Sie sind hier: Startseite Hamburg Finanzen Aktien & Fonds
Weitere Artikel
Aktienmärkte

Sommerflaute oder fortgesetzte Sommerrallye an der Wall Street?

Crash-Propheten machen die US-Notenbank Fed für die Überbewertung des US-Aktienmarktes verantwortlich. Der deutsche Aktienleitindex Dax reagierte auf Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei bereits mit deutlichen Kursverlusten. Gold und Silber konnte sich leicht erholen leichten Aufwind. Bitcoins schwanken auf hohem Niveau. Acht Börsen in Osteuropa bleiben die Outperformer, die den Dax in der Wertentwicklung klar schlagen konnten.

Neues US-Sanktionsgesetz gegen Russland sorgt für Wirbel

Noch vor der Sommerpause soll das vom US-Senat initiierte US-Sanktionsgesetz im US-Kongress gegen Russland beschlossen werden. Dabei sollen aber auch europäische Unternehmen bestraft werden können, die sich beim Bau der Nordischen Pipeline beteiligen. Dahinter stecken wiederum amerikanische Wirtschaftsinteressen, die in Zukunft auch Flüssiggas im großen Stil nach Europa exportieren wollen. Begründet wird das neue US-Sanktionsgesetz zwar wiederum mit der Annexion der Krim, dem Einfluss Russlands in der Ost-Ukraine und der der möglichen Beeinflussung des US-Wahlkampfes. Aber in Wirklichkeit stecken auch handfeste Wirtschaftsinteressen dahinter, die dazu dienen Amerika groß und Europa und hier insbesondere Russland klein zu machen. Zum ersten Mal gab es auch offene Kritik von Angela Merkel gegen das geplante US-Sanktionsgesetz, da dieses sich auch gegen europäische Unternehmen richtet.

„Russophobie“ im US-Senat

Es scheint zudem, dass der US-Senat ein wahre „Russophobie“ hat und nichts unterlässt, um Russland wirtschaftlich zu schaden. Das neue US-Sanktionsgesetz gehört daher in die Rubrik Wirtschaftskrieg, den Europa nun auch mit den USA befürchtet. Die USA haben schon relativ grundlos die Sanktionen gegen den Iran verschärft. Alles dies ist ganz im Sinne der Politik des US-Präsidenten Donald Trump, der viele US-Kongressabgeordnete ebenfalls folgen. Zudem halten sich die USA militärische Optionen beim Nord-Korea-Konflikt offen.

„Kremlingate“ ante portas

Dennoch muss Trump im Sommer nun ein von einem Demokraten offiziell beantragtes Amtsenthebungsverfahren über sich ergehen lassen wegen des Verdachts auf Landesverrats im Rahmen seiner „Russland-Connection“ während des Wahlkampfes und der Wahlbeeinflussung durch russische Hacker. Dabei werden nun die E-Mail-Konten von Trumps Söhnen verschärft untersucht, nachdem dort Russlandkontakte während des Wahlkampes nachgewiesen werden konnten.

Trump brachte schon eine mögliche Begnadigung als Machtinstrument des Präsidenten ins Spiel, wobei es strittig ist, ob dieses bei den eigenen Söhnen gelten könnte. In jedem Fall könnte Trump durch das „Kremlingate“ einiges „Sommertheater ins Haus stehen, was für Unsicherheit auch an den Börsen sorgen könnte. Bisher werden die US-Börsen aber mehr von der gerade laufenden Berichtssaison dominiert, wo vor allem Technologieaktien weiter im Wachstum überzeugen können.

Crash-Propheten nehmen zu

Es gibt jetzt immer mehr Crash-Propheten. Neben den Bären Marc Faber und Jim Rogers meldet sich jetzt erneut der Ex-US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul zu Wort, der bis Oktober einen Kurszusammenbruch an der Wall Street um 25 Prozent kommen sieht und einen Anstieg des Goldpreises um 50 Prozent. Auch George Soros hält den US-Aktienmarkt für überbewertet. Zudem machen die vielen faulen Automobil- und Studentenkredite in den USA Sorgen. In Deutschland droht den deutschen Automobilkonzernen wohlmöglich ein Kartellverfahren der Europäischen Union wegen unerlaubter Preisabsprachen.

US-Notenbank spielt mit dem Feuer

Alle genannten Crash-Propheten machen die US-Notenbank Fed für die Überbewertung des US-Aktienmarktes verantwortlich. Dabei kündigte die Fed jetzt weiter Zinserhöhungen an. Der geplante Rückzug und Weg zur Normalisierung wird jedoch steinig werden, insbesondere wenn die Fed im 4. Quartal dem Markt Liquidität entziehen und die Zinsen weiter ansteigen lassen will. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Zunächst wird aber die US-Berichtssaison darüber entscheiden, wie es im Sommer weitergeht. Sowohl eine Sommerflaute als auch eine fortgesetzte Sommerrallye und damit neue Allzeithochs an der Wall Street sind noch möglich.

Türkei-Konflikt belastet den Dax

Allerdings zeigten die erneuten Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei mit der Möglichkeit von Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei schon am Freitag, 21. Juli, erste Schleifspuren beim Dax, der um 1,57 Prozent auf 1.252 Indexpunkte nachgab. Dadurch fiel auch der Euro-Stoxx um 1,37 Prozent auf 3554 Zähler. Damit stieg der Dax in einem Jahr immerhin noch um 20 Prozent und der Eurostoxx um 17,9 Prozent an, während der Nasdaq Comp. Index sogar 25,9 Prozent innerhalb eines Jahres zulegen konnte.

Gold und Silber leicht erholt

Gold konnten am 21. Juli um 0,87 Prozent auf 1.255 US-Dollar/Unze und Silber um 1,16 Prozent auf 16,5 US-Dollar/Unze, womit der Goldpreis in einem Jahr immer noch um 4,6 Prozent nachgab und Silber sogar um 15,1 Prozent. In fünf Jahren verlor Gold in US-Dollar sogar über 20 Prozent an Wert und Silber um fast 40 Prozent. Gold war bisher keineswegs der von vielen Goldanlegern erhoffte „sichere Hafen“. Gold und Silber haben jetzt aber Erholungspotenzial.

Bitcoins schwanken stark, blieben aber Outperformer

Bitcoins erholten sich nach dem vorherigen Kurseinbruch um über 30 Prozent wieder von unter 2.000 auf über 2.300 Euro und bleiben damit auch nach der Korrektur mit einer Kursverdoppelung seit März 2107 die beste Geldanlage der Welt. Es entstehen allerdings immer mehr Kryptowährungen wie Etherum und Ripples, die dem Bitcoin Konkurrenz machen werden.

Die besten Börsen der Welt kommen aus Osteuropa

Noch wesentlich besser als der Dax und sogar der Nasdaq-Index schnitten in diesem Jahr viele Börsen-Indices in Osteuropa ab. So kommen, wenn mal einmal von Venezuela absieht, die Börsen in Lettland mit einem Plus von 35 Prozent und in Kasachstan mit einem Plus von 31 Prozent die beiden am besten performenden Börsen der Welt. Beide genannten Aktienmärkte sind allerdings sehr markteng und illiquide.

Osteuropa-Börsen als Outperformer

Insgesamt zählen damit schon wieder acht Börsen aus Osteuropa zu den 30 am besten performenden Aktienmärkten der Welt angeführt wie erwähnt von den Aktienmärkten in Lettland und Kasachstan (jeweils >plus 30 Prozent im Jahr 2017), gefolgt von den Aktienmärkten aus Bulgarien (plus 20,3 Prozent), Polen ( plus 18,7 Prozent), Estland (plus 14 Prozent), Rumänien (plus 11 Prozent), Litauen (plus 11 Prozent) und Slowenien (plus 10 Prozent). Auch der österreichische ATX-Index, der viele Aktien mit starken Osteuropa-Geschäft beinhaltet, stieg schon um 21 Prozent und der türkische ISE 100 Index um 28,7 Prozent – trotz Erdogan. Der Cece-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse, das die Aktienmärkte in Ungarn, Polen und Tschechien zusammenfasst, stieg ebenfalls bereits um 21 Prozent in diesem Jahr und damit weit mehr als der Dax, wobei hier wieder polnische Aktien outperformen konnten.

Ölpreis und „Kremlingate“ belasten den russischen Aktienmarkt

Der russische Aktienmarkt leidet dagegen weiter unter dem relativ schwachen Ölpreis – der Brentölpreis gab am Freitag schon wieder 2,66 Prozent auf 48,14 US-Dollar nach – und dem negativen Trump-Effekt sowie den neuen geplanten US-Sanktionen gegen Russland, wobei die „Kremlingate“, wo Russland aus der Sicht der Amerikaner mal wieder der „böse Bube“ ist, auch Trumps Haltung zu Russland negativ beeinflusste.

Dabei gibt es aber viele Vorurteile und auch Vor-Verurteilungen, denn Russlands Präsident Wladimir Putin streitet die Wahlbeeinflussung in den USA nach wie vor ab. Auch das erste direkte Treffen zwischen Putin und Trump beim G20-Gipfel in Hamburg am 6. Juli führte zu keiner Entspannung, obwohl ein Waffenstillstand in Syrien vereinbart wurde.

Selektiv Chancen in Russland

Daher sank der russische Aktienindex RTS (Russian Trading Index) in US-Dollar um 1,31 Prozent 1.024 Indexpunkte, wobei vor allem russischen Öl- und Gasaktien wie Gazprom, Lukoil und Rosneft unter Druck kamen. Zudem war der Rubel in diesem Jahr sehr schwach, sodass es zu hohen Währungsverlusten von über 10 Prozent für ausländische Investoren kam, was im letzten Jahr genau umgekehrt war. Es gab aber auch Aktien, die in diesem Jahr gegen den fallenden Trend steigen konnten wie der „Google von Russland“ Yandex mit einem Plus von 35 Prozent, aber auch der Konsumwert X 5 Retail Group mit einem Plus von 15 Prozent und vor allem der Überflieger Aeroflot mit einem Plus von 25 Prozent, obwohl die Aktie seit 2015 schon um fast 500 Prozent anstieg. Bei Aeroflot lockt auch eine Dividendenrendite von mehr als 10 Prozent, wie es überhaupt sehr viele Aktien in Russland gibt mit einer Dividendenrendite von über 5 Prozent.

(Andreas Männicke)


 


 

Aktienmarkt
Börsen
Aktie
Silber
Dax
US-Sanktionsgesetz
Gold
Kremlingate
Osteuropa
Crash-Propheten
Outperformer
Wall Street

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Aktienmarkt" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: