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Trump sorgt für Aufregung – und für steigende Aktienkurse

US-Präsident Donald Trump schickt die Wall Street auf neue Allzeithochs. Börsen in Osteuropa boomen. Rohstoffe stehen vor dem Comeback. Target2-Salden befinden sich auf Rekordniveau. Der Börsenexperte Andreas Männicke mit einem aktuellen Überblick.

US-Präsident Donald Trump zündete ein Feuerwerk an Dekreten und setzte damit zum Erstaunen der Weltöffentlichkeit sein Wahlprogramm um – ganz zum Leidwesen vieler westlicher Politiker und politischer Gegner auf der Welt. Trump zündete aber auch ein Kursfeuerwerk an der Wall Street. Auch in der vergangenen Woche erreichte der Dow Jones Industrial Index wieder ein neues Allzeithoch. Nun aber stellen sich viele Experten die berechtigte Frage, ob das alles nur ein Strohfeuer ist.

Es stiegen nicht nur die Aktien in den USA, sondern auch in den Emerging Markets und hier wiederum vielfach in Osteuropa, denn sieben osteuropäisches Börsen zählen erneut zu den am besten performenden Aktienmärkten der Welt.

Trump ist einer der wenigen „Politiker“, die bisher ihr Wahlprogramm konsequent umsetzten, dies allerdings ganz zum Leidwesen all derjenigen, die dafür überhaupt kein Verständnis haben. Aber Trump sorgt auch für Gegenreaktionen auf der Straße, in den Medien wie auch in den eigenen Reihen der Republikaner. Die US-Gerichte vereitelten bisher die Umsetzung seines recht eigenwilligen Dekrets, Moslems aus sechs arabischen Ländern die Einreise zu verweigern. In den USA leben elf Millionen Menschen ohne legale Dokumente.

Trump entschied zudem, eine Mauer vor Mexiko zu bauen, die er durch eine zwanzig-prozentige Importsteuer für Einfuhren aus Mexiko finanzieren will. Ob er dies jedoch umsetzen kann, wird der Kongress zu entscheiden haben. Dort hat er nicht nur Befürworter, obwohl die Republikanische Partei die Mehrheit im Senat und im Kongress hat – er also im Grundsatz ohne Widerstand „durchregieren“ könnte. Trump hat nun auch den extrem konservativen Richter und Abtreibungsgegner Neil Gorsuch an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, also dem Verfassungsgericht bzw. dem Supreme Court geschickt, wobei diese Benennung auf Lebenszeit ist. Trump hat außerdem angekündigt, dass er die Steuerreform schon in den nächsten Wochen durchführen wolle und das waren genau die Worte, die die Anleger hören wollten, die sich dadurch auch eine bessere Gewinnentwicklung der US-Unternehmen und mehr Wachstum des Bruttosozialprodukts in den USA erhoffen.

Der Dow Jones Industrial Index stieg am 10. Februar – trotz oder auch wegen Trump – auf das neue Allzeithoch von 20.269 Indexpunkten. Der Dax stieg auf 11.666 Indexpunkten und damit um 31 Prozent innerhalb eines Jahres. Im vergangenen Jahr wurden die globalen Aktienmärkte noch durch den Crash in China in Mitleidenschaft gezogen. Gold stabilisierte sich bei 1.233 US-Dollar/Unze und Silber bei 17,95 US-Dollar/Unze. Der Brentölpreis konnte sich bei 56,7 US-Dollar/Barrel behaupten.

Korrektur an der Wall Street ante portas?

Die Wall Street ist gemessen am Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das das durchschnittliche KGV der vergangenen zehn Jahre bemisst, äußerst hoch bewertet und auch das Kurs-Umsatzverhältnis ist auf Rekordniveau. Die Aktienkurse wurden in den USA in den vergangenen Jahren mehr durch Aktienrückkauf-Programme und niedrige Zinsen künstlich oben gehalten. Nun droht eine Zinswende in den USA, die im Jahresverlauf noch für Gegenwind sorgen wird, zumal auch höhere Inflationsarten erwartet werden. Abgewartet werden muss auch, ob die bisher sehr schwache Investitionsneigung der US-Unternehmen durch die Steuererleichterungen tatsächlich ansteigt und auch die Gewinnentwicklung verbessert wird. Ist dies nicht der Fall, wird die Wall Street wieder scharf korrigieren.

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?

Zudem muss abgewartet werden, ob die protektionistischen Maßnahmen auch Gegenreaktionen (von China, Europa) provozieren, die auch dem US-Wachstum schaden werden, sodass die recht eigenwilligen Trump-Maßnahmen später im Nachhinein zum Bumerang werden. Dies kann aber frühestens nach sechs Monaten beurteilt werden. Fraglich ist auch, wie Trump die geplanten Infrastrukturinvestitionen in Kombination mit den Steuererleichterungen finanzieren will, ohne dass der US-Haushalt aus den Fugen gerät. Schon jetzt drohen durch Zinssteigerungen wesentlich höhere Haushaltsbilanzdefizite und die USA sind schon mit über 20 Billionen US-Dollar übermäßig verschuldet.

Zerbrechen die EU und der Euro?

Aber nicht nur Trump wird noch auf den Boden realer Fakten und nicht seiner alternativen Fakten geführt werden. Auch Europa steht vor großen Herausforderungen mit den Parlamentswahlen in den Niederlanden im März, mit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Mai und den Bundestagswahlen in Deutschland im Sommer, wo Rechtspopulisten wahlentscheidend werden könnten. Kaum einer hat bisher auf der Rechnung, dass im Fall eines überraschenden Siegs von Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich, die Europäische Union und der Euro in der gegenwärtigen Form beerdigt werden.

Le Pen prangert zu Recht an, dass der Euro den südeuropäischen Ländern eine zu hohe Jugendarbeitslosigkeit verschafft und damit der Jugend in Südeuropa die Zukunft verbaut wird, da die Länder nicht durch Abwertungen ihre fehlende Wettbewerbsfähigkeit kompensieren konnten. Die Target2-Salden („Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System“), also die Schulden der südeuropäischen Länder gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) und damit mittelbar gegenüber Deutschland belaufen sich schon auf mehr als 800 Milliarden Euro, die im Grunde uneinbringlich sind.

EZB-Chef Mario Draghi rettete bisher das System durch seine Nullzinspolitik, womit Sparer in Europa aber faktisch schleichend enteignet werden, zumal die Inflation jetzt wieder anzieht. Dennoch könnte es im Sommer zu einem Grexit kommen. Zudem muss erst einmal der Brexit Großbritanniens ab März 2017 verkraftet werden. Auch Italien wird ein Problemland in Europa bleiben.

Osteuropäische Börsen boomen weiter

Trotz dieser erkennbar großen politischen Risiken und Herausforderungen stiegen insbesondere die Aktienbörsen in Osteuropa besonders stark an. Sieben osteuropäische Börsen, genauer gesagt die Börsen in Kasachstan, Ukraine, Polen, Rumänien, Slowenien, Bulgarien und Estland, zählen schon wieder zu den 30 am besten performenden Börsen der Welt und konnten sowohl die Wall-Street-Indices als auch den Dax klar outperformen. Der CECE-Index mit den Aktien aus Ungarn, Polen und Tschechien stieg bereits um 10 Prozent in diesem Jahr, also weit mehr als der Dax oder der Dow Jones Industrial Index.

Die Aktien aus Kasachstan stiegen bereits um 24 Prozent in diesem Jahr, die aber auch schon im zurückliegenden Jahr zu den bisher wenig beachteten Outperformern unter den Weltbörsen zählten. Überhaupt werden die Aktienmärkte aus Osteuropa in den Medien immer noch sehr stiefmütterlich behandelt. Etwas Ladehemmung haben noch die Aktien aus Russland in diesem Jahr, aber die stiegen im vergangenen Jahr schon über 50 Prozent im Durchschnitt.

Rohstoffe vor dem Comeback

Aussichtsreich sind auch weiterhin Emerging-Markets- und Frontier-Länder wie Argentinien, Vietnam und Pakistan. Zudem lohnt es sich via Exchange Traded Commodities (ETC) der BNP Paribas weiter auf das Comeback der Rohstoffe zu setzen und zwar nicht nur auf Öl oder Gold/Silber, sondern auch auf andere Edel- und Industriemetalle. So konnte Blei in diesem Jahr schon um 19 Prozent, Zink um 11 Prozent und Kupfer um 6 Prozent ansteigen, wobei Zink schon im vergangenen Jahr mit einem Plus von über 70 Prozent viel Freude machte.

Der Turnaround der Rohstoffe dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, was aber auch die Inflation und mithin die Zinsen anheizen wird. In diesem Umfeld erscheinen die Aktienmärkte aus Russland und Kasachstan weiterhin sehr chancenreich, auch wenn Trumps Bumerang irgendwann auch diese Länder treffen wird. Gespannt sein darf man aber so oder so auf das erste persönliche Treffen zwischen dem US-Präsidenten Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, das spätestens im Sommer beim nächsten G-20-Gipfel in Hamburg stattfinden wird. An eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ist aber in Anbetracht der neuen militärischen Eskalation in der Ukraine vorerst ohnehin nicht zu denken.

(Andreas Männicke)


 


 

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