Sie sind hier: Startseite Hamburg Finanzen Aktien & Fonds
Weitere Artikel
Aktienmärkte

Syrien, Iran, Russland – wie weit kann der „kalte Krieg“ eskalieren? – Börsen reagieren derzeit eher gelassen

Die Weltbörsen sind aufgrund des geo- und handelspolitischen Weltgeschehens angeschlagen, reagieren aber gelassen. Die Moskauer Börse ist gefährdet. Viele Osteuropa-Börse gelten dagegen als „Oasen der Stabilität“. Die Kryptowährung Bitcoin erholt sich kräftig. Gold schafft noch nicht den Ausbruch. Der Ölpreis steigt stark an.

Am 14. April 2018 unternahmen die USA in Kooperation mit Großbritannien und Frankreich, wie von US-Präsident Donald Trump angekündigt, einen gezielten Luftangriff auf drei militärische Einrichtungen, ein Forschungszentrum und ein Chemiewaffenlager in Syrien, wo die Herstellung von Chemiewaffen vermutet wird. Russland wurde dabei vorgewarnt. Die militärische Aktion ist damit zunächst abgeschlossen, kann aber wiederholt werden, falls Syrien wieder einen Chemieangriff tätigen sollte. Dabei war der letzte angebliche Chlorgasangriff noch gar nicht abschließend geklärt. Das russische Militär geht davon aus, dass der britische Geheimdienst den Giftanschlag vorbereitet haben soll. Russland geht auch davon aus, dass der Giftanschlag gegen Skripal von den USA oder Großbritannien absichtlich vorbereitet wurde. Der Iran bezeichnet den Luftangriff als Verbrechen und warnt vor einer Eskalation.

Russland droht mit Konsequenzen und will nun einige Flugabwehrraketen nach Syrien schicken. Russland hat nun auch einen Strafzoll für einige US-Produkte wie Tabak und Alkohol ausgesprochen, nachdem die USA zuvor einen Strafzoll für Stahl und Aluminium erhoben haben. Zuvor sanktionierte die USA einige Oligarchen und deren Firmen, was den Rubel und die Moskauer Börse um über 10 Prozent am 9. April einbrechen ließen. Damit geht der „kalte Krieg“ zwischen den USA und Russland in die nächste Runde und er nimmt nun immer bedrohlichere Ausmaße an. Provoziert Trump etwa sogar einen dritten Weltkrieg?

Luftangriff politisch umstritten

Der von Trump schon per Twitter angekündigte Luftangriff mit vier US-Kampfflugzeugen aufgrund des angeblichen Giftwaffenangriffs der syrischen Armee unter Präsident Baschar Hafiz al-Assads schafft nun Fakten. In Deutschland wird der Luftangriff unter den Parteien sehr unterschiedlich beurteilt. Der deutsche Außenminister Heiko Maas sprach von einer angemessen und erforderlichen Handlung ebenso wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel, obwohl die Ergebnisse der Giftgas-Untersuchungen „vor Ort“ noch gar nicht abschließend vorlagen und es auch kein UN-Mandat gab.

Auch der französischen Präsident Emmanuel Macron bezeichnet den Luftangriff als rechtmäßig ebenso wie die britische Premierministerin Theresa May. Beide hatten die USA bei den Luftangriffen militärisch unterstützt. Auch handelt es sich schon wieder um einen klaren Fall von Vorverurteilungen ohne klare Beweise. Denn denn die Untersuchung, ob es einen Chlorgasanschlag gab, erfolgte erst einen Tag nach dem Luftangriff, ohne dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hierfür ein Mandat gab, was ein Unding ist. Wozu gibt es eigentlich noch ein Völkerrecht, wenn es von den USA und den Verbündeten ständig ignoriert wird?

Die Partei Die Linke bezeichnet den Luftangriff daher zu Recht als völkerrechtswidrig. Der Iran warnt vor einer Eskalation. Dabei war es noch gar nicht ganz klar, ob es überhaupt einen Chlorgasangriff gab und wenn ja, von wem er ausgeübt wurde. Die syrische Regierung weist jegliche Verantwortung von sich. Das russische Militär ist sogar der Auffassung, dass der britische Geheimdienst hinter dem Chlorgasangriff steckt. Die „Weißhelme“, die den Anschlag gemeldet und aufgenommen haben, werden von den Briten und Amerikanern finanziert. Sie sind nicht unbedingt glaubwürdig. Die Rebellen in Syrien, die überwiegend Dschihadisten und Terroristen sind, wurden von den USA zuvor mit Waffen beliefert, um einen Sturz von Assad herbeizuführen. Die USA haben dafür angeblich sogar 1 Milliarde US-Dollar investiert. Auch die Türkei, die nun gegen Kurdistan kämpft, will einen Sturz Assads herbeiführen, ebenso Saudi-Arabien und Israel, was bisher aber nicht gelang, weil sich Russland massiv auch militärisch für Assad einsetzte wie auch der Iran. Zudem tobt weiter der Stellvertreterkrieg Jemen gegen Saudi-Arabien.

Zudem sind die Israelis involviert, die nun wieder Probleme an der Grenze zu Palästina haben, aber auch Luftangriffe gegen Syrien getätigt haben. Außerdem meldete der Iran eine eigenartige Explosion bei einer Militäranlage. Es gibt Befürchtungen, dass sich nach den Syrien-Krieg im Sommer ein Iran-Krieg mit den USA und Saudi-Arabien und Israel als Verbündete anschließt, wo dann zum Schluss auch Russland als Pate für den Iran sanktioniert oder möglichweise sogar angegriffen wird. Auch ist der Konflikt in der Ukraine noch nicht gelöst. Gespannt sein darf man auch, wie der Konflikt der USA mit Nordkorea gelöst wird. Überall geht es nur um Machterhaltung und -ausweitung. Damit ist der Weltfrieden mehr in Gefahr denn je! Wehret den Anfängen!

Handels- und Finanzkrieg der USA gegen Russland verstärkt sich

Es scheint, James Bond sei im Moment wieder einmal sehr aktiv. Die unheilvollen angelsächsischen Geheimdienste spielen bei diesem Stellvertreterkrieg und auch beim „kalten Krieg“ eine nicht unbedeutende Rolle, auch mit geheimen False-Flag-Attacken, also Angriffe unter falscher Fahne, so dass es Journalisten schwerfällt, die Wahrheit herauszufinden. Gelogen wird auf beiden Seiten und einen Informationskrieg gibt es schon lange auf beiden Seiten, genauso wie einen Cyberkrieg.

Jedenfalls haben die Falken und Hardliner in den USA jetzt wohl das Sagen, was nicht ungefährlich für den Weltfrieden ist. Was aber nicht zu leugnen ist, ist dass die USA und Großbritannien schon ein lange Tradition mit „Regime Change“ und Angriffskriegen, aber auch False-Flag-Attacken der Geheimdienste haben. Nicht alles, was in den Mainstream-Medien berichtet wird, entspricht der Wahrheit – erst recht nicht, was einige Politiker aufgrund von Geheimdienstberichten aussprechen bzw. für richtig halten.

Unsinnige Sanktionsspirale forciert den Konfrontationskurs der USA und Großbritannien gegen Russland

Was zudem in den vergangenen Jahren seit 2014, also der Ukraine-Krise, auffällt, ist die große Anzahl von Sanktionen der USA gegen Russland auf Basis von Vermutungen und Anschuldigungen, aber nicht aufgrund von Beweisen. Ganz offensichtlich wollen die USA im Rahmen des „kalten Kriegs“ Russland zumindest finanziell isolieren und in die Enge treiben. Die letzten Sanktionen gegen die Oligarchen, die den Aluminiumkonzern RuSal besonders hart trafen, hatten schon ein großen Wirkung am russischen Kapitalmarkt, an der Moskauer Börse und bei den Währungen Rubel und Türkische Lira, die am 9. April 2018 um über 10 Prozent einbrachen. Bei den nächsten Sanktionen, die schon im US-Kongress zur Vorbereitung liegen, sollen US-Amerikaner keine russischen Anleihen/Eurobonds mehr kaufen und auch nicht mehr halten dürfen, womit Russland wie schon nach dem Ukrainekrieg vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten wird.

Kommt nun auch noch ein Handelskrieg USA mit China?

Neben dem sich verschärfenden „kalten Krieg“ zwischen den USA könnte sich auch der Handelskrieg der USA mit China verschärfen, wenn die USA und auch China mit ihren Ankündigungen Ernst machen. Dies könnte den Welthandel in Zukunft erheblich stören. Noch wird aber verhandelt. Zudem sind wir jetzt inmitten der Berichtssaison in den USA, wo im Durchschnitt eine Gewinnsteigerung von 18 Prozent bei der S&P-Unternehmen erwartet wurde, was den sehr hoch bewerteten US-Aktienmarkt (noch) stützt.

Weltbörsen bleiben gelassen – Osteuropabösen selektiv als „Oasen der Stabilität“

Da der Militärschlag der USA gegen Syrien abgeschlossen ist und Russland nicht militärisch reagieren wird, dürften die Aktienmärkte in den nächsten Tagen gelassen reagieren. Dennoch sind die Aktienmärkte schon lange charttechnisch angeschlagen. Der deutsche Leitindex Dax stieg am 13. April um 0,22 Prozent, aber der Dow-Jones-Index (DJI) gab um 0,5 Prozent auf 24.366 Indexpunkte nach und der russische RTS-Index sogar um 1,8 Prozent auf 1.104 Zähler. Ende Februar war der RTS-Index noch bei über 1.300 Indexpunkten und bis dahin mit einem Plus von 10 Prozent noch einer der am besten performenden Aktienmärkten der Welt. Das hat sich nach den Oligarchen-Sanktionen schlagartig geändert. Nun ist noch nur der Dax (minus 3,7 Prozent im Jahr 2018), der EuroStoxx (minus 1,56 Prozent im Jahr 2018) und DJI (minus1,6 Prozent im Jahr 2018), sondern auch der russische Aktienmarkt seit Jahresbeginn mit etwa 6 Prozent im Minus, denn zu Jahresbeginn lag er noch bei 1.150 Indexpunkten.

Rubel wegen Oligarchen-Sanktionen unter Druck – Osteuropabörsen können selektiv outperformen

Dies liegt aber auch vor allen dem Währungsverlust von über 10 Prozent am 9. April, der Rubel fiel von 71 auf 78 Euro, erholte sich aber wieder auf 76 Euro/Rubel, weil der Brentölpreis auf das neue Jahreshoch von 72,7 US-Dollar/Barrel anstieg. Der MICEX-Index in Rubel ist noch um 3,6 Prozent von 2.100 auf 2.175 Indexpunkte gestiegen. Kräftig im Plus sind hingegen immer noch die Osteuropabörsen in der Ukraine, Kasachstan, Rumänien, den baltischen Börsen und der Prager Börse als „Oasen der Stabilität“ in diesem unsicheren Umfeld.

Gold seitwärts – Bitcoins kräftig erholt

Gold konnte im Vorfeld des Luftangriffs der US in Syrien noch nicht sonderlich profitieren; das Edelmetall tendiert nur seitwärts bei 1.347 US-Dollar/Unze ebenso wie Silber bei 16,7 US-Dollar/Unze. Erst bei über 1.370 US-Dollar/Unze wäre der Weg für Gold charttechnisch nach oben frei. Viele Gold- und Silberaktien sind aber noch im Keller. Dagegen stiegen Bitcoins am 13. April um 11 Prozent auf über 6.500 Bitcoin/Euro. Der Euro stabilisierte sich bei 1,23 Euro/US-Dollar und tendiert damit weiterhin nur seitwärts.

(Andreas Männicke)


 


 

Aktienmarkt
Aktien
Rubel
Moskauer Börse
Osteuropabörsen
Bitcoin
Goold
Ölpreis

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Aktienmarkt" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: