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Spannungen zwischen USA und Russland nehmen zu – Weltbörsen reagieren gelassen

Die Moskauer Börse gab am Freitag, 7. April kräftig nach, während die Weltbörsen auf den neuen Konflikt zwischen den USA und Russland – nahe dem Allzeithoch stabil – noch sehr gelassen reagierten. Auch die zunehmenden Terrorattacken im Ausland (Russland, Schweden und Ägypten) beunruhigen die Anleger (noch) nicht. Börsenexperte Andreas Männicke mit einem Blick auf das geopolitische Geschehen.

Donald Trump hat am 7. April 2017 zum ersten Mal einen Raketenangriff auf einen militärischen Stützpunkt in Syrien befohlen, was wiederum eine spontane Reaktion auf einen Giftgasanschlag in Syrien war, der angeblich von Assad ausgeführt wurde. Genau das bestreitet die syrische Regierung jedoch vehement. Putin sprach von einem völkerrechtswidrigen Angriff auf einen souveränen Staat. Russland schickte ein Kriegsschiff in die Region.

Statt einer neuen Entspannungspolitik kommt es nach dem Militärschlag der USA auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee in der Provinz Homs zu großen Spannungen zwischen den USA und Russland. Der Informationsaustausch zwischen den USA und Russland über die Flugziele in Syrien und die angedachte Kooperation bei der Bekämpfung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) wurde von russischer Seite aufgekündigt.

Dabei hatten Russlands Präsident Wladimir Putin und die russische Regierung so große Hoffnungen in eine neue Ära der Entspannungspolitik nach der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gesetzt. Aber die Hoffnungen waren schnell verflogen, als Trump eine Kehrtwendung machte und äußerte, dass Russland die Krim an die Ukraine zurückgeben solle. Auch kam es bisher nicht wie erhofft zu einem direkten Gespräch zwischen Trump und Putin. Nach der anfänglichen Trump-Euphorie ist mittlerweile Ernüchterung und Enttäuschung in Moskau eingekehrt.

War der Giftgasanschlag eine False-Flag-Attacke?

Der Militärschlag der USA ist nach Auffassung der russischen Regierung völkerrechtswidrig, zumal bisher noch keine Beweise vorgelegt wurden, dass Assad den Giftgasanschlag befohlen hat und die syrische Armee dahinter steckt. Nach Auffassung Russlands könnte auch ein chemisches Waffenlager der Opposition getroffen worden sein. Oder es war eine False-Flag-Attacke, also ein Angriff unter falscher Flagge. Der grauenhafte Giftgasanschlag, bei dem auch wehrlose Kinder starben, bietet viel Raum für Verschwörungstheorien: So könnte auch die türkischen Geheimdienst wie angeblich zuvor schon geschehen solche Angriffe initiieren, um Syriens Staatspräsidenten Baschar Hafiz al-Assad zu stürzen beziehungsweise zumindest das syrischen Militär zu behindern, weiter die Opposition anzugreifen. Die Türkei fordert nun fortgesetzte Militärschläge der USA gegen die syrische Armee, was bisher aber seitens der USA nicht beabsichtigt ist.

Auch amerikanische Kampfflugzeuge treffen nicht immer und töten Zivilisten in Syrien

Die Vorverurteilung von Assad ohne Beweise ist prototypisch für das voreilige Vorgehen der USA. Dies zeigte sich schon beim Ukraine-Konflikt. Auch die einseitige Berichterstattung in den Leitmedien, nach der Assad und Putin angeblich gemeinsame Sache machen und beiden zu den „Bösen“ gehören, ist nicht neu. So ist nach Auffassung des Publizisten Jürgen Todenhöfer völlig unverständlich, dass die Bombardierung einer Moschee nahe der syrischen Provinz Idlip durch US-Kampfflugzeuge mit mehr als 50 Toten sowie der versehentliche Angriffe auf eine Schule in Raka mit 30 Toten, darunter viele Kinder, von der westlichen Presse verschwiegen wird.

Auch bei Angriffen im irakischen Mossul mit Hilfe amerikanischer Flugzeuge sterben immer wieder viele Zivilisten. Ungesühnt bleibt zudem die Bombardierung in Jemen auch mit Hilfe der Unterstützung des amerikanischen Militärs durch Saudi-Arabien, wo weiterhin viele Zivilisten sterben. Hier wird einmal wieder mit zweierlei Maß gemessen, wie so oft. Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang auch immer der völkerrechtswidrige Angriff im Irak, der nur auf Lügen des Pentagons beruhte und dessen Folge nun der Kampf gegen den IS und letztendlich die Flüchtlingsproblematik in Europa ist. Auch hier tragen bei genauerem Hinsehen die USA eine erhebliche Mitverantwortung.

US-Medien und Demokraten hoffen auf ein Watergate bei Trump

Die Kehrtwendung von dem ohnehin unberechenbaren US-Präsidenten Trump ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass Trump nun wegen angeblicher oder tatsächlicher Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams erheblich unter Druck steht und nun ganz bewusst genau das Gegenteil von dem macht, was er zuvor in Zusammenhang mit Assad und Putin ankündigte. So hat der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn nun angekündigt, auszusagen und eine „Geschichte“ zur Russland-Verbindung während des Wahlkampfes zu erzählen, wenn ihm Immunität gewährt werde. Einige Medienvertreter und Mitglieder der Demokratischen Partei erhoffen sich schon ein zweites Watergate und ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Daher ist Trump jetzt wohl auch extrem vorsichtig, was Russland angeht.

Kann Trump nun bei der Unternehmenssteuerreform liefern?

Aber auch innerhalb der Republikanischen Partei hat Trump wenig Rückhalt. Er kann nicht „durchregieren“, obwohl die Republikaner sowohl im Senat als auch im Kongress die Mehrheit haben – wie beim Scheitern der Reformierung von „Obamacare“ schon deutlich wurde. Hier hat Trump nicht liefern können und es bestehen erhebliche Zweifel, dass er bei der Steuerreform so schnell liefern kann, wie er versprochen hat. Insbesondere die Grenzsteuern beziehungsweise die Einführung einer Importsteuer könnten den Welthandel erheblich beeinträchtigen.

Weltbörsen – Anleger bleiben noch gelassen

Die Weltbörsen reagierten bisher noch recht gelassen auf die Ereignisse in Syrien. Auch der Terroranschlag in Stockholm hatte keine Auswirkungen auf die Weltbörsen und erst recht nicht der Bombenterror in St. Petersburg vor einer Woche. Auch hier fiel auf, dass kaum einer öffentlich für Russland betete bzw. das Brandenburger Tor auch nicht aus Solidarität in den Farben der russischen Nationalflagge leuchtete. Auch hier werden wohl Terroranschläge mit zweierlei Maß bemessen. Nun kam es zu neuen Terroranschlägen in Ägypten gegen Christen, wofür sich der IS verantwortlich zeigt. Die Medien scheinen sich an die Terroranschläge des IS im Ausland allmählich zu gewöhnen und die Anleger an den Weltbörsen auch.

Börsen in Osteuropa mit großen Chancen

Der deutsche Aktienindex Dax blieb am 7. April stabil bei 12.233 Indexpunkten, der Dow Jones Industrial Index bei 20.656 Indexpunkten und der Euro-Stoxx bei 3.500 Indexpunkten. Nur der russische Aktienmarkt gab um 3 Prozent nach. Dennoch gibt es weiterhin sehr gute Chancen an den Börsen Osteuropas.

Viel Freude machen diesmal vor allem die Aktienmärkte in der Balkan-Region, hier vor allem in Rumänien, und Zentral-Osteuropa, hier speziell in Polen, mit einem Plus von jeweils 15 Prozent seit Jahresbeginn, die sogar den Dax mit einem Plus von 7 Prozent outperformen konnten. Beide Länder haben mit über 4 bzw. 3 Prozent auch mit das höchste Wachstum des Bruttosozialprodukts in Europa.

(Andreas Männicke)


 


 

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