in den USA, aber auch unabhängig davon im November und Dezember noch einmal neue Tiefstkurse sehen, bevor es zu einer Jahresendrally kommt. Gold hat zuletzt den Pullback (Rückkehrbewegung) auf 1.306 US-Dollar/Unze geschafft, könnte jetzt aber wieder nachgeben, wenn Clinton die Wahl gewinnen sollte. Wenn Trump die Wahl gewinnen sollte, wird Gold ansteigen, ebenso wie Bitcoins zuletzt stark angestiegen sind auf 638 Euro/BTC.

Der Brentölpreis – das Öl der Sorte Brent stammt aus der Nordsee – wird von der Konferenz der Opec (Organisation erdölexportierender Länder) Ende November maßgeblich beeinflusst. Die hohen Rohöllagerbestande in den USA brachten den Brentölpreis unter Druck und ließen ihn schon auf 47 US-Dollar/Barrel fallen, was auch den Rubel auf 70 Euro/Rubel fallen ließ.

(Andreas Männicke)


 


 

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